Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, Mitteldeutschland und der Welt
HFC Banner

Nach Vorverkaufsdesaster vor dem Derby: HFC-Präsident Schädlich entschuldigt sich bei den Fans

Überall Blau-Weiß: Die Stadionseite am Läuferweg war komplett mit FCM-Fans besetzt.

Überall Blau-Weiß: Die Stadionseite am Läuferweg war komplett mit FCM-Fans besetzt.

Foto:

Holger John

Der Frust sitzt tief im Lager der Fußball-Fans, die es mit dem Halleschen FC halten. Auch am Tag nach der 1:2-Pleite im Derby gegen den 1. FCM. Dabei ärgert nicht einmal nur die sportliche Niederlage. Vielmehr schlagen die Wellen hoch wegen der Demütigung durch eine mit 4.000 FCM-Anhängern voll besetzte Süd-Tribüne am Läuferweg.

In den Foren fordern entsetzte HFC-Fans Stellungnahmen vom Präsidium, diskutieren über die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung oder fordern gar den Rücktritt des gesamten Vorstandes, der diese „feindliche Übernahme“, wie es heißt, nicht verhindert hat und in Sorge um deren Gesundheit sogar eigene Dauerkarten-Besitzer umplatzieren ließ.

"Eklatanter Fehler"

Das Bild ist auch HFC-Präsident Michael Schädlich schwer aufs Gemüt geschlagen: „Wir haben unsererseits einen eklatanten Fehler gemacht. Ich kann mich dafür nur entschuldigen“, sagt er.

Die Frage ist: Wie konnte es passieren, dass FCM-Fans an Karten in so großer Zahl kamen? Eigentlich stehen Gäste-Anhängern bei einem solchen Sicherheitsspiel maximal 1.200 Tickets zu - zehn Prozent des an solchen Tagen reduzierten Fassungsvermögens. Keinesfalls eine komplette Tribüne. Doch diese extra Plätze organisierte sich die FCM-Fanszene durch eine konzertierte Aktion.

Etwa in einem MZ-Servicecenter. Eine Mitarbeiterin in Aschersleben schildert das Prozedere: „Am Tag, als der freie Vorverkauf begann, am 13. Dezember, stand eine Schlange von Kaufwilligen vor unserer Geschäftsstelle. Einer wollte 20 Tickets für das Spiel, der nächste 30“, erzählt sie. „Als FCM-Fans waren die Menschen nicht zu erkennen. Wir hatten auch keine Order vom HFC oder sonst woher, jedem auch nur maximal vier Karten zu verkaufen. Mit welchem stichhaltigen Argument sollten wir jemanden abweisen?“

Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Wieso der HFC Karten in Servicecentern verkauft

Und so kam es auch, dass jemand sagte, er komme von seinem Verein und seine Kumpel hätten gerade keine Zeit, er solle doch Tickets mitbringen. „Dann legte er etwa 3.000 Euro, in kleinen Scheinen oder als Kleingeld - wie nach einer Sammelaktion - auf den Tisch. Und wir haben ihm die Tickets verkauft“, so die Mitarbeiterin.

Ähnlich lief es etwa in Bernburg oder Köthen. Selbst im Wosz-Fanshop in Halle gingen Karten an Magdeburg-Sympathisanten. So rüstete sich der FCM-Anhang in einer geplanten Groß-Aktion mit Tickets aus - und nutzte dabei die Schwäche im lückenhaften System. Und in einer Fehleinschätzung seitens des HFC: „Wir haben im Vorfeld diskutiert, ob wir auf einen Vorverkauf über die Servicecenter verzichten sollten, kamen aber zur Auffassung, dies nicht zu tun“, sagt Präsident Schädlich. Schließlich sollten auch HFC-Fans außerhalb von Halle ohne großen Reise-Aufwand an Karten kommen können.

Vier Karten für HFC-Mitglieder

Den Magdeburger spielte in die Hände, dass die HFC-Mitglieder und -Dauerkartenbesitzer, die seit dem 18. November ein Vorverkaufsrecht besaßen, nicht auf ähnliche Art gehandelt und bereits Karten gehamstert hatten. Doch das konnten sie auch kaum. Der HFC hatte seine Anhänger via Homepage über die erste Verkaufsphase folgendermaßen informiert: „HFC-Mitglieder dürfen maximal vier Karten erwerben, Dauerkarten-Inhaber maximal zwei. Wer als HFC-Mitglied nicht persönlich sein Vorverkaufsrecht nutzen kann, schickt eine Person seines Vertrauens mit einer Vollmacht zum Wosz Fan Shop oder in die Galeria Kaufhof. Diese sollte eine Kopie des Mitgliedsausweises oder eine Kopie des bestätigten Mitgliedsantrags enthalten.“

Diese Reglementierung setzte sich fort, als der freie Verkauf begann: „Hinweis: Karten für das Spiel gegen den FCM könnt ihr online nur als Bestandskunde erwerben. Ihr seht das Spiel, sobald ihr euch eingeloggt habt.“

Heißt: HFC-Anhänger wurden in ihrem Kontingent beschnitten. Außerhalb der Stadt lösten sich diese Vorgaben in Wohlgefallen auf. Und die artigen HFC-Fans reagierten nur, wie ihnen geheißen oder erkannten die Lücke nicht. Begleitet wurde dies von einem nicht einmal überbordenden Interesse. Selbst in der vergangenen Woche gab es in Halle noch Restkarten.

Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Wie der HFC künftig verfahren will

Dass der Klub irgendwann, als die ersten Meldungen von den Hamsterkäufen der Magdeburger bekannt wurden, die ganze Tribüne am Läuferweg bereitwillig an Magdeburger verkauft habe, um nun wenigstens das Stadion komplett zu füllen, verweist Präsident Schädlich in den Bereich eines üblen Gerüchts: „Das ist Quatsch!“ Da sei nun überhaupt nichts dran.

Wie aber verfährt der HFC nun aber künftig, um einen solchen Vorfall auszuschließen. Nur noch personalisierte Tickets, und das streng limitiert an allen Orten, zu verkaufen, wäre die einzige Lösung. So wird es bei Fußball-Weltmeisterschaften gehandhabt. Eine Umsetzung in der dritten Liga ist aber aus Datenschutzgründen kaum möglich. Und wer soll am Anlass dann auch noch die Ausweise mit den Ticketnummern vergleichen?

Suche nach Lösung

„Wir werden die Sache jetzt diskutieren und eine bessere Lösung finden“, sagt Michael Schädlich. Womöglich wird künftig bei einem solchen Hochsicherheitsspiel den Servicecentern im Land der Zugriff via Internet auf den Kartenverkauf gesperrt. Doch geht das? Schließlich existieren Verträge mit den Vorverkaufsstellen. Und wie kommen HFC-Anhänger in Dessau, Zeitz oder Aschersleben an Karten, wenn die nur noch in Halle über den Ladentisch gehen? Eine optimale Lösung zu finden, ist diffizil.

Übrigens: Im nächsten Heimspiel geht es am 7. Februar gegen Dynamo Dresden. Ein sicherheitstechnisch nicht minder brisantes Ost-Derby. Auch dafür sind noch Karten zu haben. Und in den MZ-Servicecentern weiß bislang auch noch niemand von einem beschränkten Kontingent für dieses Duell: „Der Andrang ist für dieses Spiel derzeit aber eher mäßig“, heißt es aus Aschersleben. (mz)

nächste Seite Seite 1 von 3