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Interview mit RB-Vorsänger Sebastian: „Beim Aufstieg rufe ich Rangnick zur Fankurve”

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Stimme der RB-Fanszene: Rasenballsport-Capo Sebastian beim ersten Aufstiegsspiel gegen die Sportfreunde Lotte 2013 

Foto:

imago sportfotodienst

Leipzig -

Sebastian gibt den Takt bei RB Leipzig an. Der 34-Jährige mit der gewaltigen Stimme ist einer der Vorsänger bei RB Leipzig. In dem gerade erschienen Buch „RB Leipzig – Aufstieg ohne Grenzen” schildert der Rasenballsport-Capo aus seiner Sicht Entwicklung und Selbstverständnis der RBL-Fanszene, übt auch deutliche Kritik an Entscheidungen von Sportdirektor Ralf Rangnick und verrät, was er sich von den RBL-Anhängern noch erhofft.

Hier lesen Sie einen Auszug des Gesprächs, das eines von vier Teilen des Kapitels über die Fanszene beim Red-Bull-Klub ist.

Sebastian, wie würdest du den Charakter der RB-Fanszene beschreiben?

Sebastian: Wir folgen nicht dem Fanmainstream. Wir sind darauf bedacht, dass wir unsere Mannschaft unterstützen und die Stadt Leipzig betonen. Deswegen fahre ich auch Hunderte Kilometer durchs Land. Abwertungen und Diskriminierung anderer Fanszenen sind nicht unser Hauptaugenmerk. Deswegen wird es bei uns im Stadion auch keine gegen andere Fans gerichteten Gesänge geben.

Wie hat sich diese Fokussierung auf Leipzig entwickelt?

Sebastian: Das ist aus unserem Selbstverständnis heraus entstanden. Wir können zeigen, dass Leipzig kein weißer Fleck mehr auf der Fußballlandkarte ist. Leipzig ist in aller Munde, nur im Fußball war die Stadt lange Jahre nicht interessant. Das hat sich jetzt geändert. Ich will zeigen: Ich komme aus Leipzig, und Leipzig ist geil. Als aktiver Fan von Rasenballsport will ich im Stadion zeigen, dass wir da sind.

Wie stark hat sich der Verein bei der Entwicklung der Fanszene eingemischt?

Sebastian: Gar nicht. Vorgaben des Vereins, wie wir reagieren oder handeln sollen, gibt es nicht. Das würde auch gar nicht funktionieren. Klar, sind die Verantwortlichen froh, dass wir den Verein nach vorn bringen. Aber eine Fanszene kann nur wachsen und gedeihen, wenn sie dabei nicht gemaßregelt wird. Es wäre auch reichlich arrogant von einem Verein, wenn er meint, seine Fanszene bestimmen zu können.

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 Fans von RB Leipzig präsentieren eine Choreografie beim Spiel gegen den MSV Duisburg.

Foto:

imago/Picture Point LE

Aber Choreografien müssen beispielsweise abgesegnet werden.

Sebastian: Es dürfen keine gewaltverherrlichenden oder diskriminierenden Inhalte gezeigt werden. Aber das ist für mich ebenfalls selbstverständlich, das käme für uns eh nicht infrage. Einmischungen bei Fangesängen oder ähnlichem jedoch gibt es überhaupt nicht. Wir dürfen uns auch kritisch äußern.

Der Verein verbietet politische Statements von der Fanszene im Stadion.

Sebastian: Unsere generellen politischen Einstellungen äußern wir ja sehr wohl, Banner gegen Rassismus und Diskriminierung sind im Stadion vertreten. Da haben wir ein klares Grundverständnis. Aber wir wollen konkreten politischen Gruppierungen keine Plattform im Stadion bieten.

Wie funktioniert die Abstimmung mit dem Verein?

Sebastian: Organisierte Fanklubs und Interessensgemeinschaften haben sich im Fanverband zusammengeschlossen, der mit dem Verein im Dialog ist. Ein Beispiel: Als der Verein die Eintrittspreise 2014 deutlich erhöhen wollte, haben wir als Fanverband protestiert und mit dem Verein darüber verhandelt. Daraufhin sind die Verantwortlichen wieder von den Kartenpreisen abgewichen. Wir haben also als Fans durchaus ein Mitbestimmungsrecht. Unsere Meinung ist dem Verein durchaus wichtig. Obwohl nicht jeder bei uns stimmberechtigtes Mitglied werden kann, hat die Fanszene dennoch Mitspracherecht.

  1. „Beim Aufstieg rufe ich Rangnick zur Fankurve”
  2. Was der Vorsänger zu Kritik an seinem Verein sagt
  3. Was der Vorsänger über Ralf Rangnick denkt
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