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Boxen: Brähmer ist neuer Europameister

Uhr | Aktualisiert 03.02.2013 17:33 Uhr

Jürgen Brähmer (rechts) posiert nach seinem Punkt-Sieg zusammen mit Trainer Karsten Röwer. (FOTO: DPA)

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Brähmer gewinnt und steht vor einem WM-Kampf, Sturm verliert und verpasst die erneute Titelchance im Profiboxen. Die beiden Ex-Champions erlebten am Wochenende Gegensätzliches. Gemeinsamkeiten gab es jedoch nach beiden Duellen: Verschwörungstheorien.
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Düsseldorf/Berlin/dpa. 

Der eine deutsche Ex-Weltmeister steht vor dem Aufstieg, der andere Ex-Champion vor dem Abstieg. Profiboxer Jürgen Brähmer hat am Samstag in Berlin seinem Stallgefährten Eduard Gutknecht mit einem Punktsieg den Europameisterschaftstitel im Halbschwergewicht abgeknöpft und sich damit seine vielleicht letzte Chance auf einen WM-Kampf gesichert.

Für den ebenfalls 34 Jahre alten ehemaligen Mittelgewichts-Weltmeister Felix Sturm ist dagegen eine Rückkehr auf den WM-Thron in weite Ferne gerückt. Er unterlag in einem WM-Ausscheid in Düsseldorf dem Australier Sam Soliman einstimmig nach Punkten und steht vor einer ungewissen Zukunft.

Herausforderer Brähmer prügelte sich förmlich zum Titel. Die Schlägerei mit Haken und Ösen war sogar mit Catcheinlagen gespickt. Beide Boxer des Sauerland-Stalls sahen am Sonntag früh im Gesicht so gezeichnet aus, als hätten sie einen mittelschweren Autounfall hinter sich. Brähmers Cut an der rechten Augenbraue wurde noch in der Max-Schmeling-Halle genäht. Sein Sieg war knapp, aber verdient.

Gutknechts Trainer Ulli Wegner vermutete, dass hinter dem Brähmer-Sieg Stallorder steckt. Nur durch einen K.o.-Sieg hätte sein Schützling gewinnen können, meinte der 70-Jährige. Er forderte seinen Boxer während des Gefechts auf: „Du musst kämpfen und zeigen, dass hier beschissen wird.“ Promoter Kalle Sauerland versuchte die Wogen zu glätten: „Vielleicht sollte Ulli darüber eine Nacht schlafen.“ Auch Verlierer Gutknecht schlug in die Wegner-Kerbe. „Den Sieg bekam der mit dem größeren Namen“, sagte der Gifhorner noch im Ring.

Brähmer wird seinen EM-Titel vermutlich noch einmal verteidigen, dann steht das Duell gegen den voraussichtlich alten und neuen WBO-Weltmeister Nathan Cleverly aus Großbritannien an. Trainer Karsten Röwer muss den Schweriner dafür in bessere Form bringen, denn derzeit würde er gegen den unbesiegten Waliser auf verlorenem Posten stehen. „Jürgen waren die zehn Monate Pause natürlich anzumerken“, meinte Röwer.

„Jürgen ist erst bei 70 Prozent“, ergänzte Sauerland. Ähnlich sauer wie das Duo Wegner/Gutknecht war Sturm. Er sah sich trotz der einstimmigen Punktniederlage als Sieger. „Ich hätte gewinnen müssen. Ich habe die klareren Treffer gesetzt“, beteuerte er. Von der vierten Runde an hatte er das Boxen jedoch weitgehend eingestellt und dem wild schlagenden, boxerisch limitierten Australier überraschend das Feld überlassen.

Wie schon einmal witterte Sturm erneut Betrug und Verschwörung. Die Punktevergabe wertete er als „Anzeichen, dass man gegen mich arbeitet und man mich auf keinen Fall mehr nach oben kommen lassen möchte“. Der ehemalige WBA-Superchampion sieht sich als Opfer der Weltverbände. Mit der WBA hatte er bereits abgeschlossen, nun legt er sich mit der IBF an.

Ob er tatsächlich ins nächsthöhere Supermittelgewicht wechseln wird, wie er unmittelbar nach dem Kampf andeutete, ist unklar. „Das ist nur eine Idee von mir gewesen“, sagte er 24 Stunden später dem TV-Sender Sky. Obwohl die Rivalen in der Arthur-Abraham-Klasse noch schlagstärker als in seinem jetzigen Limit sind, meinte Sturm: „Ich habe die Power für das Supermittelgewicht.“

Er wolle schließlich wieder Weltmeister werden, sagte Sturm. Wo und wie das passieren könnte, weiß aber keiner. Der selbstständige Box-Unternehmer braucht jedoch möglichst Titelkämpfe, um seinen TV-Partner Sat.1 bei Laune zu halten.

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