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HFC-Frauen: Ein Esel im Pferderennen?

Anika Steckbauer

Anika Steckbauer trifft mit der HFC-Frauenmannschaft im DFB-Pokal auf Werder Bremen.

Foto:

Roland Hebestreit

Halle (Saale) -

Eigentlich müssten Fußball-Fans in Halle hellhörig werden. Der HFC empfängt am Sonntag Werder Bremen zum Heimspiel im DFB-Pokal. Im DFB-Pokal?

Ja. Aber es geht nicht um die Männer, sondern um die Frauen. Und weil das so ist, werden wohl nicht mehr als 30 Unentwegte dabei sein, wenn der Regionalligist aus der Saalestadt den Zweitligisten von der Weser herausfordert.

Der Frauenfußball hat ein Imageproblem, auch in Halle. „Wir bekommen fast keine Aufmerksamkeit. Das ist schade“, klagt der Trainer der HFC-Frauen, Nico Gierschner. „Frauenfußball ist Geschmackssache. Es ist taktischer, langsamer und hat weniger Dynamik. Dabei ist der Aufwand, den die Mädels betreiben enorm“, wie Gierschner erzählt. Drei bis viermal die Woche trainieren die HFC-Frauen. Einige pendeln täglich nach der Arbeit aus Aschersleben oder Quedlinburg nach Halle, denn Profi- oder Halbprofi-Spielerinnen gibt es in Halle nicht.

Und doch: „Manchmal fehlt der Respekt. Es kommt schon mal vor, dass wir in sozialen Netzwerken als Esel im Pferderennen bezeichnet werden“, erzählt Gierschner. Dazu kommt, dass Halle einen Standortnachteil hat. Wie schon in der letzten Saison ist der Klassenerhalt das Saisonziel. „Wir verlieren unsere besten Talente nach Magdeburg“, so Gierschner. In Magdeburg gibt es mit dem Magdeburger FFC seit Ende der 90er Jahre einen selbstständigen Frauenverein, der derzeit in der zweiten Liga kickt. Wäre eine Abspaltung also eine Chance? Nein, betonen Verein und Frauen-Team. „Präsident Michael Schädlich hat immer gesagt, dass der Verein eine Frauenmannschaft braucht“, sagt Kapitänin Anika Steckbauer und fügt an: „Und ohne den HFC gäbe es umgekehrt keine Frauenmannschaft in Halle.“ Die zweite Liga sei finanziell und vom Kader her nicht zu stemmen.

Der Verein ist froh, dass nach dem geplanten Abriss der gepachteten Heimstätte am „Bölli“, dem Stadion am Böllberger Weg, eine neue Bleibe gefunden wurde. „Michael Schädlich hat sich reingekniet, über den Sommer eine neue Stätte zu finden“, so Gierschner. Die HFC-Frauen haben beim Post TSV Halle in der Grenzstraße Unterschlupf gefunden. Der Großteil der Spiele sowie die Trainingseinheiten werden dort absolviert.

Zumindest für ein Spiel werden die Frauen aber ausweichen. Das Pokalspiel am Sonntag steigt am Sandanger. Ob es Chancen für einen Sieg gibt? „Eine Liga Unterschied macht viel aus. Das entspricht zwei bis drei Ligen bei den Männern“, weiß Gierschner. Es muss also alles passen. Aber: „Man soll niemals nie sagen. Wenn wir hinten gut stehen und Konter fahren, ist vielleicht etwas möglich“, hofft Steckbauer. (mz)

Anpfiff des Spiels am Sonntag auf dem Sandanger ist um 11 Uhr.