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Hallescher FC: Mindestlohn gefährdet die Reserve

Was wird aus der zweiten HFC-Mannschaft und Spielern wie Tom Kupke (l.)?

Was wird aus der zweiten HFC-Mannschaft und Spielern wie Tom Kupke (l.)?

Foto:

Schulz

Halle (Saale) -

Für die Profis sind die sonnigen Tage im türkischen Belek vorbei. Am Mittwochveute Vormittag um 11.40 Uhr landet der Flieger mit dem Tross des Halleschen FC in Berlin-Tegel. Sportlich ist beim Fußball-Drittligisten während der Wintervorbereitung alles im Lot. Doch wirtschaftlich geht es dem Verein keineswegs prima.

Hinter den Kulissen arbeitet die Führungsmannschaft verbissen daran, bis Ende Februar die Lizenzunterlagen für die kommende Saison mit einem bruchsicheren Zahlenkorsett zu versehen, um sie dann mit gutem Gewissen beim DFB einreichen zu können. 5,5 Millionen Euro, wie in dieser Saison, so der Plan, möchte der HFC auftreiben, um sie dann für den Gesamtverein ausgeben zu können. „Noch haben wir das Geld nicht zusammen“, gesteht Präsident Michael Schädlich.

Im Haushaltsplan muss jetzt auch ein ständiger Posten zwangsläufig modifiziert, oder besser, aufgestockt werden: Die Ausgaben für alle Geringverdiener rings um den Verein. Eine Folge der Einführung des gesätzmäßigen Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde. „Welcher finanzieller Mehraufwand dadurch auf uns zukommt, kann ich derzeit noch nicht sagen“, so Schädlich. Steuerfachleute und Rechtsanwälte rechnen „bis etwa Anfang März“.

Suche nach Sparmöglichkeiten

Was berücksichtigt werden muss, ist vielschichtig. „Ich muss mir als Auftraggeber auch Versicherungen einholen, dass etwa die Sicherheitsfirma oder auch das Catering-Unternehmen bei unseren Spielen seinen Mitarbeitern den Mindestlohn zahlt. Sonst ist der HFC haftbar“, sagt Schädlich. Dazu muss der Verein das Salär der etwa 50 eigenen Ordner pro Spiel, oder auch das von Nachwuchs-Trainern aufstocken.

Gleichzeitig steht die Frage: „Wie gehe ich mit dem Fall um, wenn jemand sagt, er leiste freiwillig und unentgeltlich Stunden für den Verein? Muss ich ihn nicht dennoch bezahlen, damit alles rechtens ist?“, erzählt der Präsident von seinen Sorgen. Und über allem steht gleichzeitig die Suche nach Sparmöglichkeiten.

Hier richtet sich der Fokus auf die zweite Mannschaft, wo die meisten Vertragsspieler bislang als Geringbeschäftigte geführt werden. Muss der Klub die Kicker nun nach Stunden bezahlen - für jede Trainingseinheit und dazu die Spiele samt Reisen zu den Verbandsliga-Gegnern, entstehen Mehrkosten. Etwa 60 000 Euro verbraucht das U-23-Team jährlich.

Schon jetzt wird im Klub über Sinn und Unsinn - aus sportlicher Sicht - dieser Mannschaft diskutiert. „Wenn nun beim Durchrechnen der Mindestlohn-Mehraufwendungen heraus kommt, dass die Zweite teurer wird, ist dies ein zusätzliches Argument für all jene, die sie eh schon abschaffen wollen“, so Schädlich, der den Zweck der Mannschaft allerdings weiter vorrangig sportlich bewerten möchte.

Eines steht für den Präsidenten fest: „Ich bin für den Mindestlohn, und wir werden ihn bezahlen können.“ Vielleicht mit der Abschaffung des Reserve-Teams. „Andere Vereine im Amateurbereich trifft das Mindestlohn-Gesetz und seine Folgen härter“, so Schädlich. (mz)