Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, Mitteldeutschland und der Welt

RB Leipzig: Yussuf Poulsen greift voll an

Kaum zu halten: Yussuf Poulsen ist wieder in Topform und drängt in die Bundesliga.

Kaum zu halten: Yussuf Poulsen ist wieder in Topform und drängt in die Bundesliga.

Foto:

Gepa

Belek -

Yussuf Poulsen wringt erst einmal seine Nasse Sporthose aus. Der Stürmer von RB Leipzig hat im Trainingslager im türkischen Belek nicht etwa so viel geschwitzt. Der dänische Nationalspieler kommt gerade aus der Eistonne, in die die Spieler nach jeder Einheit zu schnelleren Regeneration steigen. Im Sommer hatte der Modellathlet – 1,93 Meter groß, 83 Kilogramm schwer – Teile der Vorbereitung wegen seiner Teilnahme an der U21-Europameisterschaft verpasst und war auch deswegen in der Hinrunde nur sehr schwer in Tritt gekommen.

Yussuf, im Gegensatz zum Sommer können Sie das Trainingslager hier in Belek komplett absolvieren. Wie wichtig ist das für Sie und wie ist Ihr Fitnesszustand aktuell?

Yussuf Poulsen: Mein Fitnesszustand ist sehr gut. Ich habe super Laktatwerte und fühle mich auch richtig fit. Es ist für mich sehr wichtig, hier von Anfang ab dabei zu sein, da wir hier vor allem mannschaftstaktische Abläufe in den Trainingseinheiten üben. Da wäre es schlecht, wenn ich wie im Sommer erst auf das Level der anderen aufschließen müsste – sowohl hinsichtlich der Fitness als auch im taktischen Bereich.

Fällt es Ihnen generell leicht oder eher schwer, Ihr maximales Fitnesslevel zu erreichen? Gibt es auch Übungen, die Sie hassen?

Poulsen: Kein Spieler mag es sonderlich, ohne Ball zu laufen. Aber generell fällt es mir eher leicht. Wenn man meine Körperkonstitution betrachtet, bin ich eher ein Athlet und habe deswegen im Gegensatz zu manch anderem auch weniger Probleme mit 1000- oder 500-Meter-Intervallläufen.

Sie haben vor der Winterpause stark ansteigende Form gezeigt. Was erwarten Sie selbst in der Rückrunde von sich?

Poulsen: Ich erwarte von mir, dass ich die komplette Rückrunde auf dem Niveau durchspiele wie in den letzten fünf Spielen vor der Winterpause. Ich glaube daran, dass ich das schaffe.

Sie haben bisher erst drei Mal getroffen. Gibt es ein konkretes Ziel, dass Sie sich gesteckt haben: eine bestimmte Anzahl an Einsätzen, Toren oder Vorlagen?

Poulsen: Das habe ich vor der Saison getan: Ich will die gleiche Anzahl an Toren schießen wie im vergangenen Jahr (elf Liga-Treffer in der Saison 2014/2015/Anm.d.Red.). Da muss ich jetzt noch ein paar Tore machen, mal schauen, ob das klappt.

Sie sind vor zweieinhalb Jahren nach Leipzig gekommen, haben sich damals bewusst für einen Drittligisten und gegen einen Bundesligisten entschieden. In welchen Bereichen sind Sie in dieser Zeit am meisten vorangekommen?

Poulsen: Ich habe hier wirklich verstanden, ein Profispieler zu sein. Als ich nach Leipzig kam, war ich im Kopf noch ein Jugendspieler. Ich habe in diesem Verein gelernt, wie Profifußball funktioniert: was Taktik, Physis und Psyche angeht. Inzwischen bin ich technisch auch noch einmal deutlich stärker geworden - wenn ich zum Beispiel daran denke, wie schwach mein linker Fuß damals war. Mein Leistungslevel ist in vielen Bereichen schon um einiges besser geworden; aber natürlich kann ich mich noch weiterentwickeln.

Sind Sie mittlerweile bereit für die Bundesliga?

Poulsen: Ja, ich glaube schon. Hoffentlich spätestens in einem halben Jahr. Die meisten Spieler bei RB Leipzig sind bereit dafür, im nächsten Jahr in der Bundesliga zu spielen, wenn wir den Aufstieg schaffen.

Sie hatten auch Angebote von Erstligisten, unter anderem Borussia Mönchengladbach. Haben Sie überhaupt darüber nachgedacht?

Poulsen: Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich es mit RB Leipzig schaffen will, in die 1. Bundesliga zu kommen. Ralf Rangnick hat auch von Anfang an angesprochen, dass wir in die Bundesliga wollen, die 2. Liga nur ein Zwischenschritt sein soll. Es ist toll, bei dieser Erfolgsgeschichte von Anfang an dabei zu sein.

Also war RB Leipzig genau die richtige Entscheidung?

Poulsen: Genau. Ich habe zwar anfangs mächtig Kritik von der dänischen Presse einstecken müssen, da keiner Leipzig auf der Rechnung hatte. Auch ich hatte damals noch nicht allzu viel von Leipzig gehört. (lacht) Aber als ich gesehen und gespürt habe, welche Möglichkeiten es mit Stadion, Trainingsgelände und den Fans gibt, war das schon in der 3. Liga besser als vieles in der ersten dänischen Liga. Es bestand für mich nie ein Zweifel daran, dass RB Leipzig die richtige Entscheidung war.

Woran wollen Sie noch an sich arbeiten? Sie sind ein total positiver Typ, haben aber im Spiel bisweilen negative Körpersprache, hadern mit dem Schiedsrichter und dem Gegner.

Poulsen: Klar hatte ich damit in den vergangenen beiden Jahren auch Probleme. Aber wenn man sich die Spiele in diesem Jahr anschaut, ist das schon deutlich besser geworden. Ich lasse die Schiris mehr und mehr in Ruhe (lacht). Meine Körpersprache ist viel positiver geworden. Aber man muss auch zeigen dürfen, wenn man unzufrieden ist. Das kommt dann sicher manchmal falsch rüber.

Haben Sie daran auch konkret mit dem Teampsychologen gearbeitet?

Poulsen: Das haben wir schon in der 3. Liga thematisiert, dass ich mehr an mein Spiel und mich selbst denken muss. Alles andere kann ich nicht beeinflussen.

Sie sind ein Familienmensch, haben Weihnachten und Sylvester in Dänemark verbracht. Ein Teil Ihrer Familie wohnt aber auch in Tansania. Haben Sie regelmäßig Kontakt nach Afrika?

Poulsen: Ein, zwei Mal pro Monat habe ich mit der Familie meines verstorbenen Vaters Kontakt; ich unterstütze meine dortigen Verwandten auch finanziell. Aber meine Schwester hat eine noch engere Beziehung. Sie hat dort eineinhalb Jahre gewohnt.

Wie viele Leute unterstützen Sie?

Poulsen: Die Familie ist sehr groß, das sind etwa 30 Leute, die in zwei Häusern wohnen. Aber der Lebensstandard und die Lebenserhaltungskosten dort sind relativ gering. Ich bin sehr froh, dass ich meiner Familie in Tansania helfen kann. (mz)