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Eisschnelllauf: Kritik an langer Pause vor der EM

Uhr | Aktualisiert 14.01.2013 16:56 Uhr
Stephanie Beckert zeigte Unverständnis für die Verlegung der deutschen Meisterschaften. (FOTO: DPA) 
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Die Felder waren klein, die Ränge meist leer. Dank der deutschen Eisschnelllauf-Titelkämpfe im Winter hatten die nationalen Asse früher vor den Europameisterschaften immer einen Wettkampf. Doch 2012 gab es keine deutsche Meisterschaft im Dezember. Die Konkurrenz tritt vor der EM an und wirkt so besser vorbereitet.
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Heerenveen/dpa. 

Die Felder waren klein, die Ränge meist leer. Dank der deutschen Eisschnelllauf-Titelkämpfe im Winter hatten die nationalen Asse früher vor den Europameisterschaften aber einen Wettkampf. Die Konkurrenz tritt vor der EM an und wirkt so besser vorbereitet.

Die Niederländer tun es, die Russen tun es auch - die deutschen Eisschnellläufer lassen es mittlerweile lieber. Weil die nationalen Meisterschaften in Mehrkampf und Sprint zwischen Weihnachten und Neujahr immer unbeliebter bei den Athleten wurden und kaum Zuschauer anlockten, gibt es sie nicht mehr - womöglich ein Grund für das wenig erbauliche Abschneiden bei der EM am Wochenende.

Stattdessen werden nun lange vor den traditionellen Einzelstrecken-Titelkämpfen Vielseitigkeitsmeister im Sommer ermittelt. Sehr zur Verwunderung von Olympiasiegerin Stephanie Beckert, die der wettkampferprobten Konkurrenz aus dem Ausland in Heerenveen hinterher lief. Über deutsche Meisterschaften bei Badewetter wundert sich die Thüringerin: «Was man sich dabei gedacht hat - keine Ahnung.» Mit einer Portion Fatalismus fügt Beckert hinzu: «Wenn der Verband das so plant, laufen wir eben im Sommer.»

Claudia Pechstein hat Erfahrung mit den einstigen Treffen der nationalen Spitzen Ende Dezember gesammelt, manchmal noch auf der alten Freiluftbahn im verschneiten Inzell. Die 40-jährige Medaillensammlerin sagte nach dem siebten Platz bei der EM und ungewohnt hinteren Rängen auf den Langstrecken: «Ich finde es auch nicht gut, dass es zwischen Weihnachten und Neujahr keine deutschen Meisterschaften gibt.»

Die Trainer seien offenbar der Meinung, ihre Schützlinge würden dann zu viele Wettkämpfe während der langen Saison absolvieren. Die Einzelstrecken-WM, als Saisonhöhepunkt auch wichtig für die weitere finanzielle Förderung, finden erst Mitte März statt. Vom bislang letzten Weltcup Anfang Dezember bis zur EM gab es eine verdiente Pause - die mit sechs Wochen aber womöglich zu lang war.

Der zweite EM-Titel für Weltmeisterin Ireen Wüst könnte am anderen Aufbau liegen. Die Niederländerin absolvierte bei den nationalen Meisterschaften vor Silvester einen vollen Mehrkampf, in dem sie noch überraschend der sonstigen Shorttrackerin Jorien ter Mors unterlag. Eine Woche später fanden die Ausscheidungen für die Sprint-WM statt.

«Eine bessere Vorbereitung kannst Du nicht haben», sagte Bundestrainer Stephan Gneupel bei der EM mit Blick auf das andere Wettkampfsystem von Niederländern und Russen. «Aber dafür tun die sich anschließend oft schwer, das muss man sehen», gab Gneupel zu bedenken. Beckert bezeichnete die EM angesichts der nun folgenden einmonatigen Pause bis zum nächsten Weltcup in Inzell nur als Zwischenstation. Abgerechnet wird bei der Olympia-Generalprobe in Sotschi, doch schon beim Weltcup in Inzell soll die Form stimmen.

Die WM ist auch für Moritz Geisreiter wichtiger, denn noch ist der EM-Achte und neue deutsche Vierkampf-Rekordler mehr auf die Einzelstrecken fixiert. «Ich nehme den Mehrkampf als Bonus und finde es okay, so wie es jetzt ist», sagte der Inzeller. Er räumte aber ein, dass er als Top-Mehrkämpfer womöglich eine andere Sicht hätte.