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Volleyball: Er will gern noch bleiben

Uhr | Aktualisiert 09.03.2012 20:24 Uhr
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Florian Völker

Wenn es schnell gehen muss, kocht Florian Völker selbst. Sonst ist er gern bei Oma Gast am Mittagstisch. (FOTO: PETER WÖLK)

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Florian Völker hat bei den Piraten Fuß gefasst. Vor allem das familiäre das familiäre Umfeld sei für den gebürtige Merseburger ein Grund gewesen, beim CVM anzuheuern.
SPERGAU/MERSEBURG/MZ. 

Geheimnisvoll ist das Klingelschild am Hauseingang in der König-Heinrich-Straße in Merseburg. "CV Mitteldeutschland" steht auf dem Aufkleber. Welcher Spieler des Volleyballbundesligisten in einer der Wohnungen lebt, verrät es nicht. Beim Betreten des Hausflurs klärt aber das Namensschild mit den großen Lettern an der Wohnungstür auf: Florian Völker. Die kleine Wohnung gehöre dem Verein, sagt er. Nun hat er sich dort häuslich eingerichtet.

Eigentlich hätte der 20-Jährige nach seinem Vereinswechsel im Sommer letzten Jahres - er kam vom VCO Berlin zu den Spergauern - wieder zu Hause einziehen können. Seine Eltern wohnen nämlich in Lochau. "Seit meinem 14. Lebensjahr habe ich im Internat gewohnt - erst in Leipzig, dann in Berlin", sagt Florian Völker, "wäre ich jetzt wieder zu Hause eingezogen, wäre das vielleicht nicht optimal gelaufen." Doch sei das familiäre Umfeld für ihn ein Grund gewesen, beim CVM anzuheuern. Von Merseburg aus sei der Kontakt zur Familie so einfach: Vorgestern war er bei der Oma zum Mittagessen, gestern hatte die Mutter Geburtstag, und die Familie traf sich zum Abendessen. Muss man als Volleyballer nicht auf die Ernährung achten? "Man sollte es", sagt Völker und lacht, "aber besonders bei Oma gibt es immer leckeres Essen." Das sind eben die Vorzüge der heimatlichen Nähe.

Eine sportliche Karriere einzuschlagen, war für Florian Völker seit der Kindheit das Ziel. Allerdings war Basketball anfangs seine Lieblingssportart Nummer eins. "Ich hatte dann das Glück, gegen einen Jugendnationalspieler zu spielen. Das war für mich so demotivierend, da habe ich es lieber gelassen und bin zum Volleyball", sagt der 20-Jährige. Das war noch beim USV Halle. "Die wollten mich für das Sportinternat haben", erzählt er. Ausgerichtet für Volleyball sei das aber nicht gewesen. Der Vater erkundigte sich dann in Leipzig beim VC (heute L.E. Volleys), und die Familie hielt dies für die bessere Wahl.

Zwei Jahre ging er dort auf das Sportinternat, dann folgte mit 16 Jahren der Wechsel zum VCO. Da ging es mit Völkers Entwicklung richtig voran. "Es war das perfekte Umfeld: medizinische Versorgung, zweimal täglich Training unter anderem mit dem Bundestrainer, Abitur, Zivildienst - alles hat gepasst", erzählt er. Und dann der Wechsel nach Spergau. "Den Ausschlag haben die kurzen Wege für mich gegeben", meint Völker - zum einen das familiäre Umfeld in Merseburg und auch, dass die Entfernung zu seiner Freundin Pia Riedel, die beim KSC Berlin in der 1. Volleyball-Bundesliga spielt, nicht ganz so weit sei, zum anderen die gute Vereinbarkeit mit dem Studium.

Seit dem Wintersemester studiert Völker an der Fachhochschule Merseburg Technische Betriebswirtschaft. Zeit für das Studium habe er durch meist täglich doppelte Trainingseinheiten zwar kaum, aber wozu gibt es Kommilitonen und das Internet? "Die drei Prüfungen, die ich geschrieben habe, habe ich bestanden", meint er und lacht.

Sieben Semester beträgt die Regelstudienzeit in dem Fach, also dreieinhalb Jahre. Spielt Florian Völker so lange noch bei den Piraten? "Ich weiß nicht", sagt er. Sein Vertrag läuft noch bis zum 31. Mai. Völker verhandelt gerade um ein weiteres Jahr. "Ich würde gerne bleiben", so der 20-Jährige.

Gründe, dass der Verein mit ihm verlängert, lieferte er in der Vergangenheit. In den letzten sechs Spielen durfte er als Zuspieler jeweils von Beginn an ran, bekam von Trainer Matthias Münz den Vorzug vor Sebastian Kühner. "Unser Spiel war dadurch besser. Er versteht sich auf dem Feld mit Christoph Helbig sehr gut, dadurch ist unsere Angriffswirkung eine ganz andere. Außerdem kennen ihn die Gegner weniger", so Münz. Zufrieden mache dies den Trainer allerdings nicht. "Ich bin selten zufrieden, aber ich freue mich für Florian, dass er seine Sache so gut macht." Es gebe aber immer noch Dinge, an denen er arbeiten müsse - besonders die Athletik. Als Zuspieler ist er mit 1,93 Meter recht klein - Kühner im Vergleich ist zehn Zentimeter größer. "Ich weiß, im Block habe ich noch Reserven", sagt Völker. Heute geht der 20-Jährige wieder mit seiner Mannschaft auf die Reise - nach Unterhaching zu Generali. Morgen um 16 Uhr steigt das erste Playoff-Viertelfinalspiel. "Wir wollen versuchen, Haching zu ärgern", sagt Völker, der aber wie sein Trainer nur minimale Chancen für den Erfolg sieht. "Mit einem guten Spiel kann ich mich anbieten", sagt Völker - damit aus einer Saison bei den Piraten bald zwei werden. Und dann wäre er auch sicherlich nicht mehr die geheimnisvolle Person hinter dem anonymen Klingelschild.

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