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Eisschnelllauf: Deutschland sucht den Super-Sprinter

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Jenny Wolf ist nicht mehr in der Form der vergangenen Jahre. (FOTO: DPA)

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Anni Friesinger, Monique Garbrecht, Franziska Schenk, Karin Kania, Christa Rothenburger und Erhard Keller - 40 Jahre lang bestimmten die deutschen Eisschnellläufer das Geschehen bei Sprint-Weltmeisterschaften maßgeblich mit. Doch seit zwei Jahren herrscht Ebbe.
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Salt Lake City/dpa. 

Anni Friesinger, Monique Garbrecht, Franziska Schenk, Karin Kania, Christa Rothenburger und Erhard Keller - 40 Jahre lang bestimmten die deutschen Eisschnellläufer das Geschehen bei Sprint-Weltmeisterschaften maßgeblich mit.

42 Medaillen, darunter 19 Titel, markierten die Vorrangstellung der Deutschen aus Ost und West über Jahrzehnte. Doch seit zwei Jahren herrscht Ebbe.

«Wir haben keinen Supersprinter mehr, der alle vier Strecken gleichermaßen konstant laufen kann. Daher sind unsere Erwartungen recht gering», meinte Cheftrainer Markus Eicher vor dem 44. Titelkampf am Wochenende im Utah Olympic Oval von Salt Lake City. Für sein Quintett geht es nur um gute Zeiten mit Blick auf den Saison-Höhepunkt, die Einzelstrecken-WM Ende März in Sotschi.

Derzeit zieht ein Tiefdruckgebiet mit Eisregen und Schnee über den Großen Salzsee, so dass die Experten auf der 1423 Meter hoch gelegenen Olympia-Bahn schnelle Zeiten und sogar Weltrekorde erwarten. Die Deutschen backen da kleinere Brötchen, obwohl mit Samuel Schwarz endlich auch wieder mal im Herrenbereich ein Deutscher beständig in die Top Ten läuft und in dieser Saison bereits viermal über 1000 Meter auf das Siegerpodest sprintete. «50 Prozent der Strecken beherrsche ich, da kann ich ganz vorn mithalten. Ich muss mich nur auf mich selbst konzentrieren und den Druck abprallen lassen», schätzte der Sportsoldat aus Berlin ein.

Über 1000 Meter will der 29-Jährige wieder das Treppchen stürmen und den deutschen Rekord angreifen, den er erst vor knapp einer Woche in Calgary wieder in seinen Besitz brachte. Im Sprint-Mehrkampf mit je zweimal 500 und 1000 Meter aber ist das Podium außer Reichweite. Letzter deutscher Eissprinter auf dem WM-Siegerpodest war mit Silber der Berliner Olympiasieger Jens-Uwe Mey im Jahr 1991. Danach konnten die Herren nie mehr den deutschen Damen das Wasser reichen, die beständig Titel und Edelmetall mit nach Hause brachten.

Die letzte deutsche Medaille aber liegt nun drei Jahre zurück. Bronze holte damals Jenny Wolf, die in Salt Lake zum 14. mal eine Sprint-WM in Angriff nimmt und 2008 in Heerenveen sogar den Titel holte. Wenige Tage vor ihrem 34. Geburtstag war sie über die Weltcup-Ränge sechs und acht in Calgary total enttäuscht und versucht nun, diese Scharte auszumerzen. «Mein Fokus liegt auf den 500 Metern. Da will ich an meine Leistungen aus der ersten Saisonhälfte und meine Trainingszeiten anknüpfen. Bei den 1000 Metern will ich nur sehen, dass ich irgendwie durchkomme», sagte die Berlinerin. «Die 1000 Meter sind bei ihr immer eine Wundertüte», konstatierte Eicher die umgekehrte Strecken-Situation wie bei Schwarz. Ein Sprint-Allrounder ist für den Cheftrainer derzeit weit und breit nicht in Sicht.

Die besten Zeiten der insgesamt fünfmaligen Weltmeisterin Wolf scheinen vorbei, nach Sotschi 2014 wird sie ihre Karriere beenden. Über 500 Meter ist gegen Olympiasiegerin Lee Sang-Hwa derzeit kein Kraut gewachsen. In Calgary drückte die Südkoreanerin den Weltrekord auf 36,80 Sekunden. Klare Favoritin im Sprint-Vierkampf ist aber die Amerikanerin Heather Richardson, die auf ihrer Hausbahn unbedingt auch den 1000-Meter-Weltrekord attackieren will.

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