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Eishockey: Haie mischen DEL auf

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Drei Schweden, ein höherer Etat, mehr Zuschauer und das Zufallsschnäppchen des Jahres: Nach einem höchst erfolgreichen Umbau mischen die Kölner Haie derzeit die Deutschen Eishockey Liga (DEL) auf.
Köln/dpa. 

Am Freitag empfängt der Tabellenführer die Adler Mannheim zum Spitzenspiel. Bei einem Sieg könnte das Team von Ex-Bundestrainer Uwe Krupp bis auf sechs Zähler davonziehen. Die großen Hoffnungen der KEC-Fans ruhen dabei vor allem auf drei Neuzugängen aus Skandinavien - und auch auf einem Slowenen, der nur durch einen kuriosen Zufall überhaupt im Kader der Haie gelandet ist.

Ales Kranjc besuchte im Sommer seine Freundin etwas außerhalb von Köln. Dort traf er in einem Fitnessstudio einen Nachwuchsspieler der Kölner, der den Abwehrspieler aus Jesenice kurzerhand mit in die Trainingshalle der Kölnarena 2 nahm. Dort durfte Kranjc sofort im Krupp-Team mitmachen und erhielt probeweise einen sogenannten Try-Out-Vertrag, welchen der Club schnell in eine Festanstellung umwandelte.

Heute ist der 31-Jährige mit den harten Schlagschüssen fester Bestandteil der Kölner Hintermannschaft, vier Tore und sechs Vorlagen gingen bereits auf sein Konto. Zuletzt fand sich selbst der deutsche Auswahlspieler Kevin Lavallée öfter auf der Tribüne wieder.

Das aktuelle Team der Kölner Haie hat mit dem aus dem Vorjahr insgesamt wenig zu tun. Gleich sieben neue Ausländer verpflichtete Trainer und Manager Krupp - dem höheren Etat sei Dank. Die neuen Importspieler schlugen allesamt ein, in erster Linie drei Schweden: Andreas Holmqvist und Daniel Tjärnqvist haben der Defensive ganz neue Qualität verliehen. Andreas Falk bildet mit den beiden kanadischen Stürmern Chris Minard und Nathan Robinson die neue Topreihe der Haie.

«Wir haben jetzt eine richtig gute Mannschaft», meint der deutsche Nationalspieler Philipp Gogulla, der am Rhein auch schon andere Zeiten erlebt hatte. Nach Jahren des Mittelmaßes stürmen die Haie in dieser Spielzeit bislang vorneweg, starteten mit sieben Siegen in die ersten sieben DEL-Partien und verpassten den Rekord des EV Landshut aus dem Jahr 1995 mit acht Erfolgen zum Auftakt nur ganz knapp. «Jeder kämpft für den anderen, wir geben nie auf», sagte Gogulla.

Die neuen Ausländer, die dank eines höheren Personaletats von schätzungsweise mehreren Hunderttausend Euro («Mein Taschenrechner wirft exakt 11,07 Prozent mehr aus als letztes Jahr», sagte Geschäftsführer Thomas Eichin) in die Domstadt gelockt werden konnten, tragen ihren Teil dazu bei. Im Gegensatz zur Konkurrenz verzichtet Köln sogar auf Stars aus der Nordamerika-Liga NHL.

Vor allem auf dem eigenen Eis sind die Haie nicht zu bezwingen, alle fünf Heimspiele wurden gewonnen. Der Besucherschnitt stieg um 2500 auf beachtliche 13 000 Fans. Trotz der positiven Stimmung in Köln bleibt Stanley-Cup-Sieger Krupp aber bescheiden.

«Unser Ziel lautet direkte Qualifikation für die Playoffs», sagte die Kölner Legende - dies hieße mindestens Rang sechs nach der Vorrunde. «Aber natürlich wollen wir auch gerne Meister werden», fügte Krupp hinzu.

Eine eventuelle Doppelfunktion Krupps beim Nationalteam stand bei seinem Chef Eichin übrigens nicht zur Diskussion. «Wir haben hier in Köln Großes vor, da gilt die Konzentration dem Club», meinte er. Eichin ist glücklich über die unerwarteten 25 Punkte, «denn wenn wir mal ein Tief haben, verfügen wir über ein Polster». Wie schnell es gehen kann, erlebten die Kölner am vorigen Sonntag: Zwei Tage nach dem grandiosen 6:5 in Berlin gab es in Ingolstadt eine 3:6-Pleite.

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