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Kaneisha Horn bei den SV Halle Lions: Frau mit zwei Gesichtern

Kaneisha Horn

Unwiderstehlich zieht Kaneisha Horn zum gegnerischen Korb. Das ist eine ihrer Rollen im Lions-Team.

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Schulz

Halle (Saale) -

Dieses trüb-kalte Wetter mit Temperaturen um die Null Grad und den tänzelnden Schneeflocken ist fürchterlich. Besonders für jemanden, der aus Birmingham, einer Stadt mit knapp über 200 000 Einwohnern im US-Bundesstadt Alabama kommt. „Bei uns im Süden schneit es nie, da ist es niemals so kalt“, sagt Kaneisha Horn und zieht sich, nachdem sie aus ihrem VW Polo gestiegen ist, flugs die modische Daunen-Jacke zu. Diese erscheint auf den ersten Blick als gerade etwas zu dünn.

Doch wirklich die Laune lässt sich die 23-Jährige von den äußerlichen Widrigkeiten keinesfalls verderben. Sie macht Späße, plaudert gern über ihr Leben in den USA und jetzt bei den Bundesliga-Basketballerinnen der SV Halle Lions. So offen und fröhlich wie sie jetzt daherkommt, das ist die wahre Kaneisha Horn. Ihr zweites Ich, das so gegensätzlich ist zu dem auf dem Spielfeld. Da erleben sie die Zuschauer als ernst und unnahbar. „Ach“, sagt die junge Frau, „ich weiß, dass ich da manchmal streng rüberkomme. Aber bei den Spielen bin ich ein ganz anderer Typ. Da bin ich total fokussiert, ehrgeizig. Das hängt wohl auch mit meiner Rolle im Team zusammen. Ich bin diejenige, die für Power und Aggressivität sorgen soll“, sagt sie. Und das gelingt der 1,86 Meter großen Centerin, die Kampfsport unter Frauen ablehnt, prima. Wenn sie Anlauf nimmt, zum Korb zieht, oder entschlossen einen abspringenden Ball packt, dann haben die Gegnerinnen Respekt. „Genauso soll es sein“, sagt Coach René Spandauw, der so große Stücke auf Kaneisha Horn hält, dass er sie wie Regisseurin Sasha Tarasava auch gern in der nächsten Saison im Lions-Team sehen würde.

Für die Power-Frau ist dies durchaus vorstellbar. „Ich fühle mich wirklich wohl in Halle, weil es auf den Straßen auch sicher ist. Ich hatte hier noch kein auch nur ansatzweise unangenehmes Erlebnis“, erzählt sie und berichtet dann von der hohen Kriminalitätsrate in ihrer Heimatstadt, wo beinahe täglich Menschen ermordet werden. „Zum Glück leben meine Eltern und Geschwister in einem etwas besseren Viertel, da ist es nicht so krass.“ Ein Pluspunkt für Halle ist auch, dass sie sich im Team, zu dem sie erst im Oktober nach einer Station in Portugal und einer Woche in Wasserburg gestoßen ist, unglaublich wohl fühlt. „Wir sind eine tolle Truppe, und sportlich geht es stetig bergauf“, sagt Kaneisha Horn.
Doch über ihren Verbleib gibt es noch keine Entscheidung. Ihr Agent, der für eine italienische Firma arbeitet, sucht gerade nach anderen Optionen. Was nicht verwundert. Bei jedem Wechsel verdient er mit. „Aber letztlich kann ich immer noch ein Veto einlegen, wenn mir der Verein, den er für mich wählt, nicht passen sollte“, sagt Kaneisha Horn. Halle passt, daran muss sich die Konkurrenz messen lassen.

Aber dann möchte sie im Sommer in der Heimat auch noch ihr Masterstudium in Sozialarbeit abschließen. Auch das Berufliche wird ihre Entscheidung beeinflussen. „Keine Ahnung, wie lange ich noch professionell Basketball spiele“, sagt sie. Denn ein wenig Heimweh hat sie auch. Ihr Freund, mit dem sie für die Zeit nach der Saison schon einen Urlaub auf den Bahamas geplant hat, wohnt in Los Angeles. Sie vermisst ihn - wie ihre Eltern. Umgekehrt ist das genauso. Kontakt wird übers Internet gehalten. „Und meine Mutter schafft es schon mal, mich in der Nacht zu wecken, weil sie die Zeitverschiebung nicht beachtet hat“, sagt Kaneisha Horn, deren Mama Connie im Stadtrat von Birmingham arbeitet. Vater Ben ist bei den Wasserwerken angestellt. Zur Familie gehört noch die 20-jährige Schwester Morgan Cobb und der ältere Bruder Terence Nixon. Über den ist sie zum Basketball gekommen. „Bei den Spielen gegen ihn habe ich als Kind gelernt, mich durchzusetzen“, sagt Kaneisha Horn lachend.

Gespielt hat sie dann später für das Team der Universität von Southern California in Los Angeles. Dort auf dem Campus wurde auch hauptsächlich der Film „Love & Basketball“ von 2001 gedreht. „Da sieht man auch vieles von der Uni. Das ist mein absoluter Lieblingsfilm - vor allem aber wegen der romantischen Handlung“, sagt Kaneisha Horn und gesteht, dass sie gleichzeitig wohl der allergrößte Fan von Superstar Beyoncé ist. „Sie ist wundervoll. Ich habe schon zwei Konzerte von ihr erlebt.“ Und sie weiß auch, dass die Sängerin Ende Juli in Frankfurt (Main) auftritt. „Da will ich hin“, sagt Kaneisha Horn.

Dafür müsste sie nach Deutschland zurückkehren. Der Termin würde passen - zum Start der Vorbereitung auf die neue Saison bei den Lions... (mz)