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Eishockey: «Es wird Zeit für Abwechslung»

Uhr | Aktualisiert 27.12.2012 22:00 Uhr
Daniel Mischner, Benjamin Thiede und Tilo Lautenschläger (v. l.) beim MZ-Gespräch. (FOTO: ECKEHARD SCHULZ) 
Das Eishockey-Spiel der Saale Bulls gegen die Icefighters aus Leipzig ist der Höhepunkt der Vorrunde in der Oberliga. Gleichwohl einer der wenigen Höhepunkte, denn eigentlich sind die Hallenser viel zu stark und werden nur selten gefordert. Gottfried Schalow mit dem Saale-Bulls-Präsidenten Daniel Mischner, dem Mannschaftskapitän Benjamin Thiede und Tilo Lautenschläger vom Fanclub Dölbau.
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Halle (Saale)/MZ. 

Freitag ist Derby-Zeit. Das Eishockey-Spiel der Saale Bulls gegen die Icefighters aus Leipzig ist der Höhepunkt der Vorrunde in der Oberliga. Gleichwohl einer der wenigen Höhepunkte, die die Spielklasse zu bieten hat. Denn eigentlich sind die Hallenser viel zu stark und werden in der Liga nur selten gefordert. Darüber sprach Gottfried Schalow mit dem Saale-Bulls-Präsidenten Daniel Mischner, dem Mannschaftskapitän Benjamin Thiede und Tilo Lautenschläger, dem zweiten Chef vom Fanclub Dölbau.

Meine Herren, was ist das Besondere an diesem Derby?

Lautenschläger: Für uns ist das das Spiel des Jahres. Wir treffen uns schon um 12 Uhr auf dem Parkplatz vor der Eissporthalle, fangen an zu grillen und bringen uns dann langsam in Stimmung für das Spiel. Am Abend wollen wir natürlich einen Sieg feiern, an einer Niederlage hätten wir wochenlang zu kauen.

Thiede: Halle gegen Leipzig, das ist wie Dortmund gegen Schalke. Da ist die Halle voll, da sind jede Menge Emotionen im Spiel. Auch Leipzig ist gegen uns immer besonders motiviert, egal, wie gut die in der Tabelle gerade stehen. Ich freue mich auf dieses Spiel.

Die Saale Bulls haben aktuell 16 Punkte Vorsprung. Es gehört nicht viel Fantasie dazu, dass die Meisterschaft eigentlich schon perfekt ist. Wirklich spannend ist die Saison nicht gerade.

Thiede: Der riesige Vorsprung täuscht aber auch. Die Liga ist trotzdem stärker geworden. Wir merken das vor allem in Auswärtsspielen. Für Schönheide oder Niesky sind Spiele gegen die Saale Bulls jedes Mal der Höhepunkt des Jahres vor vollen Hallen. Da wird uns nichts geschenkt. Dass wir einen so großen Vorsprung haben, liegt auch daran, dass sich alle anderen Mannschaften die Punkte gegenseitig abnehmen.

Mischner: Wir haben oft genug erlebt, dass wir sofort in Schwierigkeiten kommen, wenn wir nicht hochkonzentriert in jedes Spiel gehen. Auch ich sehe die Liga nicht als Selbstläufer.

Lautenschläger: Trotzdem kann von wirklicher Spannung nicht die Rede sein. Ich ertappe mich manchmal dabei, dass ich nach dem Spiel gar nicht weiß, wie wir eigentlich gespielt haben. Auch fährt man nicht mehr zu allen Auswärtsspielen. Inzwischen haben wie genügend Freiluftspiele in Niesky gesehen, den Glühwein in Jonsdorf oder die Nudeln in Schönheide ausprobiert. Es wird Zeit für Abwechslung, für eine Neuordnung des Liga-Betriebes. Im Prinzip warten wir alle ungeduldig darauf, dass endlich die Playoff-Spiele beginnen.

Damit wären wir bei Strukturproblemen des deutschen Eishockeys. Die beginnen mit verschwommenen oder komplett fehlenden Auf- und Abstiegsregelungen, gerade in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).

Mischner: Da gibt es ja immer mal ein paar hoffnungsvoll stimmende Signale aus der Eishockey-Zentrale in München. Aber so lange nichts schwarz auf weiß formuliert ist, können wir damit auch nicht planen. Vielleicht schaffen es ja die Fans, da etwas zu bewegen. Zumindest kamen nach der letzten Fan-Demonstration während des Deutschland-Cups in München, an der Vertreter von Fanclubs aus ganz Deutschland beteiligt waren, so viele gut klingende Ideen wie seit Jahren nicht mehr.

Am 11. und 13. Januar gibt es die Finalspiele um den Ligapokal, vermutlich gegen Erfurt. Halle kann da zum vierten Mal in Serie den Pokal gewinnen. Doch das Problem war dort noch eklatanter. Die Vorrunde war mit vielen zweistelligen Ergebnissen sportlich weitgehend unbefriedigend.

Mischner: Über den Modus der Pokal-Vorrunde lässt sich ja nachdenken, tatsächlich wurde er ja eigentlich auch jedes Jahr verändert. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass der Ligapokal auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist. Wir, also nicht nur die Saale Bulls, sondern auch die anderen Vereine, brauchen einfach noch ein paar zusätzliche Spiele, um unsere Hallen auszulasten.

Wären da nicht andere Möglichkeiten sinnvoller, die Fans mit ein paar außergewöhnlichen Spielen zu verwöhnen, so wie das Freundschaftsspiel gegen den Kooperationspartner Hannover Scorpions, das es nun schon zwei Mal jeweils zu Saisonbeginn gab?

Lautenschläger: Früher gab es um den Jahreswechsel doch fast immer Spiele gegen kanadische Mannschaften. Wir würden uns auch über ein Spiel gegen eine Mannschaft aus der tschechischen Liga freuen.

Mischner: Wenn sich die Möglichkeit dazu ergibt, werden wir immer versuchen, das hinzubekommen. Aber das ist auch schwierig, weil der Terminkalender so schon äußerst eng ist. Es war schon nicht einfach, einen neuen Termin für das am Totensonntag ausgefallene Spiel gegen Preussen Berlin zu finden, das nun am 30. Dezember nachgeholt wird.

Wo sind noch Reserven, um die Spiele in der Volksbank-Arena rundherum attraktiver und interessanter zu machen?

Mischner: Wir haben da ja schon eine Menge gemacht in den letzten Jahren. Wir haben wieder eine Cheerleader-Gruppe und seit dieser Saison auch einen großen Videowürfel. Wir sind aber jederzeit für neue Ideen offen.

Thiede: In Halle wird rund um das Spiel schon mit Abstand das meiste geboten. Allein der Einmarsch der Mannschaften ist Gänsehaut-Atmosphäre. Das gibt es in anderen Hallen nicht einmal ansatzweise.

Das Spiel gegen die Icefighters aus Leipzig beginnt Freitag um 20 Uhr in der Volksbank-Arena.

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