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Leipzig besiegt 1860: „Rote Bullen“ drehen Partie gegen die Löwen

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Torjubel bei RB Leipzig: Hier freut sich die Rangnick-Elf über das 2:1 durch Lukas Klostermann.

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imago/Jan Huebner

Leipzig -

RB Leipzig hat einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Aufstieg gemacht. Nach zäher erster Hälfte drehten die „Roten Bullen” das Spiel gegen 1860 München und gewannen mit 2:1 (0:0). Da Verfolger SC Freiburg beim 3:1 beim FSV Frankfurt weiter punktete, beträgt der Vorsprung des Tabellenführers auf Rang zwei weiter drei Punkte.

Ausgangslage

Auf dem Papier war die Ausgangslage klar: Beim Vergleich zwischen Erstem und 15. war die Favoritenrolle klar verteilt. Doch die „Löwen” hatten sich in den vergangenen Wochen bekanntlich mit drei Siegen in Serie aus ihrer Krise geschossen. Rangnick warnte sein Team zwar vor den wiedererstarkten Münchnern, ließ aber keinen Zweifel am klaren Ziel für dieses Spiel: „Wenn nicht wieder aus heiterem Himmel ein Schneegestöber auftaucht, trauen wir uns schon zu, das Spiel zu gewinnen”, hatte der 57-Jährige gesagt. Im Hinspiel hatten die Leipziger einen sicher geglaubten Sieg noch verspielt. In allen drei bisherigen Vergleichen ging RB einmal als Sieger hervor (beim grandiosen 3:0-Auswärtserfolg in der ersten Zweitligasaison), zweimal gab es Punkteteilungen.

Personalien

Die nach dem Freiburger Schneegestöber von der Grippewelle geschwächten Leipziger mussten gegen 1860 improvisieren. Trainer Ralf Rangnick schickte das Team ohne Kapitän Dominik Kaiser, Marcel Sabitzer, Marcel Halstenberg und Stefan Ilsanker ins Rennen. Anders als angekündigt musste Stürmer Davie Selke erneut auf die Bank, dafür erhielt Nils Quaschner seine Chance. Yussuf Poulsen fehlte Gelb gesperrt. Dazu lief neben Willi Orban und Marvin Compper mit Atinc Nukan überraschend ein weiterer Innenverteidiger von Beginn an auf – in dieser Formation hatten die „Roten Bullen” in dieser Saison noch nie gespielt. Nukan gab in der neuen Aufstellung neben Diego Demme den zweiten Sechser unmittelbar vor der Abwehr; Khedira rückte in die offensive Dreierkette. Obwohl Fabio Coltorti wieder fit ist, setzte Rangnick im Tor erneut auf Peter Gulacsi. In Agyemang Diawusie und Idrissa Touré rückten zwei Youngster auf die Bank nach.

Fans

25.551 Fans fanden an diesem kalten Sonntagnachmittag den Weg ins Leipziger Stadion. Die Stimmung war gut, die Anhänger in Fansektor B feuerten wie gewohnt stimmgewaltig an – vor allem in der emotionalen zweiten Hälfte. Doch die ganz große Aufstiegseuphorie ist in Leipzig offenbar noch nicht ausgebrochen, die Zuschauerzahlen sind in den vergangenen Spielen im Vergleich zur Hinrunde rückläufig. Der Großteil der „Sechz’ger” Auswärtsfahrer war aus Protest lieber in München geblieben, anstatt ihr Team in Leipzig anzufeuern. Ein paar Hundert waren dann aber doch gekommen.

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Sportdirektor / Trainer Ralf Rangnick (RB Leipzig), Benno Moehlmann (TSV 1860 München).

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imago/Jan Huebner

Spielverlauf und Analyse

RB Leipzig mühte sich in den ersten Minuten in ungewohnter Aufstellung, die aus den vergangenen Heimspielen gewohnte Dominanz auf den Platz zu bringen. Das gelang nach der Startphase nicht wie erhofft. Zwar hatte Compper gleich zu Beginn nach einer Ecke eine große Gelegenheit per Kopf (4.). Und als Diego Demme aus etwa 22 Metern abzog und der Ball an die Latte knallte, raunte das ganze Stadion (17.). Doch insgesamt tat sich Rasenballsport gegen 1860 schwer; das Spiel war teilweise zerfahren. Sowohl im Spielaufbau als auch in der Defensive leisteten sich die Hausherren ungewohnte Unsicherheiten. Die „Löwen” machten ihre Sache besser als viele andere Mannschaften bei RB-Heimspielen. Levent Aycicek gab den ersten gefährlichen Schuss für die Münchner aufs Tor ab (11.).

Bei der zweiten „Löwen”-Chance rettete das Aluminium – diesmal auf der anderen Seite. Nach einem verunglückten Rückpass von Anthony Jung, schoss Keeper Gulacsi 1860-Stürmer Sascha Mölders an, von dem der Ball an den Pfosten prallte (28.). Glück für die Leipziger.

Kurz darauf wackelte wieder das Torgestänge der Gäste aus Bayern. Willi Orban setzte seinen Kopfball nach einer Ecke erneut an die Latte (32.). RBL war nun zwar etwas besser im Spiel, suchte vor allem Emil Forsberg, doch der Schwede dribbelte sich entweder fest, ließ sich den Ball abnehmen oder schoss aus der Distanz über das Gehäuse (35./40.). So wäre zum Ende der ersten 45 Minuten beinahe noch das Team von Trainer Benno Möhlmann in Führung gegangen, als Mölders nach konfuser Abwehrleistung vor dem Tor an den Ball kam. Doch der Schuss des früheren Bundesligastürmers war zu unplatziert (44.)

„Das ist ein schweres Spiel für uns, meistens sind wir gefährlich durch Standards”, sagte Leipzigs gesperrter Stürmer Yussuf Poulsen in der Pause. „Wir müssen etwas effektiver sein, vielleicht ein bisschen weniger Haken machen und mehr schießen.”

Die zweite Hälfte bot gleich zu Beginn zwei Aufreger. Zunächst forderten die Leipziger zu Recht einen Elfmeter, weil Gary Kagelmacher bei einem Passversuch von Demme die Hand ausgefahren hatte (50.) – ein klarer Strafstoß. Im direkten Gegenzug spielte 1860 München zügig nach vorn; Compper ließ sich vom wuchtigen Mölders abschütteln, der den Ball allein vor Gulacsi unhaltbar zum 1:0 verwandelte (50).

RB spielte nun durch das Gegentor erzwungen plötzlich leidenschaftlich auf, stellte um und drängte in der 4-2-2-2.Grundordnung mit aller Macht auf den Ausgleich – beeindruckend wie wuchtig das Team spielen kann, wenn die Fesseln einmal gelöst sind. Zunächst köpfte Orban denkbar knapp neben das Tor (58.), der eingewechselte Selke scheiterte mit seinem Kopfball ebenso an TSV-Schlussmann Stefan Ortega Moreno (60.) wie Jung (63.). Kurz darauf zwang dann Selke den Ball dann förmlich ins Tor. Nach Flanke von Compper erzielte der 21-Jährige seinen ersten Treffer seit Ende November – natürlich per Kopf (64.). RB war mit dem Ausgleich noch nicht zufrieden, drängte weiter. Nach perfektem Heber von Diego Demme in den Strafraum zog Rechtsverteidiger Lukas Klostermann wenige Meter vor dem Tor ab – Ortega konnte den Ball nicht mehr abwehren (77.). Danach ging den Leipzigern nach der starken Sturm- und Drangphase etwas die Puste aus. Doch das Team verteidigte die Führung souverän, auch wenn 1860 in den letzten Minuten noch einmal gefährlich drückte und in der Nachspielzeit nach einem Freistoß die Chance zum Ausgleich hatte.

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Jubel bei RB Leipzig: Die Rangnick-Elf gewann nach einem 0:1-Rückstand mit 2:1 gegen den TSV 1860 München und bleibt Tabellenführer in der 2. Bundesliga.

Foto:

dpa

Ausblick

Am kommenden Sonntag steigt für RB der nächste Aufstiegsgipfel. In Nürnberg will Rasenballsport einen weiteren entscheidenden Schritt in die 1. Liga machen (13.30 Uhr). 1860 hat zeitgleich Arminia Bielefeld Arminia Bielefeld zu Gast.

RB Leipzig – TSV 1860 München 2:1 (0:0)

RB Leipzig: Gulácsi – Klostermann, Orban (C), Compper, Jung – Khedira, Nukan (59. Selke) – Bruno (89. Touré), Demme, Forsberg – Quaschner
TSV 1860 München: Ortega – Kagelmacher, Schindler (C), Mauersberger, Wittek – Degenek, Lacazette – Aycicek (75. Karger), Liendl (66. Claasen) – Mölders (86. Rama), Okotie
Tore: 0:1 Mölders (50., Aycicek), 1:1 Selke (64., Compper), 2:1 Klostermann (77., Demme)
Eckenverhältnis: 11:1, Torchancen: 13:4
Schiedsrichter: Dr. Robert Kampka (Mainz); Gelbe Karten: Nukan (2), Demme (5), Khedira (2), Jung (4) | Mauersberger (3), Degenek (9), Wittek (7)
Zuschauer: 25.551 in der Red-Bull-Arena