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Poulsen will mehr Abschlüsse: Torschuss-Panik bei RB Leipzig

Yussuf Poulsen

Das (Millern-)Tor war für RB Leipzig wie vernagelt: Yussuf Poulsen gegen St. Pauli.

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imago/Picture Point LE

Leipzig -

Marcel Sabitzer schaute kurz auf, nahm Maß und zog aus 20 Metern ab. Der Ball schlug genau im Winkel ein – Traumtor. Hätte der Österreicher den Treffer nicht am nasskalten Montagabend im Trainingsspiel vor einem Dutzend Zuschauer am Cottaweg erzielt, sondern in der 2. Liga vor Zehntausenden im Stadion und Hunderttausenden am TV, wäre die Szene wohl für die Wahl zum Tor des Monats nominiert worden. Doch auch der dynamische, unbequeme, auf dem Feld bisweilen grantelnde Sabitzer hat in der 2. Liga zuletzt ebenso wenig aus dem Spiel heraus getroffen wie seine Kollegen. 

Denn die Leistung vor dem gegnerischen Tor in den vergangenen beiden Auftritten von RB Leipzig war skurril: die teils begeisternden Offensivleistungen und eine Vielzahl an Gelegenheiten wurden durch die schlechte Chancenverwertung karikiert. Beim 2:0 gegen Braunschweig hatten eine schöne Standardvariante sowie der Patzer von Eintracht-Keeper Rafal Gikiewicz die mangelhafte Chancenverwertung noch kaschiert. Beim 0:1 auf St. Pauli nun, als RB kein Standard und kein Patzer half, wurde offensichtlicher, dass die Rasenballsportler derzeit ein Problem damit haben, den Ball auch wirklich im Tor unterzukriegen. Trainer Ralf Rangnick hatte am Montag via Bild-Zeitung „Anspannung und letzte Entschlossenheit” kritisiert, „den Ball dann auch unbedingt reinmachen zu wollen.” 

Stürmer Yussuf Poulsen, der am Milerntor ebenfalls gute Gelegenheiten vergab, sagt: „Ob es Unglück ist oder ein paar Prozent Konzentration fehlen, ist schwer zu sagen. Es gibt keinen Spieler auf der Welt, der kein Tor schießen will. Man probiert es so gut, wie man eben in den jeweiligen Situationen drin ist.” Um mehr Sicherheit vor dem Tor zu haben, wünscht sich der 21-Jährige mehr Torschüsse im Training. „Ich bin Stürmer, mag es, aufs Tor zu schießen”, sagt Poulsen. „Daher würde ich am liebsten noch mehr Abschlüsse üben. Aber ich bestimme natürlich nicht das Training und wir müssen selbstverständlich auch noch an anderen Dingen arbeiten.” 

Torschusstraining kommt nicht zu kurz

Es entspricht der Trainingsphilosophie von Ralf Rangnick und seinen Assistenten, eher am Herausspielen der Chancen zu feilen, denn am Abschluss. Fazit des einstündigen Videostudiums am Montagnachmittag: „Wir sollen uns in der Restfeld-Verteidigung und bei der Positionierung auf dem Platz verbessern, wenn wir im Spielaufbau sind”, so Poulsen. „Das haben wir am Montag auch geübt, Abschlüsse kommen dann später in dieser Trainingswoche dazu.” RBL-Co-Trainer Achim Beierlorzer, der das Montagstraining gemeinsam mit seinem Kollegen Zsolt Löw leitete, erklärt: „In der Nachbesprechung war uns wichtig, unsere Optionen im Spielaufbau auszuschöpfen, was wir noch besser hätten machen können, um noch mehr Torchancen herauszuspielen. Da können wir beispielsweise gegen einen Gegner, der das Zentrum dicht macht, noch mehr in die Breite spielen.” 

Doch auch das Torschusstraining komme laut Beierlorzer nicht zu knapp: „Wir haben permanent in jeder Spielform Abschlüsse drin, machen das jede Woche zum Thema”, sagte der 48-Jährige. „Dass es ausgerechnet in dem Spiel gegen St. Pauli nicht funktioniert hat, ist ärgerlich.” Es habe noch keine Partie gegeben, „in der wir so viele Chancen hatten und dennoch kein Tor geschossen haben. Das wird es so in der Form wahrscheinlich auch nicht noch einmal geben”, sagt Beierlorzer. 

Rangnicks Assistent plädiert dafür, das Thema Chancenverwertung „nicht zu hoch zu hängen”. Der Franke sagt: „Toll ist, dass wir uns überhaupt so viele Torchancen herausgearbeitet haben.” Und auch Poulsens Wunsch nach mehr Abschlusshandlungen werde erfüllt. „Natürlich wollen die Stürmer permanent Abschlüsse trainieren”, sagt Beierlorzer. „Wir haben das etwa an diesem Dienstag auf dem Programm, da können sich die Spieler Zeit dafür nehmen, um noch mehr Präzision reinzukriegen. Die Stürmer werden in dieser Woche genügend Möglichkeiten bekommen, den Torabschluss zu üben.” Im Heimspiel gegen Union Berlin (Freitag, 18.30 Uhr) sollte der Zweitliga-Spitzenreiter dann erstmals nach der Winterpause auch wieder aus dem Spiel heraus treffen. „Wir müssen die Dinger einfach reinmachen”, forderte Poulsen. „Wir haben im Saisonverlauf gesehen, dass viele Spieler unserer Mannschaft Tore schießen können. Dahin müssen wir zurückkommen.” So wie es Marcel Sabitzer beim Training am Montagabend schon vorgemacht hat. (mz)