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Boxen: Felix Sturm verliert Weltmeister-Titel

Uhr | Aktualisiert 02.09.2012 21:29 Uhr
Der WBA-Weltmeister im Mittelgewicht, Felix Sturm (l.), und sein australischer Herausforderer und IBF-Weltmeister, Daniel Geale (FOTO: DPA) 
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Profiboxer Felix Sturm hat seinen Titel als WBA-Superweltmeister im Mittelgewicht verloren. Der 33 Jahre alte Kölner unterlag Samstagnacht in Oberhausen dem australischen IBF-Weltmeister Daniel Geale nach Punkten.
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OBERHAUSEN/MZ. 

Es war gebrüllt worden, im Ring und drumherum. Jubel war aufgebrandet, wenn Fäuste ins Ziel trafen. Der Australier Daniel Geale war mit Pfiffen bedacht, der Kölner Felix Sturm angefeuert worden. "Ado, Ado" riefen die Zuschauer am späten Samstagabend in der Arena Oberhausen in Anlehnung an Sturms bürgerlichen Namen Adnan Catic. Aber jetzt herrscht Stille. So absolut, dass das menschliche Gehör ähnlich irritiert darauf reagiert wie auf überbordenden Krach.

Keine K.o.-Schläger

WBA-Superchampion Sturm und IBF-Weltmeister Geale hatten sich ein rasantes, verbissenes, technisch formidables Duell geliefert. Hochklassiges Boxen war das, spannend bis zur letzten Sekunde, so spannend, dass jetzt niemand wagt, ein Ergebnis zu prognostizieren. In atemloser Stille wird auf die Urteilsverkündung gewartet. Würde Sturm, 33 Jahre alt, arrivierter Weltmeister, seit 2006 ungeschlagen, seinen Titel verteidigen?

Von der ersten Runde an boten die beiden Mittelgewichtler den rund 12 000 Zuschauern in Oberhausen ein ausgeglichenes Duell. K.o.-Schläger sind beide Boxer nicht, es war klar, dass Technik und Aktivität entscheiden mussten. Doch jetzt steht Sturm mit hängenden Armen da, die Nase wund geschlagen, den Schwellungen und Blutergüssen in seinem Gesicht kann man beim Wachsen zusehen.

Die Punktrichter werten den Kampf mit 2:1 (116:112, 112:116, 112:116) für den Australier, der sich damit nach seinem Sieg über Sebastian Sylvester im Mai 2011 zum zweiten Mal einen Titel in Deutschland holen konnte. Das spricht für seine Klasse. Das Duell Sturm gegen Geale hätte, zumal in Deutschland, auch unentschieden gewertet werden können, ohne als Fehlurteil zu gelten.

Felix Sturm trug das Urteil mit größtmöglichem Anstand, noch im Ring sagte er: "Das ist Boxen, das muss man akzeptieren, ein Fehlurteil war das nicht." Geale habe mehr geschlagen, er selbst habe klarer getroffen, das könne man eben so oder so werten. Sturm hatte gut geboxt, sein einziger Fehler war, so formulierte es Trainer Fritz Sdunek: "Felix hat Geale zu oft die Chance gegeben, auf ihm herumzuklopfen."

Am Dienstag soll der Sohn bosnischer Eltern in Sarajevo als Persönlichkeit des Jahres ausgezeichnet werden. Er wäre dort lieber als Weltmeister erschienen. Trotzdem war er abgeklärt genug, um zuzugeben: "Es war ein toller Kampf, es war der Kampf, den ich wollte - auch wenn es leider kein Happy End für mich gab."

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