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RB Leipzig-Trainingslager in Belek: Ist Zsolt Kalmár zu brav für die Startelf?

 Zsolt Kalmár

Ein aufgehender Stern von RB Leipzig? Der Ungar Zsolt Kalmár muss erst noch zeigen, dass er die Qualität besitzt.

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dpa

Belek -

„Entschuldigung“, sagt Zsolt Kalmár etwas schüchtern, „ich habe die Frage leider nicht verstanden“. Der junge Mittelfeldspieler von RB Leipzig hat sich im Trainingslager in Belek auf dem Weg vom Trainingsplatz hin zum Mannschaftshotel extra etwas Zeit genommen, um mit der MZ über seine Hinrunde zu sprechen, doch nun schaut er fragend drein. Ob seine ruhige und etwas nachdenkliche Art ihm im harten Kampf um einen Stammplatz beim Tabellenführer der zweiten Bundesliga hinderlich sein könnte, wollen wir wissen. „Sorry“, sagt Kalmár noch einmal und die Frage bleibt unbeantwortet.

Der 20-Jährige ist der wohl am wenigsten beachtete Spieler in der Mannschaft von Teamchef Ralf Rangnick. Kein schillernder Jungstar wie Davie Selke, kein Spaßvogel wie Georg Teigl, kein routinierter Führungsspieler wie Kapitän Dominik Kaiser oder Torwart Fabio Coltorti. Talent hingegen bescheinigen ihm alle. Bereits im Sommer 2014, als Kalmár nach langem Poker von Györ nach Leipzig wechselte, schwankten Leipziger Zeitungen zwischen „Ungarns größtem Talent“ und „Ungarns Topstar“. Der damalige Teenager hatte gerade seine ersten A-Länderspiele für sein Heimatland absolviert und fand nun für eine satte Ablösesumme von einer Million Euro ein neues fußballerisches Zuhause in der Red Bull Arena.

68 Minuten Zweitligafußball

Die erste Saison lief gut für den Youngster. Kalmár absolvierte für die „Roten Bullen“ 17 Spiele in der zweiten Liga, die meisten davon als Einwechsler. Nicht die schlechteste Ausbeute für einen jungen Neuzugang. In der Sommerpause zeigte er ordentliche Leistungen im Trainingslager in Österreich und Beobachter waren sich sicher: Kalmár steht in der Saison 2015/2016 vor dem nächsten Schritt. Doch der blieb aus. Bis zur Winterpause stand der Ungar in der zweiten Liga in zusammengenommenen vier Partien nur 68 Minuten auf dem Feld, in der Regionalligamannschaft von RB Leipzig war er ebenfalls in nur sieben Partien aktiv.

Zu wenig für den hochtalentierten Mittelfeldspieler, der auch im Gespräch zu höflich ist, um sich ernsthaft über seine mangelnde Spielpraxis zu beschweren. „Die Situation ist schwierig“, lässt er sich entlocken und fügt sofort diplomatisch hinzu: „Ich weiß, dass ich ein junger Spieler bin und hart für meine Einsätze arbeiten muss.“ Ist im Mittelfeld-Starensemble des Zweitligisten kein Platz für ihn? „Jeder will natürlich spielen, aber ich gebe jeden Tag im Training mein Bestes und warte auf meine Chance“, sagt Kalmár artig auf.

Fokussiert an den Schwächen arbeiten

Keine Kampfansage an die Kollegen Massimo Bruno in der Zentrale oder Yussuf Poulsen auf dem Flügel, die beide in der Hinrunde durchaus ihre Schwächephasen hatten. Zsolt Kalmár denkt nach, wartet ab, trainiert fleißig – aber bleibt trotzdem im Kampf um die Startelfplätze außen vor. Naiv ist er dabei jedoch keinesfalls. „Ich muss spielen, um den nächsten Schritt machen zu können“, weiß er. Dafür arbeitet Kalmár fokussiert an seinen Schwächen: „Ich konnte mein Spiel in Pressingsituationen verbessern, was gerade bei unserer Spielphilosophie wichtig ist“, erklärt er. Zudem ist er torgefährlicher geworden. In Györ traf er in 26 Einsätzen dreimal, in dieser Saison durfte er in der U23 von RB Leipzig allein schon zweimal jubeln. „In diesem Punkt will ich mich auch weiterhin verbessern.“ Doch das Training allein reicht dafür nicht – Kalmár braucht Spielpraxis, um nicht als ewiges Talent zu versauern.

Die Antwort auf die demnach logische Frage, ob ein Vereinswechsel für ihn ein Thema wäre, um mehr Einsätze zu bekommen, ist ihm fast etwas unangenehm. Leise gibt er zu: „Ja, den Gedanken hatte ich schon.“ Nach dem Trainingslager wolle man sich mit dem Verein zusammensetzen und seine Zukunft besprechen. Das bestätigt auch Teamchef Ralf Rangnick, der auf Nachfrage noch einmal betont, was er an seinem Schützling schätzt: „Zsolt ist technisch sehr gut und hat auch im athletischen Bereich noch einmal zugelegt.“ Rangnick erklärt weiter: „Wir verstehen den Wunsch des Spielers, der im Hinblick auf die EM im Sommer natürlich zu mehr und auch regelmäßigeren Einsätzen kommen möchte.“

Der große Traum

Die Europameisterschaft in Frankreich, für die sich Ungarn erstmals seit 1972 qualifiziert hat, ist ein großer Traum für Kalmár: „Ich würde, wie jeder ungarische Spieler, gerne mit Ungarn bei der EM spielen.“ Vom ungarischen Teamchef Bernd Storck hat er jedoch eine klare Bedingung bekommen: „Er hat gesagt, dass ich mehr Einsätze absolvieren muss, um dabei zu sein.“ Also doch ein Wechsel, schon im Winter? Laut Ralf Rangnick sei das Gespräch mit Kalmár nach dem Trainingslager völlig ergebnisoffen. Doch für den Spieler selbst wäre ein Leihgeschäft wohl die beste Option um Spielpraxis zu bekommen und den Sprung zu schaffen – vom großen Talent zum Bundesligaprofi. (mz)



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