Vorlesen

Biathlon: Gössner siegt in Oberhof

Uhr | Aktualisiert 06.01.2013 21:49 Uhr

Biathlon Weltcup Sprint der Frauen in Oberhof. Miriam Gössner (M.) gewinnt vor Berger (l.) und Henkel (r.). (FOTO: DPA)

Von
Das deutsche Biathlon-Team enttäuscht zum Abschluss in Oberhof. Miriam Gössner lässt dem Sieg im Sprint zehn Schießfehler im Jagdrennen folgen.
Drucken per Mail
Oberhof/mz. 

Bei ihrer Musik-Auswahl offenbarten die Veranstalter des Oberhofer Biathlon-Weltcups am Sonntagnachmittag ein schlechtes Timing. Gerade hatte Deutschlands neue Vorzeige-Skijägerin Miriam Gössner ihr enttäuschendes Verfolgungsrennen beendet, aus den Thüringer Wolken regnete es Katzen und Hunde auf die 22-Jährige hernieder, und beinahe wäre Gössner im Zielraum auch noch das Gewehr in den nassen Kunstschnee gefallen. Doch aus den Lautsprechern am Rennsteig dudelte unbeeindruckt von all dem der Faschings-Hit: „Ne was ist das schön.“

Die musikalische Untermalung der Szenerie war so vogelwild wie die erste der vier Schießeinlagen von Miriam Gössner. Als strahlende Siegerin im Sprint tags zuvor ging sie mit zwei Sekunden Vorsprung auf die Norwegerin Tora Berger ins Verfolgungsrennen.

Aber dann rutschte die von 56 Konkurrentinnen gejagte Frau aus dem Werdenfelser Land erstmals in den Schießstand und setzte eine Patrone nach der anderen neben das Ziel, an immer dieselbe falsche Stelle. Fünf Schuss, fünf Fahrkarten, fünf Strafrunden – und als Gössner ihre 750 Extrameter abgespult hatte, lag sie auf Rang zwölf. Zwei Minuten hinter der führenden Berger.

Ihren Rückstand auf Platz eins, eingenommen von der Russin Olga Saizewa, halbierte die Oberbayerin bis zum Schluss als Zehnte zwar noch auf eine gute Minute. Ihr miserabler Einstand vor den fünf Scheiben und insgesamt zehn Fehlschüsse – zweitschlechtestes Ergebnis im Feld – verhagelten dem Sonnenschein im deutschen Frauen-Team allerdings gehörig die Laune.

„Beim ersten Schießen war der Wind stärker als beim Einschießen, und ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte“, zeigte sich Gössner 23 Stunden nach ihrem zweiten Weltcup-Sieg in diesem Winter mit den herrschenden Bedingungen überfordert, erklärte aber trotzig: „Ich weiß, dass ich schießen kann. Und so etwas wie heute passiert halt auch mal.“

Viel Schlimmeres wäre beim Männer-Sprint am Samstag um ein Haar Gössners Mannschaftskollegen Florian Graf beim Stehendanschlag widerfahren. Um einen störenden Wassertropfen zu vertreiben, der sich im Ringkorn an seiner Waffe eingenistet hatte, packte der 24-jährige Niederbayer sein – geladenes – Gewehr am Schaft und pustete in den Lauf.

Eine lebensgefährliche Aktion, für die Graf disqualifiziert wurde und so für die Verfolgung ausfiel. Eine weitere Schwächung für die deutschen Biathleten, nachdem der grippekranke Andreas Birnbacher, ihr bislang Bester in diesem Winter, die Weltcupstation im Thüringer Wald komplett ausgelassen hatte.

In der Verfolgung hagelte es für Deutschlands Skijäger dann weitere Rückschläge. So machte es Arnd Peiffer bei seinem dritten Schießen Miriam Gössner gleich, traf kein einziges Mal und lief abgeschlagen auf Rang 29 ins Ziel. Dabei schien der Wahl-Oberhofer als Zwölfter im Sprint eigentlich schon gut erholt von seinen schwachen Leistungen und seinem gesundheitlichen Tief im Dezember. Bester aus dem Team der Gastgeber war Erik Lesser auf Platz 13.

Die russischen Männer präsentierten sich am Grenzadler dagegen in bestechender Form: Nach ihrem Staffelerfolg am Freitag sorgten Dmitri Malyschko und Jewgeni Garanitschew im Sprint wie in der Verfolgung für einen Doppelsieg für Russlands Biathleten.

Ein ungewohnt langes Gesicht zog dazu Männer-Bundestrainer Mark Kirchner, dem einen Monat vor der WM speziell die Schießleistungen Sorgen bereiten.

Gleiches gilt für Kirchners Kollegen Gerald Hönig: Selbst bei der ansonsten sicheren Schützin Andrea Henkel, die am Samstag fast aus dem Krankenbett zu Sprint-Bronze sauste, stimmt momentan vor allem die Laufleistung.

In der Verfolgung blieben bei der 35-Jährigen vier der 20 Scheiben stehen. Und so fasste Frauen-Coach Hönig die Tage von Oberhof mit gemischten Gefühlen zusammen: „Wir waren ohne Henkel Dritte in der Staffel, haben drei Podiumsplätze geholt und können insgesamt zufrieden sein. Aber die Bäume wachsen bei uns nicht in den Himmel – weil die guten Leistungen nur auf zwei Schultern ruhen.“

Und zwar auf denen von Andrea Henkel und Miriam Gössner – die vor dieser Belastung aber zumindest beim Abschied vom verregneten Rennsteig kapitulierte.

Auch interessant