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FCM-Kicker und ehemaliger HFC-Spieler: Hilfsnetz für Kollegen gegründet

Telmo Teixeira (l.) und Marius Sowislo

Telmo Teixeira (l.) und Marius Sowislo sind durch Samforcity Freunde geworden.

Foto:

Vanessa Weiss

Magdeburg -

Die Villa Weitblick ist nicht zu übersehen. Prunkvoll steht das hübsch sanierte Haus an der großen Ausfallstraße am Rande von Magdeburg. Seminare für Manager finden hier statt, eine Burnout-Beratungsstelle gibt es ebenso. Was nicht unmittelbar zusammenhängt. Und oben im zweiten Stock ist ein weiterer großer Raum. Auf dem Schildchen neben der Tür stehen die Namen Marius Sowislo und Telmo Teixeira.

In der Villa Weitblick ist der Name Programm. Denn hier planen die beiden Fußballer ihre Zukunft. Das Projekt der beiden heißt Samforcity. Ein Sportlernetzwerk, bei dem es darum geht, in Magdeburg Kontakte untereinander zu knüpfen. Sowislo - Kapitän beim 1. FC Magdeburg - erzählt eine Beispielepisode aus seiner Karriere, die erklärt, warum das nötig ist: „Mir wurde damals eine Wohnung gestellt vom Verein. Ich musste aber Möbel kaufen, renovieren.“

Was er meint: Er war auf sich allein gestellt. Helfende Hände hätte er sich damals gewünscht. Also entwickelte er selbst einen Plan, sozusagen ein Auffangnetz für Sportler. Mit der Idee spitzte Sowislo seinen damaligen Teamkollegen Telmo Teixeira an und stieß auf offene Ohren. „Das ist ein tolles Projekt“, meint der jetzige Kicker von Regionalligist Germania Halberstadt. Von 2010 bis 2013 spielte Teixeira auch beim Halleschen FC. Er gehörte zu den halleschen Aufstiegshelden. Danach war er eineinhalb Jahre beim FCM.

Klinken putzen war angesagt

FCM-Kicker und ehemaliger HFC-Spieler - das geht eben doch zusammen. Beim FCM saßen die beiden bei Auswärtsfahrten zu Beginn des Jahres 2014 immer wieder nebeneinander. „Die Jungs haben schon getuschelt, was wir da machen“, erzählt Teixeira. Stück für Stück wurde die Idee entwickelt. Über typisches Klinkenputzen und Vorsprechen bei Vereinen brachten die beiden ihre Idee unter die Sportler. Im September 2014 startete das junge Unternehmen.

Eine Mitgliedschaft - Jahresbeitrag 89 Euro - in dem Sportlernetzwerk hat viele Vorteile. So sind unter den Partnern zum Beispiel Auto- oder auch Möbelhäuser. Auch Ärzte oder Cafés in der Innenstadt sind dabei. Mit der Mitgliedskarte bekommen die Sportler Nachlässe, der Einstand in der neuen Stadt wird erleichtert. Auch einen Newsletter und eine App für das Handy gibt es. Über diese können die Unternehmen aufgerufen werden, dazu stehen die passenden Kontakte. Neuankömmlinge haben also auf einen Blick alle wichtigen Ansprechpartner für verschiedene Wege in der fremden Stadt.

Mehr als 110 Partner gibt es. Und fast 100 Mitglieder. Darunter prominente Namen. Schwimmerin Franziska Hentke, Diskuswerfer Martin Wierig, die Boxer Robert Stieglitz und Tom Schwarz oder Fabian van Olphen, der Kapitän der Bundesliga-Handballer vom SC Magdeburg, sind dabei. Auch viele FCM-Profis sind an Bord. Familien sollen schneller Fuß fassen. Und Sportler, die vorher wenig miteinander zu tun hatten, in Kontakt kommen. Sowislo sieht das Netzwerk also auch als sozialen Klebstoff. „Die Sportler sollen sich nicht zu Hause einschließen. Vielleicht sorgt Samforcity dafür, dass sie sich in Magdeburg wohl fühlen.“

Noch ist es eigenes Kapital und viel Zeit, das die beiden Jungunternehmer in das Zwei-Mann-Unternehmen stecken. Vier Stunden ist Sowislo am Tag zum Beispiel mit Samforcity beschäftigt. Telefonate müssen geführt werden, die Homepage, die App, das Portal und der Facebook-Auftritt gepflegt, Mitgliedsausweise bearbeitet werden. Während Sowislo, gelernter Bürokaufmann, der Denker ist, ist Teixeira derweil der Mann für die Kontaktpflege. „Telmo kommt gut ins Gespräch. Er ist ein offener Mensch, der ein großzügiges Herz hat“, sagt Sowislo. Das hat Teixeira auch selbst erkannt. „Marius macht eher den Bürokram. Ich bin eher der Typ für die Kontaktpflege.“ Teixeira spricht bei den Unternehmen vor, erklärt das Projekt, versucht zu begeistern. „Auf 90 Prozent der Anfragen gab es ein positives Echo“, sagt Teixeira. Weil das Unternehmen so gut läuft, gibt es sogar erste Gedankenspiele, ein ähnliches Netzwerk in anderen Städten aufzubauen.

Zeit für andere Dinge neben Fußball und Firma hat Sowislo, der seit Oktober ja auch Vater einer kleinen Tocher ist, kaum noch. „Mein Tag ist definitiv zu kurz“, sagt der 33-Jährige. Aber der Vorzeigeprofi denkt an die Zukunft nach der Kicker-Karriere. Vielleicht lässt sich irgendwann auf diese Art Geld verdienen. Noch steht das aber nicht im Vordergrund. „Ich muss das nicht machen. Mich hat dazu keiner gezwungen. Es ist mir einfach ein Bedürfnis. Das gibt mir Kraft und bringt mir den Ausgleich. So füllen sich die Tanks auf“, sagt er. Auch der 27-jährige Teixeira sieht das ähnlich. „Dadurch vergesse ich den Stress. Das ist ein persönlicher und innerer Ausgleich.“ Für beide ist es eine Herzensangelegenheit.

Und wichtig ist die Botschaft. „Wir können in den Spiegel schauen und sagen: Wir jungen Burschen haben Mut gezeigt in der Wirtschaft“, sagt Teixeira. Da hat er eine klare Vision.

Zwei Herzen in der Brust

Nur bei einer Sache ist er unsicher: Nämlich, zu welcher Mannschaft er am Sonntag im Derby zwischen dem HFC und dem FCM halten soll. „Ich drücke beiden die Daumen“, sagt er diplomatisch. „Ich wurde in Magdeburg herzlich empfangen, wohne immer noch dort. In Halle hatte ich sportlich eine wunderschöne Zeit.“ Klar ist: Im TV wird er sich das Spiel anschauen. „Das steht auf dem Plan“, sagt Teixeira und grinst. (mz)