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Auszeichnung: Kober und Wollmert sind Behindertensportler des Jahres

Uhr | Aktualisiert 25.11.2012 17:45 Uhr
Die zweifache Paralympics-Goldmedaillengewinnerin Birgit Kober posiert mit ihrer Auszeichnung zur «Behindertensportlerin des Jahres». (FOTO: DPA) 
Birgit Kober und Jochen Wollmert sind Deutschlands Behindertensportler des Jahres 2012. Nach ihrem doppeltem Triumph bei den Paralympics ist die Ehrung für Kober Ansporn für ihren vielleicht wichtigsten Kampf.
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Köln/sid. 

Nur wenige Minuten nach der Wahl zu Deutschlands Behindertensportlerin des Jahres hatte Birgit Kober schon wieder den Wettkampfmodus eingelegt. „Die werden schon sehen, mit wem sie sich angelegt haben“, sagte die 41-Jährige. Die Ehrung machte Kober nicht nur stolz, sondern gab ihr auch neuen Mut. Denn nach ihren Goldmedaillen bei den Paralympics in London im Speerwerfen und Kugelstoßen ficht die Leverkusenerin seit Oktober ihren vielleicht größten Kampf aus.

Kober, die nach einem Behandlungsfehler im Münchner Klinikum rechts an der Isar vor über fünf Jahren mit einer Bewegungsstörung im Rollstuhl sitzt, kämpft vor dem Münchner Landgericht um Gerechtigkeit - und um ein Schmerzensgeld von einer halben Million Euro. Am Samstagabend im Deutschen Sport- und Olympiamuseum in Köln gab es für Kober zwar keinen Scheck, dafür aber eine Trophäe für ihre Glanzleistungen im Jahr 2012.

„Das rundet die ganze Sache ab. Das macht alles so wertvoll. Ich bin sehr stolz“, sagte Kober, die in London in ihren beiden Wettbewerben jeweils mit Weltrekord gesiegt hatte. Bei der im Internet durchgeführten Schlusswahl setzte sie sich gegen die in London ebenfalls mit Gold dekorierten Schwimmerinnen Kirsten Bruhn (Neumünster), die am Donnerstag für ihren sportlichen Erfolg bei den Paralympics 2012 sowie ihr Engagement in der Rehabilitation und Integration behinderter Menschen den Medienpreis Bambi erhielt, und Daniela Schulte (Berlin) durch.

Insgesamt holte Deutschland bei den Paralympics 18 Gold-, 26 Silber- und 22 Bronzemedaillen. Die Freude über die Leistungen wirkte auch bei Friedhelm Julius Beucher noch nach. „2012 war das Jahr des Behindertensports. Ihr wart großartig“, rief der Präsident des Deutschen Behinderten-Sportverbandes (DBS) den Sportlern zu. Angesprochen war auch Tischtennis-Ass Jochen Wollmert (Solingen), der zu Deutschlands Behindertensportler des Jahres gewählt wurde und in London sein drittes paralympisches Einzelgold holte.

Dabei sorgte der 48-Jährige, der mit seinen versteiften Handgelenken praktisch nur Rückhand spielen kann, nicht nur an der Platte für Furore. Sowohl im Halbfinale als auch im Endspiel der Paralympics korrigierte Wollmert in entscheidenden Phasen Entscheidungen des Schiedsrichters und überließ die ihm zugesprochenen Punkte seinen Gegnern.

Dafür erhielt der insgesamt fünfmalige Paralympics-Champion den „Fair Play Preis des Deutschen Sports“. „Das Jahr war einfach goldig“, sagte Wollmert, der in der Ausscheidung die Leichtathleten Heinrich Popow und Markus Rehm (beide Leverkusen) hinter sich ließ. Popow hatte in London über die 100 m, Rehm im Weitsprung Gold gewonnen. Bei der Wahl zur Mannschaft des Jahres machten wie im Vorjahr die deutschen Rollstuhlbasketballerinnen das Rennnen.

Das Team von Trainer Holger Glinicki hatte im Sommer das erste deutsche Paralympics-Gold im Rollstuhlbasketball der Frauen seit 1984 geholt. Doch ausruhen werden sich die „Golden Girls“ auf ihrem Triumph sicherlich nicht. „Nächstes Jahr steht die EM in Frankfurt an. Da wollen wir unseren Titel erfolgreich verteidigen“, sagte Glinicki. Die Rollstuhlbasketballerinnen setzten sich gegen die Sitzvolleyballer, die bei den Paralympics Bronze geholt hatten, und den in London mit Silber gekorierten gemischten Ruder-Vierer durch.

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