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Eisschnelllauf: WM-Desaster für Jenny Wolf - Vier Rekorde für deutsche Herren

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Für Jenny Wolf endete der Auftritt bei ihrer 14. Sprint-WM mit einem Desaster. (FOTO: DPA) 
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Für Jenny Wolf endete die Sprint-WM nach einem Sturz mit einer kräftigen Enttäuschung. Hingegen wiesen die deutschen Herren in Salt Lake City ihre ansteigende Form nach und erkämpften vier Rekorde sowie eine Top-Ten-Platzierung.
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Salt Lake City/Berlin/dpa. 

Jenny Wolf schüttelte nur den Kopf und verließ traurig das schnellste Eis der Welt. In Salt Lake City erlebte sie eine der schwärzesten Stunden ihrer Karriere und konnte das schlechteste WM-Abschneiden deutscher Damen seit 36 Jahren nicht verhindern. Nach durchwachsenen Rennen endete der Auftritt der Berliner Eisschnellläuferin bei ihrer 14. Sprint-WM wenige Tage vor ihrem 34. Geburtstag mit einem Desaster. Im Schlussrennen über 1000 Meter ging sie zu vehement in die Kurve und landete nach Sturz auf dem Hinterteil.

„Sie hat zu viel riskiert und ist jetzt natürlich sauer“, meinte Cheftrainer Markus Eicher und begründete damit, warum sich die einst erfolgsverwöhnte Wolf zunächst nicht zu ihrem deprimierenden Endergebnis auf Platz 23 äußern wollte.

Viel zuversichtlicher verließen die deutschen Eissprinter das Utah Olympic Oval. „Das war viel mehr, als wir erwarten durften. Ich bin absolut happy“, meinte Nico Ihle, nachdem er drei deutsche Rekorde verbucht und mit Platz zehn seine beste WM-Platzierung von 2011 wiederholte hatte. In 34,87 und 34,64 Sekunden drückte der Chemnitzer zweimal die nationale Bestmarke über 500 Meter, die ihm sein Bruder Denny im Familienduell erst eine Woche zuvor entrissen hatte. „Er hat gleich reagiert. 'Hauptsache der Rekord bleibt in der Familie' hat er mir geschrieben“, berichtete der 27-jährige Sachse.

Via Facebook hatte Denny gepostet: „Jetzt bin ich aber dran und dann pushen wir uns bis zum Weltrekord.“ Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg: Seit 2007 steht die Marke des Kanadiers Jeremy Wotherspoon bei 34,03 Sekunden. Da Nico aber nach dem Saisonabbruch im Vorwinter wegen einer Schambein-Entzündung auch über 1000 Meter alte Leistungsfähigkeit erreicht hat, war der neue Vierkampf-Rekord mit 137,945 Punkten eine logische Zugabe. Als erster Deutscher unterbot er die 138-Punkte-Marke und verbesserte seinen Rekord aus dem Vorjahr gleich um rund 1,4 Zähler.

Gemeinsam mit Weltcupsieger Samuel Schwarz bilden die sprintenden Ihle-Brothers unter Coach Klaus Ebert eine starke Trainingsgruppe, die sich beständig zu neuen Bestleistungen vorantreibt. „Wir sind eine Super-Truppe und freuen uns, dass wir nun für das kommende Jahr den dritten WM-Startplatz erkämpft haben. Damit kann Denny künftig auch bei der WM dabei sein“, meinte Bruder Nico.

Wie hoch der Anspruch bei Samuel Schwarz inzwischen ist, zeigt die Tatsache, dass er sich wegen eine kleinen Wacklers in der Kurve über Platz acht im zweiten 1000-Meter-Rennen nicht freuen konnte. „Da war viel mehr drin, wir hätten locker beide in die Top Ten laufen können“, bedauerte der Berliner. Tags zuvor hatte er in 1:07,86 Minuten den deutschen Rekord verbessert und war am Sonntag über 500 Meter erstmals unter 35 Sekunden geblieben (34,93). Mit Rang elf reichte es zur besten WM-Platzierung seiner Karriere.

Beide Titel in Salt Lake City erkämpften frühere Inline-Skater. Michel Mulder, im Vorjahr noch Titelträger auf Rollen, holte das fünfte Sprint-WM-Gold für die Niederländer. Die achtmalige Inline-Titelträgerin Heather Richardson aus den USA landete ihren ersten WM-Coup dank ihrer überragenden 1000-Meter-Leistungen. Mit 136,790 Punkten stellte Mulder ebenso einen Weltrekord auf wie Richardson, die mit 148,015 Zählern der Chinesin Yu Jing Titel und Rekord entriss.

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