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Basketball in Halle: Die Lions stehen vor dem Charakter-Test

René Spandauw

René Spandauw

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Schulz

Halle (Saale) -

René Spandauw hatte es ausgehebelt. Drei Tage lang musste der Baum von einem Mann mit Fieber das Bett hüten. Die Vermutung, dass ihn die in der Art erschütternde 81:91-Pleite seiner Basketballerinnen der SV Halle Lions gegen das Bundesliga-Schlusslicht aus Osnabrück niedergestreckt hatte, bestätigt der Trainer allerdings nicht. „Mir war schon vor dem Spiel am Sonnabend schwindlig. Ich hatte weiche Beine“, erzählte er am Mittwoch. Da stand er abends erstmals selbst wieder beim Training an der Seitenlinie in der Erdgas Sportarena. Mit einigen Schwitzkuren und Medikamenten konnte er bis dahin die Grippe vertreiben. In der Zwischenzeit hatte Nachwuchs-Trainerin Sandra Rosanke die Mannschaft betreut.

„So verlierst du gegen jeden“

Die unfreiwillige Pause stoppte Spandauw in seinem Elan, mit den Spielerinnen die Ereignisse des letzten Wochenendes direkt aufzuarbeiten. Und nachdem er tags zuvor noch aus dem Bett heraus den Trainer der da anstehenden Box-Einheit per SMS instruiert hatte, die Damen diesmal „richtig ran“ zu nehmen, übernahm er dies dann höchstselbst.

Zunächst verbal. Eine Stunde redete er mit der Mannschaft, die ihn und die Fans in jenem Spiel so sehr enttäuscht hatte. Und beinahe sämtliche seiner eindringlichen Hinweise ignoriert hatte. „Da waren 16 Stunden Spielvorbereitung für die Katz’“, ärgerte sich Spandauw noch immer und meinte: „Wenn du so spielst, verlierst du gegen jeden.“

Das soll gefälligst nicht wieder passieren. Schon gar nicht am kommenden Sonntag in Nördlingen, wenn es gegen eine Mannschaft geht, die im Hinspiel klar beherrscht wurde (83:66). Also packt der Trainer seine Damen nun bei der Ehre. „Auch Nördlingen steht wie Osnabrück im Abstiegskampf mit dem Rücken zur Wand. Die Angels werden also genauso kämpfen“, sagt Spandauw und erhebt das Spiel in den Status eines ultimativen Charakter-Tests für seine Löwinnen.

Einsichtige Lions

Aber etwas Strafe musste zuvor dann doch sein, einfach um das schlechte Gewissen der Spielerinnen aufrecht zu erhalten. So mussten sie ihm kleinlaut erklären, was gegen Osnabrück falsch gelaufen war. „Ich hatte den Spielerinnen aufgetragen, sich das Spiel individuell noch mal anzuschauen und Sachen aufzuschreiben, die ihnen aufgefallen sind.“ Die Erkenntnis war: „Wir haben nicht verteidigt.“ Das wusste der Coach natürlich auch, aber die Spielerinnen sollten das selbst feststellen. „Die Mannschaft war sehr einsichtig und selbstkritisch. Es war ein gutes Gespräch.“

Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. (mz)