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Fußball: Blau-Weiß siegt in WM-Manier

Uhr | Aktualisiert 04.02.2013 14:26 Uhr

Die Kreisligisten Günthersdorf (blau-weiß) und Kötzschau sorgten mit Platz drei und vier für Überraschungen. (FOTO: MARCO JUNGHANS)

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Brachstedt wendet im Neunmeterschießen den Trick mit dem Zettel an und gewinnt damit das Finale der Kreismeisterschaft gegen Leuna mit 3:2.
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Merseburg/MZ. 

Neunmeterschießen im Finale der Fußball-Hallenkreismeisterschaft in der Merseburger Rischmühlen-Halle. Es steht 2:2. Nino Hammerschmidt tritt als dritter und letzter Schütze des TSV Leuna an. Er schießt halbhoch ins rechte Eck. Brachstedts Torwart Ron Völkel ist zur Stelle, er pariert. Der Brachstedter Thomas Brandt ist dann als Schütze an der Reihe und versenkt - Landesligist Blau-Weiß Brachstedt wiederholt nach dem Sieg im vergangenen Jahr den Gewinn der Hallenkreismeisterschaft.

Nachdem Torwart Ron Völkel, eigentlich Mittelfeldspieler beim Landesligisten, alle Teamkollegen umarmt hatte, stürmte er auf den Manager des Teams, Sirko Dahlmann, zu. "Hier, schau, das hat geklappt", sagte Völkel und zeigte Dahlmann das Programmheft dieser Kreismeisterschaftsendrunde im Hallenfußball, auf dem mit Kugelschreiber drei Zahlen und Pfeile geschrieben waren: 4 - Pfeil rechts, 9 - Pfeil rechts unten, 10 - Pfeil links.

So wie bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, als Deutschlands Torwart Jens Lehmann im Elfmeterschießen gegen Argentinien einen Spickzettel zugesteckt bekam, handhabten es auch Völkel und Brachstedts Torwart-Trainer Thomas Brose im Neunmeterschießen gegen den TSV Leuna. Brose hatte sich im Halbfinale, als Leuna schon einmal im Neunmeterschießen ran musste, die Schützen und ihre bevorzugten Ecken angesehen und notiert. Nino Hammerschmidt wurde also durchschaut, und der Zettel verhalf Brachstedt zum Sieg.

Hammerschmidt wollte sich indes am liebsten verkriechen, zog das Trikot über das Gesicht. "Es tut mir leid für die Mannschaft. Wenn man im Finale ist, möchte man das auch gewinnen", sagte er. Betrachtet man aber die personelle Notlage, in der der Landesklasse-Vertreter TSV Leuna derzeit steckt, war Platz zwei bei der Meisterschaft eine Überraschung. "Wir haben am Freitag bis in die Nacht hinein telefoniert, um Spieler aufzutreiben", meinten Mannschaftsleiter Gisbert Schmidt und Trainer Detlef Brose unisono. "Ich hätte gedacht, in der Vorrunde ist Schluss für uns", so Schmidt.

Blamiert hat sich ein anderer Verein, der Landesligist SV Braunsbedra, der nach der Vorrunde ausschied. "Wir haben nicht ein ordentliches Spiel gemacht", meinte Trainer Ulf Schwiecker, "das ist alles eine Einstellungsfrage." In ihrem ersten Vorrundenspiel unterlagen sie dem Kreisligisten Günthersdorf mit 0:3, und auch gegen Kötzschau (Kreisliga) kamen die Geiseltaler nicht über ein 1:1 hinaus. "Kötzschau hat es verdient, vor uns ins Halbfinale einzuziehen. Sie haben nur zwei Gegentore in drei Gruppenspielen kassiert", so Schwiecker.

Das habe die Mannschaft ihrem guten Torwart Marcel Baumbach zu verdanken, meinte Kötzschaus Spieler Christian Scheibe. Baumbach wurde von den Trainern auch zum besten Keeper des Turniers gewählt. Bester Spieler wurde zum zweiten Mal in Folge Brachstedts David Reza. Und bester Torschütze: Diese Auszeichnung bekam Nino Hammerschmidt, doch war dieser Pokal kein echter Trost für den verschossenen Neunmeter im Finale.

Mehr als 1 000 Euro hat der Landesligist Brachstedt laut Dahlmann in der Winterpause durch Hallenturniere eingespielt. "Von sechs Hallenturnieren haben wir vier gewonnen", sagte er. Allein 400 Euro gab es bei der Kreismeisterschaft - Zettel sei Dank.

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