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Mitteldeutsche Zeitung | Hallescher FC: Stefan Böger und sein größtes Spiel
19. January 2016
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Hallescher FC: Stefan Böger und sein größtes Spiel

Stefan Böger (links) verteidigte Hristo Stoichkov im Rückspiel gegen Barcelona so gut, dass der bulgarische Stürmer-Star nach 73 Minuten ausgewechselt wurde.

Stefan Böger (links) verteidigte Hristo Stoichkov im Rückspiel gegen Barcelona so gut, dass der bulgarische Stürmer-Star nach 73 Minuten ausgewechselt wurde.

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Imago

Halle (Saale) -

Stefan Böger erinnert sich noch genau an das weite Rund. „Unheimlich beeindruckend“ sei bereits das Abschlusstraining gewesen. Im September 1991 gastierte der beinharte Defensivmann mit dem FC Hansa Rostock im Europapokal der Landesmeister beim FC Barcelona. Gespielt wurde im Camp Nou, dem größten Fußballstadion Europas. „Wir konnten damals schon erahnen, was uns am nächsten Tag erwarten würde“, sagt Böger im Blick zurück
Im Blick nach vorn erwartet ihn, inzwischen als Trainer des Halleschen FC, eine Partie, die für seine Spieler ebenfalls zum Kultspiel werden könnte: Der HFC empfängt am Sonntag den 1. FC Magdeburg zum Derby im Erdgas Sportpark. Anlass genug also, um das größte Spiel seiner Karriere mit Stefan Böger noch einmal Revue passieren zu lassen.

Mit Ehrfurcht gegen große Namen

Wobei: Da gab es noch einen anderen Auftritt, den 1990 mit der DDR-Auswahl in Brasilien, vor 80.000 Zuschauern im Maracana. Es war das Abschiedsspiel des gerade abzuwickelnden Verbandes. „Auch ein unfassbar tolles Erlebnis, das ich nie vergessen werde“, sagt Stefan Böger.

Doch diese zwei Partien gegen den FC Barcelona waren dann doch etwas ganz besonderes, auf Vereinsebene ohne Frage die Spiele, die ihm am meisten im Gedächtnis blieben. Bereits das Hinspiel im Camp Nou sorgte für staunende Gesichter bei den Rostocker Kickern. „Es war ganz gut, dass wir erst einen Tag vorher angereist sind“, meint ein lächelnder Stefan Böger. „Sonst wären wir von der Stadt und dem ganzen Drumherum wahrscheinlich so beeindruckt gewesen, dass wir noch mehr Tore kassiert hätten.“

Drei waren es so schon. Keines gelang den Gästen. Dänen-Star Michael Laudrup traf für das Team - gespickt mit Könnern wie Ronald Koeman, Pep Guardiola und Eusebio, trainiert von Johan Cruyff – doppelt. Stefan Böger spielte vor 65.000 Zuschauern durch. Ob es Ehrfurcht vor den großen Namen gab? „Mit Sicherheit“, meint Böger. Rückblickend muss er feststellen: „Wir wurden vorgeführt.“

Besonderes Erinnerungsstück

Im Rückspiel am 2. Oktober 1991, einem Mittwochabend, war das anders. Stefan Böger hatte entscheidenden Anteil daran, dass sich Rostock mit 1:0 durchsetzen und achtbar aus dem Wettbewerb verabschieden konnte. Es war, wenn man so will, das größte Spiel seiner Karriere – auch dank einer Sonderaufgabe.

Im Hinspiel hatte der bulgarische Top-Stürmer Hristo Stoichkov noch gewirbelt, wie er wollte. Hansa-Trainer Uwe Reinders stattete Stefan Böger im zweiten Aufeinandertreffen also mit einer Spezialaufgabe aus: Manndeckung gegen Stoichkov, an ihm kleben. „Das war nicht so schwer, weil er nicht so viel gelaufen ist“, erzählt Böger, „aber er konnte ja auch im Stand zaubern.“ Doch nicht an diesem Tag. Der Bulgare wurde nach 73 Minuten ausgewechselt - ein Verdienst von Abwehrmann Böger, dessen Mannschaft nach einem Treffer von Michael Spies mit 1:0 gewann. „Da war er erst ganz schön sauer, dass ich ihm auf Schritt und Tritt gefolgt bin“, sagt der lächelnde HFC-Trainer heute.

Doch der Unmut von Stoichkov verflog schnell. Barcelona zog schließlich trotz Niederlage in die nächste Runde ein. Und so durfte sich Stefan Böger über ein schönes Erinnerungsstück freuen: Das Trikot von Hristo Stoichkov. „Das ist im Laufe der Jahre leider abhandengekommen“, muss Stefan Böger heute erklären. Doch: „Trotzdem war das ein geiles Erlebnis.“ (mz)