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Landessportbund Sachsen-Anhalt: Geschlankt und tatendurstig

Landessportschule in Osterburg

Bis 2016 muss für den Umbau der Landessportschule in Osterburg noch ein Kredit abgezahlt werden.

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Stedtler/Archiv

Halle (Saale) -

Der Ort passt irgendwie: Kurhaus in der Solbadstraße. Das klingt nach Entspannung. Aber vor allem gibt es in jenem Haus in Bernburg Theater und Musik. Am Samstagabend etwa stellen die „Tagelöhner“ eine CD namens „Kornschwein“ vor. Wer weiß, ob dies ein Wellness-Programm ist?

Die Veranstaltung über den Tag verspricht jedoch, eine wenig nervenaufreibende zu werden. Hier im Kurhaus trifft sich die Funktionärsgilde aus allen Sport-Sparten Sachsen-Anhalts zum Landessporttag. Andreas Silbersack, der Präsident des Landessportbundes (LSB), wird sich dafür wieder in einen schicken Anzug werfen. Vielleicht nimmt er das Sakko gleich eine Nummer größer. Denn er hat vor, mit stolz geschwellter Brust vor die Delegierten zu treten.

„Die wilden Zeiten liegen hinter uns. Wir haben keine Probleme mehr, wir sind ein LSB mit schlanker Struktur. Wir bringen sportlichen Erfolg für Steuergelder“, sagt Silbersack schon im Vorfeld. Und: „Unser Haushalt ist solide finanziert, wir haben eine Eigenkapitalquote von etwa 20 Prozent, sind also ein gesundes Unternehmen“, so der Jurist.

Firmengewirr und Schulden

Das mag für manche Ohren erstaunlich klingen. Denn die einstigen Donnerwetter aus diversen Büros der Landesregierung klingen irgendwo immer noch nach. Die negativen Schlagzeilen sind längst nicht verblasst. Sie handelten von Missmanagement, knapp sechs Millionen Euro Schulden, einem Firmengewirr, zwei überdimensionierten Geschäftsstellen, oder zu viel Personal. Von 2008, dem Beginn des Skandals, bis etwa 2010 dominierte das Chaos, das Silbersack in seinen sechs Jahren Amtszeit nun so gut wie beseitigt hat. Jährlich müssen noch 150 000 Euro Altkredite für den umstrittenen Bau eines zweiten Bettenhauses in der Sportschule Osterburg abgestottert werden.

„2016 läuft das aus“, sagt Silbersack. Dann ist der letzte Punkt abgearbeitet. Denn mittlerweile hat der Sportbund den für ihn untauglichen Versuch, Geld als Hotelier einzunehmen abgeblasen und das „Schanzenhaus“ in Wernigerode abgegeben.

Die eigene Marketing GmbH ist ebenso aufgelöst wie die GmbH, bei der einst der Trainerpool untergebracht war. Die Geschäftsstelle in Magdeburg wurde aufgegeben. Die Zahl der hauptamtlichen Mitarbeiter schrumpfte von 39 auf 30 Stellen. Ziel sind 27. Die Sportschule in Osterburg ist etwa zu 52 Prozent ausgelastet, was noch nicht ganz zur „schwarzen Null reicht“, wie Silbersack berichtet. Aber im Prinzip sei beim LSB jetzt alles so, wie es einst der Landesrechnungshof und andere Landesbehörden gefordert hatten. „Das Vertrauen war damals aufgebraucht, weil Steuergeld, das uns anvertraut worden war, missbraucht wurde. Wir haben sechs Jahre gekämpft, das Vertrauen zurückzugewinnen. Das ist uns gelungen.“

Wieder finanzielle Selbstverwaltung

Und weil das so ist, gibt es seit 2013 ein Sportfördergesetz, das dem LSB auch wieder finanzielle Selbstverwaltung gestattet.

Und was stört Andreas Silbersack nun noch? Er hätte es gern, dass der LSB entscheiden darf, wo welche Sportstätte gebaut wird. Da wird zwar sein Rat eingeholt, aber der Fachkompetenz meist doch misstraut. Auch im Fall der Sportschulen sollte die Verzahnung von Sport und Schule enger sein.

Aber das sind dann schon Inhalte, mit denen sich der Landessportbund in den kommenden Jahren beschäftigen wird. Zentrale Themen sollen dann Mitgliederwerbung und die Fusion von Vereinen sein. „Bei uns gibt es zu viele ganz kleine Vereine, die kaum überleben können. Die sollen mit den Nachbarn zusammengehen. Dafür werden wir Anreize schaffen“, sagt Andreas Silbersack. Den Spielbetrieb in Ligen lahmlegen, weil es dann weniger Klubs gibt, das hat er dabei allerdings nicht vor, versichert der Präsident. Nur eines möchte er erst einmal: Wiedergewählt werden. (mz)


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