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Biathlon: Henkel in Angriffslaune

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Die 34-Jährige Thüringerin Andrea Henkel hat sich in diesem Biathlon-Winter viel vorgenommen. (FOTO: DPA) 
Alles spricht von Miriam Gössner und Evi Sachenbacher-Stehle, dagegen ist es um Doppel-Olympiasiegerin Andrea Henkel ruhig geworden. Die 34-Jährige Thüringerin hat sich allerdings in diesem Biathlon-Winter viel vorgenommen.
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Berlin/Östersund/SID. 

Der Name Andrea Henkel fällt nur selten, wenn es in diesen Tagen um eine mögliche Nachfolgerin für die zurückgetretene Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner geht. Miriam Gössner wird das im deutschen Biathlonteam noch am ehesten zugetraut, auch Umsteigerin Evi Sachenbacher-Stehle wird gehandelt. Und Henkel? Um die 34 Jahre alte Thüringerin ist es ungewöhnlich ruhig geworden. Dabei hat sich die achtmalige Weltmeisterin viel vorgenommen und will bis zu den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi weitermachen.

„Mir geht es gut, ich bin besser drauf als vor der letzten Saison. Da hatte ich Probleme mit der Leiste. Jetzt schaue ich mal, was das Training gebracht hat“, sagte Henkel nach dem Mixedstaffel-Rennen zum Auftakt des Weltcup-Winters im schwedischen Östersund. Der 1,58 m kleine Biathlon-Floh leistete sich einen Nachlader und zeigte die gewohnt routinierte Vorstellung. Nur ein Materialfehler bei Teamkollege Erik Lesser, der wegen eines verschmutzen Diopters zwei Strafrunden schoss, verhinderte eine Podestplatzierung.

Am Ende reichte es für das Quartett mit Henkel, Lesser, Tina Bachmann und Simon Schempp zu Platz vier. „Ich habe das Rennen gebraucht, um in die Saison zu kommen“, sagt Henkel. Seit Anfang November hatte sie mit dem Team im finnischen Muonio die Vorbereitung absolviert. Zum achten Mal in ihrer Karriere, doch das macht der Doppel-Olympiasiegerin nichts aus. „Mir macht das alles Spaß, weil ich weiß, dass ich noch um Podestplätze mitlaufen kann“, sagt die Großbreitenbacherin. Auch wenn ihr Name scheinbar nicht mehr so hoch gehandelt wird, ist die „Grande Dame“ der deutschen Skijäger optimistisch.

Obwohl es in der Loipe noch nicht passt: „Ich kenne das ja aus den letzten Wintern, dass ich meistens ein bisschen Anlaufzeit brauche, bis ich richtig in Schwung komme.“ Ein Grund, die Karriere bis zu ihren vierten Olympischen Spielen fortzusetzen, war zweifelsohne ihr Freund Tim Burke. Der US-Biathlet ist vier Jahre jünger und reist in den nächsten Jahren noch mit dem Weltcup-Zirkus um die Welt. „Klar ist es schön, wenn wir zusammen unterwegs sind. Zu Hause wartet niemand. Da ist es egal, ob ich 34 oder 36 Jahre alt bin, wenn ich aufhöre“, sagt Henkel, die 2007 den Gesamtweltcup gewann.

Kinder seien noch kein Thema, ein Umzug in die USA nach der Karriere aber schon: „Ich möchte gern auswandern.“ Burke hat an der Ostküste bereits ein Haus gekauft, beide verbringen den Sommer regelmäßig jenseits des Atlantiks. Die eher introvertierte Henkel wird sicher nie die Popularitätswerte von Neuner erreichen, was die Erfolge angeht, muss sie sich aber nicht verstecken. Im Gegenteil: Während Neuner im Klassiker über 15 km ohne WM-Medaille blieb, holte Henkel 2005 in Hochfilzen in der Königsdisziplin den Weltmeistertitel.

Den bis dato letzten großen Triumph bejubelten beide zusammen: Den Staffelsieg bei der Heim-WM in Ruhpolding. Ob solche Erfolge auch ohne Gold-Lena möglich sind? „Wir können das nur als Team schaffen“, sagt Henkel. Sie selbst will auch nach mehr als 17 Jahren im Weltcup ihren Teil dazu beitragen. Die erste Möglichkeit bietet sich am Donnerstag (17.30 Uhr/ARD) im ersten Einzelrennen des Winters über 15 km in Östersund.

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