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Fußball-Landesklasse: Schwitzen im Bauspielhaus

Uhr | Aktualisiert 06.03.2012 11:57 Uhr
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Hindernislauf

Vor dem Treppensprint stand ein Hindernislauf zur Erwärmung, hier Toni (l.) und Michael Umgelder. (FOTO: DETLEF ANDERS)

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Eigentlich wird das Thalenser Bauspielhaus gleich geschlossen. Verwundert blickt eine Gruppe Kinder auf die Neuankömmlinge: Erwachsene Männer mit Sporttaschen. "Wollen die hier spielen?" Ein kleines Mädchen schaut fragend ihren Vater an, doch der versteht die Welt auch nicht so recht.
Gernrode/Thale/MZ. 

Thomas Klimpke aus Wolfenbüttel hat gerade mit zwölf Kindern den Geburtstag seines Sohnes gefeiert und die Aussage, dass die Männer hier ein Fußballtraining absolvieren wollen, lässt ihn lächeln. Große Jungs spielen eben auch noch gern. Doch das, was die Trainer der Landesklasse-Spielgemeinschaft des SV Germania Gernrode und Blau-Weiß 90 Bad Suderode hier zum Abschluss der Vorbereitung auf die Rückrunde veranstalten, hat nur bedingt etwas mit Spielen zu tun. Dafür mit schweißtreibender Bewegung und dennoch viel Spaß. Bereits zum zweiten Mal in diesem Winter haben Mario Walter und Andreas Klaschka ihre Mannschaft nach Thale eingeladen. Trotz der Plusgrade sind die Fußballplätze noch nicht bespielbar. Und in die Turnhallen kommen sie auch nicht immer rein.

"Wir hatten schon mit den Handballern ein gemeinsames Training gemacht", berichtet Marcus Franke und kreist mit der Schulter. "Der Nacken tut weh, die Hand ist kaputt", klagt er über die ungewohnten Belastungen. "Aber es war gut, das müssen wir öfters machen." Vom ersten Training im Bauspielhaus waren die Jungs begeistert. Klaschka war vor fünf Jahren mit der damaligen zweiten Mannschaft des SV Germania schon einmal hier und im Abstiegsjahr mit der von Walter trainierten ersten. Seit dem Zusammenschluss mit den Kickern des Kurortes jedoch nicht. "Eine Stunde voll Power", fordert Klaschka nun von der Mannschaft. "Dürfen wir rutschen", fragt noch jemand und kommentiert die Antwort mit einem freudigen "Juchu!" Dann rennt die Mannschaft zwölf Minuten lang Runden um den riesigen Indoor-Spielplatz. Dabei müssen flache Sportbänke übersprungen werden. "50 Liegestütze, wenn eine umfällt!" Torwart Kevin Schulze läuft vorsichtshalber drum herum. Als dann doch zweimal Bänke fallen, ist Klaschka gnädig. Es folgen Dehnungsübungen unter der Leitung von Stürmer Sirko Hartmann, der Physiotherapeut ist. Erst dann beginnt das Stationstraining.

Während die einen fünf Minuten lang Trampolinspringen, erklimmt eine Gruppe im Laufschritt den Kletterberg, schlägt oben an und rutscht das Ungetüm herunter. Eine dritte Gruppe macht Kniehebeläufe und Schlusssprünge über eine Hürdenstrecke. Die vierte rennt im Sprinttempo mit einem Teppich in der Hand die Treppe der Riesenrutsche hinauf und rutscht anschließend bäuchlings oder auf dem Hinterteil hinunter. Schon nach wenigen Minuten haben einigen knallrote Gesichter, die T-Shirts triefen vom Schweiß. Dennoch wird gelacht. Michael Umgelder schlägt Saltos auf dem Trampolin. Eben wie große Kinder.

"Am schlimmsten ist die Treppe", gesteht Steffen "Otto" Lilienthal, mit 32 der Älteste. "Die ist echt der Hammer", weiß auch David Schütze. "Aber es ist eine Abwechslung. Mal was anderes, als nur draußen rumzulaufen." "Es macht sehr viel Spaß", findet Lilienthal. "Wir können hier Schnelligkeit und Kraft trainieren. Sie keuchen ganz schön, aber das wird uns am Ende der Saison zugute kommen", weiß Klaschka. Er dankt vor allem der Chefin des Hauses, Petra Neubert, für die Trainingsmöglickeit. "Man muss sich immer was einfallen lassen. Wir haben auch schon Tae Bo gemacht. Das hält sie bei der Stange", ergänzt Walter und weiß, dass sein Team so den Klassenerhalt schaffen wird.