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Rückblick: Sportjahr 2012: Olympia, Paralympics und Fußball-EM

Uhr | Aktualisiert 28.12.2012 17:36 Uhr
Die Olympia- und Paralympicsstadt 2012: London. (FOTO: DPA) 
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Spektakuläres Olympia, grandiose Paralympics und eine spannungsgeladene Fußball-EM ohne deutsches Happy End: Das Sportjahr 2012 bot alles, was den Fan und seine Emotionen bewegte.
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köln/sid. 

Schwimm-Legende Michael Phelps markierte mit seinem 18. Olympia-Gold den Rekord für die Ewigkeit. Ausnahme-Sprinter Usain Bolt machte sich unsterblich als erster Leichtathlet, der das Gold-Triple über 100, 200 und 4x100 m wiederholte. Zwei Stars von Olympia erlangten Heldenstatus - und Wochen zuvor wurde ein Italiener beim ersten Großereignis 2012 zum deutschen Schreckgespenst: Mario Balotelli schoss das auf den EM-Titel fokussierte Team von Joachim Löw im Halbfinale aus dem Turnier.

Doch London erlebte nicht nur großartige Olympische Spiele mit der Rekordzahl von elf Millionen Zuschauern und seinem deutschen Star Robert Harting (Gold im Diskuswurf) und Doppelsieger Michael Jung (Vielseitigkeit). In der englischem Metropole wurden erstmals auch Paralympics zu einem Weltereignis. Südafrikas Superstar Oscar Pistorius holte nur ein Einzelgold bei drei Starts, dafür wurde der frühere Formel-1-Fahrer Alex Zanardi zum Helden der Spiele.

Elf Jahre nach Horrorunfall auf dem Euro-Speedway Lausitz und der Amputation beider Beine eroberte der 46 Jahre alte Italiener zweimal Gold mit dem Handbike. Und durch seine sympathische Art die Herzen von Millionen. Usain Bolt gewann die Sympathien der Massen durch Höchstleistung und Show. Am Ende krönte der 25-Jährige seinen zweiten Dreifach-Triumph nach Peking 2008 in 36,84 Sekunden mit Jamaikas 4x100-m-Staffel durch den achten Weltrekord der Karriere.

Dreimal angetreten, dreimal gesiegt, und dies bei zwei Spielen hintereinander, das war zuvor bei Olympia nur einem gelungen: Ray Ewry (USA) schaffte den „Hattrick“ 1900 und 1904 in Disziplinen, die längst in der Mottenkiste der Sportgeschichte versunken sind: Weitsprung, Dreisprung und Hochsprung aus dem Stand. Michael Phelps brachte sogar das Kunststück fertig, 2004 in Athen, 2008 in Peking und 2012 in London jeweils in den vier gleichen Disziplinen zu dominieren.

Als erster Mann trimphierte er dreimal in Serie über 100 m Schmetterling und 200 m Lagen, ähnlich mit den Staffeln über 4x200 m Freistil und 4x100 m Lagen. Obwohl er auch drei Niederlagen in London einstecken musste, war Phelps mit viermal Gold und zweimal Silber der erfolgreichste Athlet der Spiele, vor allem aber wurde er zum erfolgreichsten der Geschichte. Mit 18 Siegen, je zweimal Silber und Bronze (zusammen 22 Medaillen) setzte er sich klar an die Spitze der Besten aller Zeiten und übertraf die russische Turnerin Larissa Latinina (18 - neun Siege) in der Anzahl der Medaillen.

Einen ähnlichen Siegeszug setzten auch Spaniens Fußballer fort, der Weltmeister gewann durch den EM-Titel das dritte große Turnier in Folge. Beim glanzvollen 4:0 über Italien feierte das Team um Turnier-Star Andres Iniesta in Kiew den höchsten Finalsieg der Geschichte. Einen ähnlichen Tiefschlag wie beim Halbfinal-Aus gegen Italien hatten die Stars von Bayern München bereits am 19. Mai erlebt, als sie beim „Drama dahoam“ trotz Riesenchancen dem FC Chelsea im Champions-League-Finale mit 3:4 im Elfmeterschießen unterlagen.

Zuvor waren die Bayern wie 2011 im Kampf um die deutsche Meisterschaft an Borussia Dortmund gescheitert, im Pokalfinale (5:2) demütigte der BVB den Rekordmeister gar. Der THW Kiel gewann neben dem Meistertitel ohne Punktverlust und dem Cup auch noch die Champions League und regierte mit diesem Triple die Handball-Welt. Sebastian Vettel fuhr in der Formel 1 zum dritten WM-Titel. Er jagt den Rekord von Michael Schumacher, der nach sieben WM-Trophäen (1994 bis 2004) mit 43 Jahren endgültig seine Karriere beendete.

18 Jahre jünger beendete Magdalena Neuner (25) ihre Biathlon-Karriere nach zweimal Olympia-Gold und zwölf WM-Titeln. Dagegen hatte der frühere Nationalmannschafts-Kapitän Michael Ballack (36) den Zenit schon überschritten, als er die Fußball-Schuhe an den Nagel hängte. Aussortiert wurde ein anderer nach 20 Jahre Lügen und Betrug: Amerikanische Dopingfahnder brachten Lance Armstrong zu Fall. Nach Aberkennung aller sieben Tour-de-France-Titel und dem Rückzug etlicher Sponsoren steht der 41-Jährige vor den Trümmern der Karriere.

Endgültig gingen viele Große des Sports, unter ihnen auch Timo Konietzka. Der Schütze des ersten Bundesliga-Tores erlöste sich selbst durch den in der Schweiz legalen Gifttrunk selbst von seinem Krebsleiden. Der ehemalige Italien-Profi Helmut Haller starb ebenfalls mit 73 Jahren nach Lungenentzündung, der einstige Welt-Handballer Erhard Wunderlich (55) an einem Krebsleiden.

Die größte Tragödie erlebte der Sport am 1. Februar, als bei der Stadion-Katastrophe von Port Said/Ägypten nach einer Massenpanik 79 Menschen umkamen. Viele andere wurden durch schlimme Unfälle aus der Bahn geworfen. So Formel-1-Testpilotin Maria de Villota, die bei ihrer ersten Testfahrt ein Auge verlor, vielfach operiert werden musste und Boris Vukcevic (1899 Hoffenheim), der nach einem schweren Autounfall lange im Koma lag.

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