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HFC beim VfB U23: Was dem Halleschen FC in Stuttgart zum Sieg fehlte

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Da war die Welt noch in Ordnung: Toni Lindenhahn trifft zum 1:0 für den Halleschen FC.

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Der Hallesche FC konnte beim Auswärtspiel gegen die U23 des VfB Stuttgart seine Erfolgsserie nur bedingt ausbauen. Vor rund 700 Zuschauern im Stuttgarter Gazi-Stadion trennt sich die Mannschaft von Trainer Stefan Böger mit 1:1 vom Tabllenschlusslicht.

Ausgangslage:

Mit einer Erfolgsserie von sieben Punkten aus den Spielen gegen Dresden, Münster und Großaspach fuhr der Hallesche FC mit breiter Brust in die baden-württembergische Landeshauptstadt. Das Spiel am Freitagabend gegen Stuttgart II war das auf dem Papier einfachste der letzten Wochen: Das Tabellenschlusslicht holte im Jahr 2016 erst einen Punkt und verlor vier der vergangenen fünf Partien.

Daten und Fakten:

Nur zwölf Punkte aus 13 Spielen und damit die zweitschwächste Ausbeute aller Drittligisten holte die U23 des VfB auf heimischen Rasen. Darunter allerdings immerhin ein 1:1 gegen Spitzenreiter Dynamo Dresden am letzten Spieltag vor der Winterpause. Zuletzt verloren die Stuttgarter bei Mainz II mit 1:3 und zu Hause gegen Erfurt mit 1:2. Mit der schwächsten Defensive der Liga, könnte die achte Drittliga-Saison in Serie - gemeinsamer Rekord mit Rot-Weiß Erfurt - auch die vorerst letzte für die jungen Stuttgarter werden.
Beim HFC stand das Hinspiel gegen den VfB im September 2015 unter einem besonderen Stern: Stefan Böger gab sein Debüt als Cheftrainer, nachdem "der ewige" Sven Köhler nach acht Jahren im Amt in der Vorwoche entlassen wurde. 5637 Fans feierten einen souveränen 3:0-Heimsieg und die ersten drei Punkte mit Böger an der Seitenlinie.
Der junge Schiedsrichter Marcel Schütz (27) pfiff den Halleschen FC zum ersten Mal in seiner Karriere.

Personalien:

Bis auf den gelbgesperrten Tim Kruse konnte Stefan Böger mit unverändertem Kader planen. Für den Kapitän rückte der junge Sascha Pfeffer in die Startaufstellung, ansonsten alles beim Alten. Die Langzeitverletzten Florian Brügmann (Kreuzbandanriss), Patrick Mouaya (Reha) und Timo Furuholm (Schambeinentzündung) fielen natürlich weiterhin aus.
Bei den Gastgebern stand eine Personalie im Vordergrund: Rückkehrer und Ex-Nationalspieler Cacau läuft seit der Winterpause für die VfB-Reserve auf, im letzten Spiel wurde der 34-Jährige allerdings erst 15 Minuten vor Schluss eingewechselt und blieb bislang noch ohne Treffer. Gegen Halle stand der 34-Jährige jedoch wieder in der Startelf. Auch darüber hinaus veränderte Trainer Walter Thomae seine Elf im Vergleich zur Vorwoche deutlich, rotierte auf fünf Positionen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite den Spielbericht und die Analyse aus Stuttgart von MZ-Sportredakteur Christoph Karpe

Spielverlauf und Analyse:

„Achtung! Feinstaub-Alarm in Stuttgart“ - die Warnung vor übler Luft begrüßte am Freitag die Autofahrer schon auf der A8. Und sie ließ Arges befürchten. Sportliche Aktivitäten gelten bei Smog als gefährlich. Außerdem: Bei Fußballspielen ist ein Mundschutz verboten. Zumindest hat sich noch nie ein Kicker mit so einem vielleicht nützlichen Utensil gezeigt.

Auch am Freitagabend probierten es die Drittliga-Kicker der Reserve des VfB Stuttgart und des Halleschen FC ohne. Zumal das Gazi-Stadion auf der Waldau etwas oberhalb des Stuttgarter Talkessels liegt. Dennoch: Die Luft in der Liga ist bekanntlich reichlich dünn, speziell für die Gastgeber, den Tabellenletzten. Signalisiert wurde das auch durch ein Banner, der wenigen VfB-Fans: „Eure Punktausbeute tut weh.“

Cacau fehlt in Startelf

Weh tat dann allerdings der Auftritt des vermeintlichen Favoriten aus Halle, der zwar eine Führung verspielte, am Ende aber nach einer recht kurzatmigen Vorstellung mit dem 1:1-Endstand prima bedient war. Es sagte alles, dass Torwart Fabian Bredlow der beste Mann des Teams war. „Ein großer Dank geht an Fabian, der hervorragend gehalten hat“, meinte Torschütze Lindenhahn später.

Von Beginn an scherten sich die VfB-Bubis, bei denen Ex-Nationalspieler Cacau zunächst nur auf der Bank saß, wenig um ihre Außenseiter-Rolle. Sie suchten mutig die Offensive. Der HFC - hier hieß die Aufstellungs-Überraschung Sascha Pfeffer als Sechser - hatte in den ersten sieben Minuten gleich vier Eckbälle abzuwehren. In der zehnten Minute musste Keeper Fabian Bredlow gleich zweimal gegen den frei auf ihn zugelaufenen Daniele Gabriele Glanztaten vollbringen. „Wir haben einige Chancen zugelassen bis zur Halbzeit, aber kein Tor gefressen“, meinte Bredlow. „Bei den Paraden hat sich dann ein positives Gefühl aufgebaut. Es war schon wie im Rausch für mich.“

Harter Kampf für Stefan Kleineheismann und den Halleschen FC in Stuttgart.

Harter Kampf für Stefan Kleineheismann und den Halleschen FC in Stuttgart.

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Nach der sechsten Ecke (13.) gab es im Getümmel vor Bredlow die nächste dicke Chance. HFC-Coach Stefan Böger wurde an der Seitenlinie zum Rumpelstilzchen. Denn erst in Minute 29 gab es eine HFC-Möglichkeit. Der Schuss von Pfeffer wurde aber Beute von VfB-Torwart Benjamin Uphoff, der nur gut eine Minute später auch gegen Sören Bertram parierte.

Osawe bereitet Führung vor

Dennoch: So langsam fand der HFC in der Offensive statt. Und in der 35. Minute setzte sich schließlich Osayamen Osawe durch, marschierte Richtung Grundlinie im Strafraum, passte den Ball scharf von links in die Mitte, und von hinten war Toni Lindenhahn in Position gestürmt. Wuchtig rutschte er in die Kugel und knallte sie in die Maschen zum 1:0. „Es war zu dem Zeitpunkt kurios, dass wir ein Tor gemacht haben“, sagte Lindenhahn. „Wie wir es aber herausgespielt haben, war klasse.“
Trotzdem reagierte Böger zur Pause mit zwei Wechseln. Max Barnofsky musste für Dominic Rau weichen, Max Jansen für Dorian Diring. Ab der 56. Minute durfte dann auch Stuttgarts Star Cacau vor 735 Zuschauern zeigen, ob er immer noch Klasse besitzt. Er leitete dann den Angriff ein, den Caniggia Elva im Zentrum nach einer geschickten Drehung zum 1:1 (63.) nutzte.

„Es war kein Leckerbissen für Fußballlehrer, die möglichst wenig Torchancen zulassen wollen“, meinte HFC-Coach Böger. „Auf beiden Seiten ging es sehr fehlerbehaftet zu. Wir haben noch häufiger gesündigt als die Stuttgarter. Insgesamt ist es sicherlich ein glücklicher Punkt für uns, wenn man die Spielanteile und Chancen sieht.“

Ausblick:

Schon am Dienstag geht es für den Halleschen FC weiter. Dann erwartet der HFC Aufsteiger Kickers Würzburg um 19 Uhr im Erdgas Sportpark, bevor es vier Tage später zum Abschluss der englischen Woche nach Erfurt geht.

VfB Stuttgart U23 - Hallescher FC 1:1 (0:1)

VfB Stuttgart II: Uphoff - Mwene , Peric , Kirchhoff , Heise - Ristl (90. Wanitzek), M. Zimmermann (56. Cacau) - Elva , Tashchy - Grüttner , Gabriele
Hallescher FC: Bredlow - Acquistapace, Engelhardt, Kleineheismann, Barnofsky (46. Rau) - Jansen (46. Diring), Pfeffer - Lindenhahn, Müller (73. Aydemir), Bertram - Osawe
Tore: 0:1 Lindenhahn (35.), 1:1 Elva (63.)´
Ecken: 10:2
Chancen: 13:6
Schiedsrichter: Marcel Schütz (Worms), Torsten Bauer, Florian Götte. Gelbe Karten: Stefan Kleineheismann (65.), Engelhardt (84.) - Zimmermann (43.)
Zuschauer: 800 im Gazi-Stadion auf der Waldau

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Der Liveticker aus Stuttgart von MZ-Reporter Fabian Wölfling

Die Tabelle spricht eine klare Sprache: Die U23 ist Tabellenschlusslicht der dritten Liga und das zweitschwächste Heimteam der Liga. Der Hallesche FC kann mit einem Auswärtssieg noch einmal ganz oben anklopfen. Die MZ ist am Freitagabend ab 18.45 Uhr für Sie live im Gazi-Stadion vor Ort und tickert die Partie.

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