Vorlesen

Eishockey: Torreiches Wochenende

Uhr
Die Eishockeyfans in Düsseldorf und Nürnberg sind tortechnisch am Sonntag voll auf ihre Kosten gekommen. (FOTO: DPA) 
Von
Die Eishockeyfans in Düsseldorf und Nürnberg sind am Sonntag voll auf ihre Kosten gekommen. Die Trainer verfolgten die Spektakel allerdings mit Grauen.
Drucken per Mail
Düsseldorf/Nürnberg/sid. 

Bei dem munteren Scheibenschießen verlor selbst Jeff Tomlinson völlig die Orientierung. Er sei selbst „nach einer Niederlage“ noch nie so enttäuscht gewesen, sagte der Trainer der Nürnberg Ice Tigers - dabei hatte sein Team gerade mit 7:6 gegen die Iserlohn Roosters gewonnen. Mit dem gleichen Ergebnis setzte sich vier Stunden später im zweiten Torfestival des 22. DEL-Spieltags auch die Düsseldorfer EG gegen die Straubing Tigers durch.

Während die Herzen der Eishockeyfans mit jedem Treffer höher schlugen, gingen den Trainern die bislang torreichsten Saisonspiele mächtig an die Nieren. „Das Spiel hätte auch 15:13 ausgehen können. Das war vielleicht für die Zuschauer schön, aber für uns Trainer war das ein Albtraum“, sagte ein sichtlich erschöpfter Tomlinson: „Man sieht gerne offensives und schönes Eishockey, aber das waren teilweise katastrophale Fehler in der Abwehr.“

Das konnte sein Gegenüber, Roosters-Coach Doug Mason, nur unterstreichen. Für die Fans sei die abwechslungs- und torreiche Partie vor 3922 Zuschauern vielleicht „ein Traum“ gewesen, „aber für Jeff und mich war das heute kein Traumspiel“, sagte der 57-Jährige und kritisierte ebenfalls die Defensivarbeit seines Teams. Bei einigen wurden Erinnerungen an den noch immer bestehenden DEL-Torrekord aus dem Jahr 2007 wach, als sich Iserlohn und Nürnberg mit 9:10 trennten. Doch auch die 13 Tore am Sonntag sorgten für Nervenkitzel, den sich die Spieler gerne erspart hätten.

„Mit sechs Gegentreffern gewinnst du nur wenig Spiele. Das war jedenfalls nicht die Art, wie wir Eishockey spielen wollen“, sagte Nürnbergs Verteidiger und Zweifachtorschütze Casey Borer. Auch in Düsseldorf verzückte die Torflut eigentlich nur die Fans. Die lediglich 3643 Zuschauer hatten ihr Kommen mit Sicherheit nicht bereut, und sie bewiesen zudem ein feines Gespür.

Nach der Schlusssirene forderten sie ausgerechnet Torhüter Felix Bick zum Solotanz vor der Fantribüne auf. Der 20-Jährige, eigentlich Ersatz-Goalie von Robert Goepfert, hatte bei seiner Bewährungschance einen undankbaren Tag erwischt, da die Straubinger gerade in den ersten beiden Dritteln viel Druck ausgeübt hatten.

Nach dem sechsten Gegentreffer (38.) musste Bick für Goepfert vom Eis. DEG-Trainer Christian Brittig nahm seinen Torwart jedoch in Schutz: „Für Felix tut es mir leid. Er hatte es schwer gegen so einen starke Gegner.“ Wegen des Tor-Spektakels muss ein DEG-Sponsor nun etwas tiefer in die Tasche greifen. Er hatte vor dem Spiel bei einem Düsseldorfer Sieg pro Tor 100 Euro für die Mannschaftskasse ausgelobt. Trainer Brittig wäre es vielleicht ganz recht, wenn das Geld bei Gegentreffern künftig wieder abgezogen wird.