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Leichtathletik-Bundestrainer: Ärzte entfernen Zyste aus Wolfgang Kühnes Kopf

Leichtathletik-Trainer Wolfgang Kühne

Leichtathletik-Trainer Wolfgang Kühne

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Eckehard Schulz

Halle (Saale) -

Die jüngsten Nachrichten sind vorsichtig optimistisch. „Die Operation ist positiv verlaufen. Wir können erstmal durchatmen“, sagt Marc Kühne. Zögernd spricht der ehemalige Weltklasse-Bobanschieber über die dramatischen Ereignisse der letzten eineinhalb Wochen, die seinen Vater Wolfgang (59) betreffen und die Familie wie auch die deutsche Leichtathletik-Szene in Sorge versetzen.

Sachsen-Anhalts Trainer des Jahres 2015 liegt derzeit im Krankenhaus. Dem Hallenser wurde am Donnerstag der vergangenen Woche eine „gutartige Zyste“, so Sohn Marc, aus dem Gehirn entfernt. Der Coach der Zehnkämpfer Rico Freimuth und Michael Schrader sowie von Hürdensprinterin Cindy Roleder und Siebenkämpferin Jennifer Oeser - alle vier sind WM-Medaillengewinner - fällt die nächsten Monate aus. Auch als Siebenkampf-Bundestrainer. Erst im April soll er wieder in den Job einsteigen.

Trainingspläne von Kühne

Das persönliche Drama des aktuell erfolgreichsten deutschen Leichtathletik-Trainers hat Sorgen und Bestürzung ausgelöst. Viele Freunde, Sportler und Kollegen drücken ihm und der Familie die Daumen für eine baldige Genesung. Doch mit dem Bekanntwerden der Diagnose und wegen der absehbaren Alltags-Folgen für die Sportler der Trainingsgruppe, die auf einmal ohne ihren hoch geschätzten und vertrauten Übungsleiter dasteht, arbeitete der Deutsche Leichtathletik-Verband gemeinsam mit dem Olympiastützpunkt in Halle einen Notfall-Plan aus. Schließlich sind alle Kühne-Athleten potenzielle Medaillen-Kandidaten für die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro. Sie sollen sich alle für das Jahresereignis qualifizieren und dort in Höchstform auftrumpfen. So die Absicht aller Beteiligten.

Die Grundlage dafür hat Wolfgang Kühne noch selbst ausgearbeitet. „Er hat unsere Trainingspläne geschrieben. Das ist das Wichtigste. Die werden wir als selbstständige Athleten abarbeiten“, sagt Rico Freimuth.

Vor Ort in Halle wird die Gruppe nun von Nachwuchstrainer Kai Dockhorn betreut. Der will daraus keine große Sache machen. „Ich bin die Krankheitsvertretung von Wolfgang und schaue vorbei, wenn ich neben meiner normalen Arbeit Luft dazu habe. Die Sportler sind erfahren genug und wissen, was sie tun müssen“, sagt der Hallenser, ein Experte für Sprints und Weitsprung.

Gleichzeitig engagiert sich der deutsche Verband mit hochkarätigen Coaches. Für die Wurfeinheiten wurde der ehemalige Trainer von Diskus-Star Robert Harting, Werner Goldmann, reaktiviert. „Er ist jetzt Rentner, und wir sind ihm dankbar, dass er einspringt. Der Plan ist, dass Goldmann einmal in der Woche nach Halle kommt. Die Athleten fahren einmal pro Woche zu ihm nach Potsdam“, sagt Rainer Pottel, der Zehnkampf-Bundestrainer. Er selbst wird sich als Hochsprung-Spezialist einbringen.

In Potsdam absolvieren Freimuth und Schrader künftig auch das Stabhochsprung-Training. Ebenfalls bei einem Disziplin-Experten: Stefan Ritter. Und dann bringt sich sogar der Cheftrainer des Verbandes höchstselbst ein: Idriss Gonschinska. „Er übernimmt als ehemaliger Hürdensprinter das Hürdentraining“, berichtet Pottel. Das soll dann in Leipzig in der Trainingsgruppe um die Spezialisten wie Erik Balnuweit stattfinden.

Fünf Trainer, drei Orte

Summa summarum heißt das: Fünf Trainer übernehmen Kühnes Job in Arbeitsteilung, Einheiten gibt es an drei Standorten. Wobei Pottel betont: „Mit Spezialtrainern wurde schon immer zusammengearbeitet. Sie werden nur noch stärker eingebunden.“ Sie sollen auch mit, wenn es am 3. April ins nächste Auslands-Trainingslager - erneut nach Südafrika - geht. „Wir müssen in den ganzen Ablauf nur eine Kontinuität reinbringen“, sagt Rainer Pottel. Er weiß aber auch: „Klar ist, dass den Athleten jetzt gerade die Sicherheit fehlt, die ihnen Wolfgang Kühne vermittelt hat. Und seine geschätzte Art, mit ihnen umzugehen. Doch wir tun alles, damit sie sich trotzdem wohlfühlen. Und die Trainingspläne sind ja von Kühne.“ Das Spezialisten-Team greift ein, wenn sich technische Fehler einschleichen sollten.

In der Zwischenzeit soll, so hoffen es alle, Wolfgang Kühne wieder vollständig auf dem Damm sein. Helfen dabei soll eine Kur im Februar. Wenn dann das Team aus Südafrika zurückkehrt, soll er spätestens wieder als Hauptverantwortlicher die Geschäfte führen. (mz)