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Gustav Adolf „Täve“ Schur: Das Radsport-Idol der DDR wird 85

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DDR-Radsportlegende Gustav-Adolf "Täve" Schur wird am 23. Februar 85 Jahre alt.

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Berlin -

Auch im hohen Alter ist vieles geblieben, wie es immer war. Er ist immer noch ein bisschen der rastlose Klassenkämpfer mit großer Fangemeinde: Superstar Gustav Adolf Schur, von allen nur „Täve“ genannt, begeht als wohl populärster Sportler vergangener DDR-Zeiten heute seinen 85. Geburtstag. Groß gefeiert wird am Samstag darauf im Friedensfahrt-Museum von Kleinmühlingen in Sachsen-Anhalt.

„Ich hätte es ja gerne ein bisschen kleiner gehabt - aber es kommen wohl 200 bis 300 Gratulanten“, berichtet der ehemalige Radsportler, dessen politische Ambitionen ihn von 1958 bis 1990 in der Volkskammer der DDR und nach der Wende für den SED-Nachfolger PDS auch im Bundestag sitzen ließen. 2005 wurde ein von der Sternwarte im Erzgebirge entdeckter Asteroid „Täve“ genannt.

Manchmal, wenn die Enkelkinder da sind, fährt der immer noch mobile Senior eine Runde mit seinem blauen Trabi mit der Friedenstaube auf dem Kühler. Ansonsten lieber auf dem Fahrrad: An Wochenenden mit schönem Wetter schafft Schur immer noch bis zu 60 Kilometer. Am Heizungsrohr im Keller macht er Klimmzüge. „Die meisten sind ja faule Hunde und sitzen nur im Auto - ich nicht“, meinte Schur.

Lob für Flüchtlingspolitik

Die nächsten 15 Jahre hat 85-Jährige - weiter rank und schlank - fest umrissen: „Wir Ossis können 100 Jahre alt werden, und wir müssen auch 100 Jahre alt werden.“
Und noch eines hat sich nicht geändert. Politisch ist „Täve“ Schur ebenfalls auf dem Laufenden. Angela Merkels Flüchtlingspolitik könne er unterschreiben. „Jeder Mensch hat ein Recht auf ein würdiges Leben“, betont Schur. Von Protestbewegungen à la Pegida oder Parteien wie der AfD hält er nichts. „Das ist nicht in Ordnung“, findet der Amateur-Weltmeister von 1958 und 1959 und zweimalige Sieger der Friedensfahrt.

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Der DDR-Radrennfahrer Gustav-Adolf Schur (M) bei der Radweltmeisterschaft der Straßenamateure am 13.08.1960 auf dem Sachsenring bei Hohenstein-Ernstthal.

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dpa/Archiv

Es war eine Geste, die den gelernten Mechaniker einst zum Superstar werden ließ. 1960 verzichtete Schur zugunsten seines Landsmannes Bernhard Eckstein darauf, auf dem Sachsenring um seinen dritten Weltmeistertitel zu sprinten. 250 000 Zuschauer waren aus dem Häuschen. Auch Eckstein wird am Samstag zu den Gratulanten zählen.

Oft angeeckt mit seiner Meinung

Die vergangene Zeiten sieht das Geburtstagskind weiter durch seine eigene Brille. Es sind Meinungen, mit denen er immer angeeckt ist. Das Doping-Problem in der DDR sei beispielsweise von den - vorrangig westlichen - Medien hochgespielt worden. Eigene Verfehlungen hätte es laut Schur in dieser Richtung „meines Wissens“ nicht gegeben.

In seinen zweimal aufgelegten Erinnerungen „Täve - die Autobiographie“ schreibt er von „Ärzten, die mein Training steuerten“. In einem Rennen in Italien im Anschluss an seinen WM-Triumph 1958 hätte er aus einer Flasche eines italienischen Konkurrenten getrunken und sei in der schweren Prüfung Vierter geworden, „obwohl ich völlig platt“ war. „Wer weiß“, sagt Schur, „vielleicht war da was drin.“

Einer seiner vier Söhne, Jan, war zu Beginn seiner Profikarriere Anfang der 90er Jahre treuer Teamkollege des späteren italienischen Profi-Weltmeisters Gianni Bugno. Schur senior hatte die Verpflichtung stets als „Verirrung“ gewertet und ebenso kommentiert. (dpa)