Vorlesen

Boxen: Abraham gibt sich geläutert

Uhr | Aktualisiert 14.12.2012 17:25 Uhr
Arthur Abraham stellt sich auf einen starken Gegner ein. (FOTO: DPA) 
Von
Arthur Abraham war ganz oben, doch dann drohte ihm das Aus. Im Herbst seiner Karriere präsentiert sich der Weltmeister vor dem Kampf gegen Mehdi Bouadla als gereifter Champion.
Drucken per Mail
Nürnberg/sid. 

Arthur Abraham war für einen Moment sprachlos - das kommt nicht oft vor. Aber ein Lob seines knurrigen Trainers Ulli Wegner noch viel seltener. „Das kenne ich normalerweise gar nicht. Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, meinte der Box-Weltmeister, nachdem ihm der sonst so strenge Wegner applaudiert hatte.

„Ich muss wirklich sagen, dass sich Arthur voll ins Training reingekniet hat“, sagte, oder besser krächzte der 70-Jährige vor der Titelverteidigung gegen den Franzosen Mehdi Bouadla (22.15 Uhr/ARD). Wegner ist ja immer heiser: „Er hat's jetzt begriffen. Arthur hat sehr konzentriert gearbeitet. Man spürt, dass er aus den Erfahrungen gelernt und sich als Sportler entwickelt hat.“

An der Klasse des Arthur Abraham gab es im Laufe seiner Karriere nur wenige Zweifel. Der 32 Jahre alte gebürtige Armenier ist ein echter Puncher, der seinen Gegner mit einem einzigen Schlag die Lichter ausknipsen kann. Die Fans lieben solche Boxer. Doch die Einstellung des Weltmeisters im Supermittelgewicht nach Version der WBO war eines echten Champions oft unwürdig.

Denn „Biene“ Abraham machte viel zu oft Honig. Er umschmeichelte seinen Trainer, lullte ihn ein und drückte sich, wenn es begann, richtig weh zu tun. „Arthur hatte zeitweise nicht die nötige Hingabe für den Sport. Er war sich manchmal seiner Sache einfach zu sicher“, sagte Wegner über seinen Schützling mit der Schwäche für schnelle Autos und leckere Bratkartoffeln.

Abraham lebte ein bisschen zu ausgelassen das süße Leben eines Weltmeisters, der in seiner Heimat ein Volksheld ist und wohl Präsident werden könnte, wenn er denn wollte. Und so setzte der Mann, der zwischen 2005 und 2009 das Mittelgewicht beherrschte und als „Blut-Boxer“ Anerkennung fand, seine Karriere aufs Spiel. Seinen Trainer, für den „Boxen Willen und nüscht anderes ist“, trieb er mit der laschen Einstellung zur Verzweiflung.

Doch in den Tagen vor seinem 39. Profikampf präsentiert sich Abraham als gereifter Hallodri: „Als ich noch jünger war, hatte ich auch mal andere Sachen im Kopf“, sagte Abraham, „aber umso erfahrener man wird, desto besser versucht man diese Dinge zu machen und weiß, wie ernst der Leistungssport sein kann.“

Zehnmal hatte er seinen Titel im Mittelgewicht verteidigt, ehe er 2009 in die nächst höhere Klasse bis 76,203 Kilogramm wechselte und beim Super-Six-Turnier drei bittere Niederlagen kassierte. Danach stand er vor dem Aus. Doch nach zwei gewonnenen Aufbaukämpfen sicherte sich Abraham im August mit einem Punktsieg über Robert Stieglitz seinen Gürtel im Supermittelgewicht.

Mit der Titelverteidigung gegen Bouadla beginnt für Abraham die letzte Phase seiner Karriere. Jetzt soll, muss alles besser werden. „Ich glaube fest daran, dass der Knoten bei Arthur wieder geplatzt ist und er noch einige erfolgreiche Jahre vor sich hat“, sagte sein Promoter Kalle Sauerland. Und Abraham meint: „Ich will noch lange Weltmeister bleiben.“ Dann gibt es bestimmt auch noch öfter ein Lob von seinem knurrigen Trainer.

Auch interessant