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Interview mit Hans Sarpei: „Warum malt man sich schwarz an?“

Hans Sarpei spielte unter anderem für Fortuna Köln, Schalke und Bayer 04.

Hans Sarpei spielte unter anderem für Fortuna Köln, Schalke und Bayer 04.

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Dahmen

Herr Sarpei, das Thema Rassismus ist bei dieser WM ziemlich präsent. Gegen deutsche Fans wurde von der Fifa ermittelt, weil sie sich vor dem Ghana-Spiel die Gesichter schwarz angemalt hatten – als karnevalserprobter Rheinländer würde man darüber eher hinweggehen, vor allem wenn man nicht schwarz ist...

Hans Sarpei: Ich glaube eher nicht, dass die Leute, die sich da die Gesichter schwarz gemalt haben, Rassisten sind. Aber ich verstehe auf der anderen Seite, dass Leute sich beschwert haben, weil so eine Aktion rassistisch sein könnte. Einfache Frage: Warum malt man sich schwarz an, wenn man gegen Ghana spielt? Das macht ja auch keiner, wenn es gegen andere Mannschaften geht. Wenn sie gegen Frankreich spielen, ziehen sie sich ja auch kein Frankreich-Trikot an. Man muss diesen Leuten sagen, dass sie da ein bisschen sensibler sein sollten – wir sind ja nicht beim Karneval.

Obwohl es manchmal so aussieht in den Stadien...

Sarpei: Ja, aber deutsches Trikot tragen und Gesicht schwarz anmalen? Wenn sie für Ghana sind, gut – aber dann sollen sie ein Ghana-Trikot anziehen. Wenn Deutschland-Fans das machen, ist das für Ghanaer schwer nachzuvollziehen.

Wie ist generell Ihr Eindruck?

Sarpei: War das auch beim Ghana-Spiel, wo der Flitzer über den Platz gerannt ist? Der mit den SS-Zeichen? Das ist traurig, wenn so was zu sehen ist. Aber generell findet die WM in einem Land statt, wo Schwarz, Weiß und Gemischt miteinander leben, weitaus mehr als in Deutschland. Deshalb hatte ich schon vorher nicht gedacht, dass es größere Probleme geben würde.

Nun ist die Fifa in diesem Bereich sehr aktiv: Bei den Viertelfinalspielen hielten die Mannschaften die Fifa-Banner mit dem Slogan „ Say no to racism“ für Milliarden von Zuschauern unübersehbar in die Kameras; die Mannschaftskapitäne verlasen Botschaften für Gleichheit und Gleichberechtigung. Sehr plakativ – und dennoch richtig?

Sarpei: Ich glaube schon, dass es etwas nützt. Fifa oder nicht – es ist richtig, die Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken. Es ist wichtig vor allem für Jugendliche, damit die mit diesem Thema überhaupt in Berührung kommen. Wenn die sich fragen, was das soll und dann darüber sprechen, ist schon was erreicht. Wobei: Für Kinder ist das in der Regel ja gar kein Problem, die spielen alle zusammen, egal welche Hautfarbe, Nationalität oder Religion jemand hat. Kinder sind also sehr viel offener, wenn sie mit dem Thema in Berührung kommen. Das Problem ist doch häufig so: Leute, die auf dem Dorf aufwachsen, die kommen ja in Kindergarten oder Schule nicht mit Schwarzen in Kontakt. Und wenn sie dann später mit den falschen Leuten zusammen sind, dann entstehen die Probleme. Schon von daher ist viel Aufmerksamkeit gut. Und bei einer WM gucken viele Leute zu.

Also Lob für die Fifa. Das ist selten.

Sarpei: Naja, die Mannschaften zeigen das Plakat, die Kapitäne lesen was vor, immer dasselbe, was man ihnen halt in die Hand drückt und die Frage bleibt: Stehen die Mannschaften eigentlich dahinter? Da ist vielleicht mehr möglich: Sollen sich die Mannschaften doch selbst etwas ausdenken, soll sich der nationale Verband doch etwas einfallen lassen, was er gerne transportieren möchte. Aber die Fifa will ja alles kontrollieren.

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