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Hallescher FC: Ende der Eiszeit zwischen Verein und Ultras

Beim Tor von Tim Kruse (l.) klar zu erkennen: Während des Spiels gegen Dynamo Dresden hing am Zaun der Schriftzug der Ultra-Gruppe Saalefront.

Beim Tor von Tim Kruse (l.) klar zu erkennen: Während des Spiels gegen Dynamo Dresden hing am Zaun der Schriftzug der Ultra-Gruppe Saalefront.

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Imago

Halle (Saale) -

Jörg Sitte sah man die Erleichterung am späten Mittwochabend förmlich an. „Ich bin froh, dass alles ruhig geblieben ist“, sagte der Vizepräsident von Fußball-Drittligist Hallescher FC nach dem 1:1 im Ostderby gegen Dynamo Dresden. Sitte lobte die friedliche, stimmungsvolle Atmosphäre im Erdgas Sportpark. Vor allem aber die Reaktion der halleschen Fans auf eine Provokation aus dem Dynamo-Fanblock.

Keine Reaktion auf Pyrotechnik

Zu Beginn der zweiten Halbzeit versteckte sich ein Teil der Dresdner Fans unter großen Fahnen. Wenig später tauchten sie komplett schwarz vermummt wieder auf und zündeten Pyrotechnik. Qualm zog durchs Stadion, von den anderen Rängen kamen Pfiffe. Für einen Moment war die Spannung im Stadion greifbar. Denn die Szene hätte durchaus auch dazu führen können, dass die gute Stimmung an diesem Abend kippt. Das Bemerkenswerte aber war: Die halleschen Fans gingen überhaupt nicht auf die Provokation aus dem Gästeblock ein. Was Sitte und einem Großteil der etwa 12 466 Zuschauer ein paar Steine vom Herzen plumpsen ließ. Keine Böller, die auf das Spielfeld fliegen, keine Rauchbomben. Ein paar Schmähgesänge, ab und an hing ein Trikot oder ein Schal von Dynamo Dresden über dem Zaun, das war’s. „Wir sind uns einig, dass das Verhalten unsere Fans sehr ordentlich war“, meinte Sitte.

Vorerst Mini-Schritte

Das gemäßigte Verhalten veranlasst den HFC nun, die verhärteten Fronten zwischen der Vereinsführung und seinen Ultras etwas zu lockern. Der Klub ist bereit, sich auf die Ultras zuzubewegen, wenn auch vorerst in Mini-Schritten. „Wir werden uns intern verständigen“, sagt Sitte etwas nebulös. Denn nach dem skandalösen Auftritt der Ultras im Landespokalfinale gegen den 1. FC Magdeburg hatte der HFC sämtliche Symbole der „Saalefront“ im Stadion - etwa auf T-Shirts oder Fahnen - verboten.

Ob dieses Verbot wieder aufgehoben wird, lässt Sitte noch offen. Doch bei den Fans und insbesondere den Ultras scheint ein Prozess in Gang gekommen. Auch bei den brisanten Spielen gegen Hansa Rostock und Energie Cottbus gab es keine größeren Vorfälle.

HFC duldet Banner

Die Vereinsführung des HFC hatte stets betont, die Ostderbys im September abwarten zu wollen und dann zu sehen, wie es weitergeht. „Wir haben wohlwollend zur Kenntnis genommen, dass es sowohl in Rostock, in Cottbus und auch bei den Heimspielen keinerlei negatives Verhalten gab“, so Sitte.

Ein Frieden rückt in greifbare Nähe, denn der Verein sieht, dass die Ultras bislang nicht nennenswert gegen die Auflagen verstoßen haben. Wobei am Mittwoch sehr wohl ein großes, eigentlich verbotenes Banner mit dem Schriftzug der Ultragruppierung „Saalefront“ am Zaun vor dem Fanblock hing.

Eine Provokation, fraglos. Doch um beim brisanten Derby kein Öl ins Feuer zu gießen, duldete der HFC das Banner. Eine Politik, in der sich Vize Jörg Sitte nach dem Spiel bestätigt sah. „Sie haben sich ordentlich verhalten, da kann man das mit der Fahne akzeptieren“, sagte er. (mz)