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Volleyball: Kein Bock auf Kuschelkurs

Uhr | Aktualisiert 16.12.2012 22:35 Uhr
Einfach rauslassen: Schreiend bejubelte Christoph Helbig am Samstag mehrere Punkte der Piraten. (FOTO: PETER WÖLK) 
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Mit dem 3:2-Sieg der Piraten am Samstagabend gegen die Netzhoppers KW-Bestensee schien nach der harten öffentlichen Kritik des Geschäftsführers Albrecht Pfefferkorn die gute Laune in die Spergauer Jahrhunderthalle zurückgekehrt zu sein.
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Spergau/mz. 

Im Tiebreak hält es Peter Kurzawa, den Präsidenten des Volleyball-Bundesligisten Chemie Volley Mitteldeutschland (CVM), nicht mehr auf seinem Stuhl. Er schleicht hinter den Trainerbänken entlang zu den Auswechselspielern seiner Mannschaft. Dann hält er kurz inne. Ein dynamischer Angriffsschlag von Artur Augustyn. Punkt für die Piraten. Es steht 12:4. Kurzawa streckt beide Fäuste in die Höhe und schließt sich dann bis zum 15:5-Satzgewinn dem rhythmischen Klatschen der Zuschauer und den Gästen auf der Sponsorentribüne an.

Mit dem 3:2 (21:25, 25:22, 25:15, 21:25, 15:5)-Sieg der Piraten am Samstagabend gegen die Netzhoppers KW-Bestensee schien nach der harten öffentlichen Kritik des Geschäftsführers Albrecht Pfefferkorn die gute Laune in die Spergauer Jahrhunderthalle zurückgekehrt zu sein - Vorstand, Fans, Sponsoren schwammen förmlich auf einer Euphoriewelle.

Doch einer sprang auf diese Welle nicht auf: Piraten-Trainer Matthias Münz. Kurzawa tätschelte ihm direkt nach dem Match den Kopf, wollte den Coach umarmen, doch Münz verweigerte. War es denn nicht die Kritik, die aus den Piraten die paar Prozente herausgekitzelt hatte, die in den letzten Spielen für Erfolge oder überzeugende Leistungen noch fehlten? "Das ist mir ziemlich wurscht", sagte Münz, "ich bin nach wie vor der Meinung, der Zweck heiligt nicht die Mittel."

Friede-Freude-Eierkuchen hört sich anders an. Geschäftsführer Pfefferkorn meinte nur: "Alle haben alles richtig gemacht. Unsere Jungs haben ein geiles Spiel abgeliefert und gezeigt, was sie können."

Nach verlorenem ersten Satz kämpften sich die Piraten im zweiten in das Match hinein. Dass der eigene Block erfolgreich war und der von KW bei den Angriffen des CVM schwächelte, brachte schnell einen Fünf-Punkte-Vorsprung (7:2).

Zum Ende des Satzes schlichen sich beim Gastgeber dann aber wie schon in den vergangenen Partien viele leichte Fehler ein, so dass Bestensee auf einen Punkt (22:23) herankam. Mit den stehenden Ovationen der Fans als Unterstützung ließen sich die Piraten Satz zwei nicht nehmen.

Nach der knapp gewonnenen Mittwochspartie gegen den VCO Berlin waren die Fans in Misskredit bei der Mannschaft geraten, denn während des verkorksten zweiten Satzes hatten sie aufgehört zu trommeln, das Team zu unterstützen.

Am Samstag zeigten die Fans Durchhaltevermögen, was Piraten-Trainer Matthias Münz aber ebenso wenig beeindruckte: "Wir spielen in erster Linie für uns. Und die Stimmung, die kommt über die Leistung."

Am Stimmungsbarometer in der Jahrhunderthalle abgelesen, war die Leistung in Satz drei überragend. Der hawaiianische Libero Eric Shoji rettete in spektakulären Aktionen sicher verloren geglaubte Bälle. Und die Angreifer schmetterten KW in Grund und Boden - das 25:15 war eindeutig.

"In dem Satz hat jeder 120 Prozent gegeben, da hat alles geklappt", meinte Münz, der während des Satzes auch mal die Siegerfaust ausgepackt hatte. Die Netzhoppers kämpften sich im vierten Satz allerdings zurück und erreichten den Tiebreak. Dort zogen die Spergauer schnell auf 5:1 davon und gaben den Sieg nicht mehr her.

Bei der Ehrung der besten Spieler der Partie gab es dann auch für CVM-Präsident Peter Kurzawa noch den erhofften Kuschelkurs. Eric Shoji ließ sich für seine ausgezeichnete Leistung von Kurzawa in die Arme schließen.

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