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Personalentscheidung beim HFC: Böger ist ein Mann für die Zukunft

Noch Trainer, bald Sportdirektor: Stefan Böger soll den HFC auf allen Ebenen weiterentwickeln.

Noch Trainer, bald Sportdirektor: Stefan Böger soll den HFC auf allen Ebenen weiterentwickeln.

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Holger John

Halle (Saale) -

Im Grunde genommen war das Namensschild korrekt. „Stefan Böger, Cheftrainer des Halleschen FC“, stand dort auf weißem Papier in roter Schrift geschrieben. Und als sich Böger am Donnerstagnachmittag auf das Podium im Erdgas Sportpark setzte, galt diese Stellenbeschreibung auch noch. Nach nur wenigen Minuten hätte der Schriftzug aber einen Zusatz verdient gehabt: Stefan Böger, Cheftrainer des HFC - und bald Sportdirektor.

Der 49 Jahre alte Fußballlehrer wird seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag als Trainer nicht verlängern. Doch er bleibt dem Drittligisten in anderer Funktion erhalten: Böger hat einen Dreijahresvertrag als Sportdirektor unterschrieben. Ein Novum in der 50-jährigen Geschichte des HFC. „Für uns“, sagte Präsident Michael Schädlich, „ist das ein entscheidender Schritt.“ Und: „Wir wollen uns damit weiter professionalisieren.“

Trainersuche läuft bereits

Das war der entscheidende Satz während einer 40-minütigen Pressekonferenz, auf der so wenig wie nie zuvor über das anstehende Spiel gesprochen wurde. Die nahe Zukunft heißt SG Sonnenhof Großaspach, der Tabellendritte gastiert morgen im Erdgas Sportpark. Nur interessierte das gestern eher am Rande - die fernere Zukunft dagegen viel mehr.

Mit der Entscheidung, Stefan Böger zum Sportdirektor zu machen, hat der HFC einen bedeutenden Schritt getan. Immer wieder wurde mehr Professionalität propagiert, auch Böger selbst blies oft in dieses Horn. Nun folgte ein entscheidender Schritt. „Die weitere Entwicklung des Vereins hängt stark davon ab, dass wir die Management-Strukturen professionalisieren“, blickte Präsident Schädlich voraus.

Ralph Kühne saß während dieses Satzes zwei Meter neben ihm und nickte. Für den Manager des HFC ist der neue Job von Böger keinesfalls als Abwertung seiner Position zu verstehen. Kühne wird künftig vermehrt auf organisatorischer, finanzieller Ebene arbeiten, aber in Zusammenarbeit mit Böger auch weiterhin für den sportlichen Bereich mitverantwortlich sein.

An einer großen Vision arbeiten

„Wir wollen den Verein mit diesem Schritt nach vorne bringen und uns mit der Zeit möglicherweise auch an höherklassigen Zielen messen lassen“, erklärte Kühne mit Blick auf die kommenden drei Jahre. Aber: „Ich werde einen Teufel tun und jetzt eine Zielstellung vorformulieren. Das Signal ist auch so ganz klar.“ Es lautet: Der HFC will nicht stehen bleiben, sondern weitergehen. Sich entwickeln. Nach oben schauen.

Böger soll federführend an einem neuen Konzept, an einer großen Vision für den Verein arbeiten - und damit das in Angriff nehmen, was sich die Fans schon so lange wünschen.

Die Nachwuchsarbeit mit dem neuen Leistungszentrum soll eine große Rolle spielen dabei. Böger als ehemaliger Jugendtrainer des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erscheint dafür prädestiniert. Auch als Scout soll er ab Juli in Erscheinung treten. 17 Jahre lang arbeitet er nun schon im Trainerbereich. Seine Kontakte sind genau das, was dem HFC bisher fehlte.

Spielwiese für Stefan Böger

„Der Klub hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt, aber in ihm steckt noch mehr Potenzial“, erklärte der gebürtige Erfurter. „Wir alle können unseren Job auf unserer Position noch besser machen.“ Die kollegiale Zusammenarbeit mit dem bisherigen Führungs-Triumvirat, bestehend aus Präsident Michael Schädlich, Vizepräsident Jörg Sitte und Manager Ralph Kühne, bezeichnete Böger als einen Hauptgrund für die Entscheidung, beim HFC zu bleiben. Und vor allem: „Ich mag Herausforderungen“, sagte der Noch-Trainer des Drittligisten lächelnd.

Neben den Aufgaben der laufenden Saison - 13 Partien stehen in Liga drei noch an - muss Stefan Böger nun seinen eigenen Nachfolger finden. „Es gibt bereits einige Ideen, aber wir werden die Suche mit Ruhe und Gewissenhaftigkeit angehen und nichts überstürzen“, erklärte der Coach, für den sich beim HFC in den kommenden Monaten eine große Spielwiese auftun wird: Er kann die mittelfristige Zukunft des Klubs maßgeblich gestalten - und das auf nahezu allen Ebenen. Schließlich laufen am Saisonende 16 Spielerverträge aus. Mit einigen Akteuren wurde bereits zwecks Verlängerung gesprochen, andere müssen sich noch beweisen. Böger meint: „Wir beobachten genau, mit welchen Spielern wir weiterarbeiten wollen. Gradmesser ist die sportliche Entwicklung der vergangenen Monate.“ Und wer könnte die besser beurteilen als Stefan Böger selbst?

Böger soll beim HFC weiter für Ordnung sorgen. Kurz nachdem er seinen Trainerjob im September übernommen hatte, führte der studierte Journalist neue Medienrichtlinien ein. Seitdem gibt es keinen Termin, den er nicht kennt. Ab Sommer soll er sich vermehrt auch um die Außendarstellung des HFC kümmern. Vielleicht gibt er die Namensschilder für die Pressekonferenzen dann ja selbst in Auftrag. (mz)