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HFC gegen Stuttgarts U23: Gespannt aufs Kindheits-Idol

Im letzten Spiel gegen Mainz II wurde Cacau nur eingewechselt.

Im letzten Spiel gegen Mainz II wurde Cacau nur eingewechselt.

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Halle (Saale) -

Tobias Müller saß auf dem Podium im Presseraum des Erdgas Sportparks und gab offen Auskunft über die Hintergründe seines in letzter Zeit kometenhaften Aufstiegs. Bis zur Winterpause galt er als noch als Fehleinkauf. Nun hat der Offensivmann das Angriffsspiel des Halleschen FC drei Spiele in Folge famos angekurbelt. Doch plötzlich gab es eine Frage, die einmal nichts mit ihm und seiner Entwicklung zu tun hatte.

Es ging um den Star der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart, des heutigen Drittliga-Gegners. Wie er es denn finde, nun gegen einen Mann wie Cacau spielen zu können. Müllers Augen glänzten: „Das ist eine schöne Sache, mit ihm gemeinsam auf dem Platz zu stehen. Er ist ein super Spieler. Ich kenne ihn aus Kindheitstagen“, meinte der 22-Jährige über den prominentesten Kicker der Liga.

Tatsächlich ist jener Claudemir Jeronimo Barreto, den alle Welt nur unter seinem brasilianischen Künstlernamen Cacau kennt, einer von nur zwei ehemaligen deutschen Nationalspielern, die in Liga drei nach einer erstaunlichen Karriere noch etwas Geld für den Familienhaushalt verdienen. Der andere ist Halles Abwehrchef Marco Engelhardt. Die Wege der beiden dürften sich heute öfter kreuzen.

Cacau ging den Weg in die dritte Liga aber nicht ganz freiwillig. Im Juni des vergangenen Jahres war der heute 34-Jährige nach einem ernüchternden Japan-Abenteuer wieder beim VfB Stuttgart aufgeschlagen, für den er von 2002 bis 2013 kickte. Er fragte an, ob er sich bei der Zweiten fit halten dürfe für kommende Aufgaben. Es gab Anfragen von Klubs, beim Zweitligisten 1860 München stand er zwischenzeitlich hoch im Kurs.

Doch die Optionen platzten wie Seifenblasen. Niemand wollte den 28-fachen Nationalspieler, den WM-Dritten von 2010, der in 307 Bundesliga-Spielen für Nürnberg und Stuttgart 88 Tore erzielt hatte. Also entschied sich Cacau für Variante C. „Ich trainiere ja schon seit meiner Rückkehr aus Japan bei der Zweiten mit. Nachdem die Angebote, die ich in den letzten Wochen und Monaten bekommen habe, irgendwie alle nicht gepasst haben, bin ich auf den Verein zugegangen und habe gesagt, dass ich dem VfB gerne helfen will und mir vorstellen könnte, in der Zweiten zu spielen“, schilderte Cacau in der „Stuttgarter Zeitung“.

Der VfB gab dem einstigen Helden einen Vertrag. Die Idee dahinter: Mit seiner Erfahrung sollte er den jungen Spunden seiner Trainingsgruppe fortan in Punktspielen ein Anführer sein. Schließlich gilt die Mannschaft, die auch der heutige VfB-Bundesliga-Erfolgs-Coach Jürgen Kramny irgendwie nie aus der Abstiegszone bekam, als ein konfuses und harmloses Sammelsurium recht talentierter Solisten.

Und noch eines gab den Ausschlag: „Oberste Priorität hat meine Familie. Meine Tochter kommt jetzt in die vierte Klasse, das ist eine entscheidende Phase für sie. Deswegen habe ich mich für die dritte Liga entschieden“, sagte Cacau in „Bild“. Zur Familie gehören Frau Tamara und die Kinder Lidia, Levi und Davi. Und sie hatten nach dem Japan-Abenteuer bei Cerezo Osaka nicht wirklich Lust auf weitere Karriere-Experimente des Papas. In Japan passte es für Cacau nämlich nicht. Obwohl er dort ab Sommer 2014 an der Seite von Uruguays Fußball-Volksheld Diego Forlan stürmte, stieg der Klub ab.

Inzwischen hat der bibelfeste Sympathie-Träger drei Mal für die Reserve gekickt: 175 Minuten, kein Tor, eine Vorlage. Gewonnen hat die Mannschaft auch mit ihm, dem deutschen Meister von 2007, nicht. Ernüchterung macht sich breit. Wird das alles zum großen Missverständnis? Klingt eine große Karriere mit einem Abstieg in die vierte Liga aus?

Schon jetzt ist der Marktwert von Cacau laut transfermarkt.de auf 350 000 Euro gesunken. Damit wird seine Leistungs-Aktie 200 000 Euro unter der von HFC-Profi Sören Bertram notiert - auf einem Niveau von Timo Furuholm und Dorian Diring. Vor knapp sechs Jahren, zu Zeiten der WM in Südafrika, galt Cacau als acht Millionen Euro teuer.

Bis dahin hatte er eine Bilderbuch-Karriere hingelegt. 1999 kam Cacau aus Brasilien nach Deutschland - ohne Deutsch-Kenntnisse, ohne Geld. Fußballspielen, nur das wollte er. Beim Oberligisten Türk Gücü München spielte er in der fünften Liga vor. In der Freizeit reiste er mit der Samba-Band eines Freundes durch die Lande, half beim Auf- und Abbau des Band-Equipments. Dann der Durchbruch in Nürnberg. Und immer noch hat er den Traum, dass Stuttgart II nicht seine letzte Karriere-Station ist: „Das muss nicht sein, das warte ich erst mal ab. Sollte etwas sehr Interessantes kommen, höre ich mir das natürlich weiterhin an“, sagte er bei transfermarkt.de.

Also wird er sich ehrgeizig in solche Spiele wie heute gegen den HFC stürzen. Absteigen mag er bestimmt nicht. HFC-Trainer Stefan Böger sieht in den Zweikämpfen gegen den Star für die Seinen eine „tolle Herausforderung, da zu bestehen. Da können sie sich beweisen.“ Und Böger hat natürlich die Spielweise des Mittelstürmers analysiert: „Er kommt inzwischen mehr aus einer hängenden Position.“ Und genau dort spielt inzwischen Tobias Müller. So ergibt sich zwangläufig heute ein Vergleich: Das aufstrebende Talent gegen eines seiner Kindheitsidole.

Die Partie gegen den VfB II gibt es im Live-Stream unter: www.mdr.de