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Bob: Schneiderheinze greift in St. Moritz nach WM-Medaille

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Anja Schneiderheinze jagt mit Anschieberin Lisette Thöne durch den Eiskanal von St. Moritz. (FOTO: DPA) 
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Im Ziel fielen sich Anja Schneiderheinze und ihre Mutter Monika freudestrahlend in die Arme. Die Pilotin hat zum Auftakt der Bob-WM in St. Moritz nicht nur ihren Anspruch auf eine Medaille untermauert, sondern auch ihrer Mutter eine ganz besondere Freude gemacht.
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ST. MORITZ/sid.

„Meine Mutti hat heute Geburtstag, das war ein kleines Geschenk von mir“, sagte die 34-Jährige aus Erfurt. Die Extra-Motivation schien Schneiderheinze auf der weltweit einzigen Natureisbahn zu beflügeln.

Dank Bahnrekord im zweiten Lauf schob sich die EM-Zweite mit Anschieberin Lisette Thöne vom dritten auf den zweiten Platz vor. Selbst Gold ist bei den beiden finalen Durchgängen am Samstag noch in Reichweite. Ihr Rückstand auf die in Führung liegende Olympiasiegerin Kaillie Humphries aus Kanada schmolz von 19 auf 12 Hundertstelsekunden. „Ich bin erleichtert, dass ich den zweiten Lauf so gut runtergebracht habe. Jetzt hoffentlich eine ruhige Nacht - und dann wird am Samstag nochmal voll angegriffen“, sagte Schneiderheinze.

Doch genau in der Wettkampfpause könnte das Problem liegen. Die frühere Anschieberin, 2006 im Bob mit Pilotin Sandra Kiriasis Olympiasiegerin, gilt nicht gerade als nervenstärkste Athletin im Feld. Allerdings hat sie in diesem Jahr mentale Unterstützung durch ihre Eltern, die extra aus dem heimischen Hirschberg in Thüringen in den Nobel-Skiort St. Moritz gereist sind. „Meine Mutti würde am liebsten gar nicht zugucken, weil sie solche Angst hat“, verriet Schneiderheinze, die auf der ältesten Bobbahn der Welt sehr gut zurechtkommt.

Vor einem Jahr hatte sie hier das Weltcuprennen gewonnen. Medaillenchancen kann sich zur Halbzeit auch noch Cathleen Martini ausrechnen. Die Ex-Weltmeisterin aus Oberbärenburg liegt mit Stephanie Schneider an der Bremse als Vierte nur 0,15 Sekunden hinter der drittplatzierten Elena Meyers aus den USA. „Im Training bin ich nur hinterhergefahren, aber jetzt hab' ich richtig Lust bekommen. Ich gehe voll auf Angriff“, sagte Martini.

Für Rekordweltmeisterin Sandra Kiriasis (Winterberg) dürfte eine Medaille dagegen bereits außer Reichweite sein. Die Olympiasiegerin von 2006 liegt nur auf Platz fünf, ihr Rückstand auf Humphries, die sie bei ihrem EM-Triumph vor einer Woche in Igls noch geschlagen hatte, beträgt bereits sechs Zehntelsekunden. Junioren-Weltmeisterin Miriam Wagner (Riesa) enttäuschte bei ihrem WM-Debüt nicht und belegt zur Halbzeit den neunten Rang (+1,09). Seit der WM-Premiere der Frauen im Jahr 2000 stand immer mindestens ein deutsches Team auf dem Treppchen. Rekordhalterin ist Kiriasis mit drei WM-Titeln (2005, 2007 und 2008).

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