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Handball: Gewaltig in Schieflage

Uhr | Aktualisiert 26.12.2012 20:36 Uhr

Einer der Erfahrenen: Martin Strobel spielt seit 2007 für die deutsche Nationalmannschaft. (ARCHIVFOTO: DPA)

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft steckt in der Krise. Am Donnerstag startet Bundestrainer Heuberger mit einem stark verjüngten Team in die WM-Vorbereitung.
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Steinbach/Halle (Saale)/SID/MZ. 

Fast könnte man meinen, der Deutsche Handball-Bund (DHB) habe sich für den ersten Vorbereitungslehrgang zur Weltmeisterschaft in Spanien (11. bis 27. Januar) einen besonders symbolhaften Ort gesucht.

Denn was könnte einleuchtender sein, als das Verjüngungs-Konzept von Nationaltrainer Martin Heuberger und sein Vertrauen in den deutschen Nachwuchs in einer Sportschule zu zelebrieren. In Steinbach nahe Baden-Baden treffen sich am Donnerstag jene Handball-Profis, auf die Heuberger bei der WM im Januar vertrauen will.

Acht WM-Debütanten

Dass darunter eine ganze Reihe unerfahrener Spieler, ja sogar acht Debütanten sind, hat verschiedene Gründe. Zum einen muss Bundestrainer Heuberger eine Vielzahl von Spieler-Absagen verkraften. Zum anderen erklärte er schon bei seiner Ernennung zum Chefcoach im Jahr 2011 den personellen Umbruch zu seiner wichtigsten Aufgabe.

Neue Wege sollen also beschritten werden, dafür vertraut Heuberger auf international unerfahrene Spieler. "Ich weiß um die Stärken dieser jungen Garde", sagt der Bundestrainer.

Vor diesem Hintergrund ist auch der Ärger um die verletzungsbedingte Absage des Flensburgers Holger Glandorf verraucht. Die schmerzhaften Ausfälle von Uwe Gensheimer und Lars Kaufmann sind abgehakt. Nun gilt die volle Konzentration der intensiven WM-Vorbereitung.

In Steinbach sollen die ersten Grundlagen gelegt werden. "Dort werden wir auch über unsere genaue Zielstellung sprechen", erklärt Heuberger. Das Achtelfinale ist trotz der Ausfälle das Minimalziel.

Die Voraussetzungen könnten dennoch besser sein. Am Mittwoch verfolgte der Bundestrainer den 19. Spieltag der Bundesliga. Und er tat es mit gemischten Gefühlen. Einen weiteren verletzten Nationalspieler kann er nicht gebrauchen. Zumal auch Rückraum-Hoffnung Sven-Sören Christophersen von den Füchsen Berlin nach einem Außenbandanriss im Knie noch nicht richtig fit ist.

Das Verhältnis zwischen Erfahrung und Jugend im Kader ist dadurch gewaltig in Schieflage geraten. Und der Nachwuchs gerät früher in den Fokus als geplant. Steffen Weinhold, Stefan Kneer, Steffen Fäth, Kevin Schmidt, Tobias Reichmann und Torwart Martin Ziemer waren noch nie bei einem großen Turnier dabei.

Patrick Wiencek und Patrick Groetzki haben zumindest bei der EM schon einmal internationale Turnier-Luft geschnuppert. 17 Akteure umfasst Heubergers vorläufiges WM-Aufgebot. Seinen maximal 16 Spieler umfassenden WM-Kader muss er erst am 11. Januar benennen.

Tags darauf beginnt das WM-Abenteuer mit der Begegnung in Granollers gegen Brasilien. Weitere Vorrundengegner sind Titelverteidiger Frankreich, Argentinien, Montenegro und Tunesien. Die ersten vier Teams erreichen das Achtelfinale. "Wir brauchen eine starke Leistung in der Abwehr und starke Torhüter. Im Angriff wollen wir über das Kollektiv zum Erfolg kommen", erklärt Heuberger.

Drei Testspiele im Januar

Die Vorbereitungszeit ist kurz. Bis Sonntag ist die DHB-Auswahl in Steinbach zusammen. Nach zwei freien Tagen beginnt am 2. Januar der zweite Lehrgang. Länderspiele stehen gegen den Olympia-Zweiten Schweden in Växjö (3. Januar) und Hamburg (5. Januar) an.

Die WM-Generalprobe erfolgt am 9. Januar in Stuttgart gegen Rumänien. "Wichtig ist für uns, dass wir Selbstvertrauen sammeln. Das hat zuletzt gelitten, aber wir wollen es uns in der Vorbereitung zurückholen", sagt Heuberger.

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