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Volleyball: Erste Wahl: Piratenschiff

Uhr | Aktualisiert 16.04.2012 21:25 Uhr
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Rick Wiedersberg

Der Manager des CVM, Rick Wiedersberg. (FOTO: ARCHIV)

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Bei Chemie Volley Mitteldeutschland häufen sich die Spieleranfragen. Besonders für die Profis vom insolventen VC Gotha ist Spergau eine gute Adresse.
SPERGAU/MZ. 

Dass sich ein Manager auf Spielersuche entspannt zurücklehnen kann, ist ja wohl eher eine Ausnahme. Aber Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel. In der glücklichen Lage, dass eine Unzahl Spieler oder deren Berater beim Verein anrufen, um sich auf einen Platz in der Mannschaft zu bewerben, ist derzeit der Volleyball-Bundesligist Chemie Volley (CV) Mitteldeutschland. Und wie Manager Rick Wiedersberg erzählt, seien es nicht nur Spieler, die gern bei den Piraten anheuern würden. "Wir haben auch Anfragen für die Geschäftsstelle und den Trainerstab", so Wiedersberg. Es werde nun sondiert, wen die Mitteldeutschen in ihr Boot holen.

35 bis 40 Spieler habe Wiedersberg auf seinem Zettel. Eingeteilt nach Kategorien von sehr gut bis geht so. Und woher? Mit dieser Antwort will der Manager nicht so richtig rausrücken. Er erzählt aber: "Bis auf zwei, drei Spieler haben sich alle Akteure von der ehemaligen Mannschaft des VC Gotha bei uns beworben."

Dass die Thüringer nach Spergau, zum mitteldeutschen Konkurrenten, blicken, hat einen besonderen Grund. Der finanziell angeschlagene Volleyball-Bundesligist, der die Bundesliga-Hauptrunde hinter dem CVM auf Platz neun beendete und damit die Teilnahme an den Playoffs knapp verpasst hatte, stellte Ende März einen Insolvenzantrag. Damit wird der Verein in der kommenden Saison bzw. in den nächsten drei Jahren, denn solange darf Gotha laut Lizenzordnung des Verbandes nicht in die zweite oder erste Liga aufsteigen, nicht am Profi-Spielbetrieb teilnehmen. Nach Stellung des Insolvenzantrages zogen die Vereinsverantwortlichen das bittere Fazit, dass "Hochleistungssport im Volleyball unter den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Region auf Dauer kaum zu etablieren" sei.

Und auch anderen Erstligisten macht ihre wirtschaftliche Lage zu schaffen. So heißen die Rottenburger Volleyballer wieder TV Rottenburg, nachdem Haupt- und Namenssponsor EnBW Anfang April sein Engagement beendet hat. Die Bundesliga-Saison sei zwar gesichert, sagte TV-Manager Jörg Papenheim dem Schwäbischen Tagblatt, der Verein müsse aber jetzt "jeden Cent zweimal umdrehen". EnBW habe ein gutes Viertel zum Gesamtetat der Rottenburger Volleyballer (geschätzte 300 000 Euro) beigesteuert, schreibt das Tagblatt. Ihre Bewerbung auf eine Bundesligalizenz hatte die Deutsche Volleyball Liga (DVL) angenommen.

Das war allerdings nicht bei allen Bewerbungen so. Die DVL schmetterte den Antrag der RWE Volleys Bottrop auf eine Teilnahme an der Eliterunde 2012 / 13 ab. Der Absteiger hatte auf einen Verbleib in der Bundesliga gehofft, nachdem zahlreiche Zweitligisten auf den Aufstieg verzichtet hatten. Der DVL-Vorstand begründete den Beschluss mit der wirtschaftlichen Schieflage des Vereins in der abgelaufenen Saison, was keine ausreichende Basis für eine neuerliche Erteilung darstelle. Damit kämpfen in der Spielzeit 2012 / 13 nach derzeitigem Stand elf Teams in der 1. Volleyball-Bundesliga der Männer um den Titel.

Wo das noch hinführen soll, fragen sich auch die CVM-Verantwortlichen "In ein paar Jahren kämpfen wir dann vielleicht mit um die Meisterschaft", sagt Wiedersberg mit Galgenhumor, "wenn dann nur noch vier oder fünf Teams im Spielbetrieb sind." Dass es in der kommenden Saison für die Piraten keine finanziellen Quantensprünge geben könne, hatten die Verantwortlichen immer wieder betont. Aber gebe es aus Wirtschaft und Politik das eine oder andere positive Zeichen, die Kogge auf Kurs zu halten. Und dass sei für viele Spieler der Grund, dass sie bei den Piraten anfragen, weil "sie wissen, dass es bei uns mit den Finanzen geregelt abläuft", so Wiedersberg. Und wenn die Bewerber es noch nicht wissen, wird der Manager es ihnen erzählen. Am Dienstag beispielsweise trifft er sich mit drei potenziellen "Neu-Piraten" in Berlin.

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