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1. Bundesliga: «Hockey ist eine Kunst»

Uhr | Aktualisiert 25.01.2013 20:16 Uhr

In der Ernst-Messinger-Halle siegte Osternienburg (weiß) vor zwei Wochen mit 11:8 gegen Mariendorf. (FOTO: HEIKO REBSCH)

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Ernst Messinger spricht vor dem letzten Spieltag der Hallensaison über das Derby der Herren und das Abstiegsendspiel der Damen.
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Osternienburg/MZ. 

In welchem Jahr die Ernst-Messinger-Halle offiziell eröffnet wurde? Ernst Messinger ist sich unsicher. "Das muss 1975 oder 1976 gewesen sein", sagt Messinger, Vater des Hockeysports in Osternienburg. Er muss schmunzeln: "Wir haben während der Bauarbeiten ja auch schon immer in der Halle gespielt, so genau kann man das also gar nicht sagen." Am Sonntag treffen die Osternienburger und Köthener Hockey-Herren am letzten Spieltag der Hallensaison zum Derby in besagter Ernst-Messinger-Halle aufeinander (Beginn: 12 Uhr). Wenig später, ab 14.30 Uhr, empfangen die Osternienburger Hockey-Damen den SC Charlottenburg zum Abstiegsendspiel. Die OHC-Damen wollen um den Klassenerhalt kämpfen. Ernst Messinger wird auf den Zuschauerrängen sitzen.

Im Jahr 1950 gründete Messinger die erste Hockeymannschaft in Osternienburg, wo damals noch Fußball an oberster Stelle stand. Das sollte sich bald ändern. Ernst Messinger etablierte Hockey in Osternienburg, begeisterte den Nachwuchs für seine Lieblingssportart. Osternienburg wurde zum Hockeydorf. "Hockey ist eine Kunst", sagt Ernst Messinger, inzwischen 80 Jahre alt. Im Training stellte er Spielsituationen oft mit Hilfe von Schachfiguren dar, erklärte so taktische Vorgaben. Ist Hockey eine Kunst, dann ist der gelernte Gärtner Ernst Messinger ohne Frage ein Künstler. Einer, bei dem jedes Wort eine unglaubliche Leidenschaft, ein unglaubliches Verständnis für den Sport erahnen lässt. "So wie heute Hockey gespielt wird", sagt Ernst Messinger, "so wollte ich das schon vor 50 Jahren haben."

Bei den Heimspielen des Osternienburger HC sitzt Messinger heute regelmäßig auf den Zuschauerrängen, beobachtet, analysiert und erkennt Schwachstellen. Er hat ein Auge für den Sport. "Was die Mannschaft in diesem Jahr geleistet hat, ist wirklich hervorragend", sagt die OHC-Legende über die Saison der Osternienburger Herren.

Einen großen Anteil am Erfolg, am sicheren dritten Tabellenplatz in der 1. Bundesliga Gruppe Ost, hat laut Messinger vor allem Trainer Peter Jungk, den Messinger früher selbst trainierte. "Der Trainer ist im Hockey ausschlaggebend", so der 80-Jährige, "Peter Jungk macht da einen sehr guten Job." Während dem OHC der dritte Platz nicht mehr zu nehmen ist, steht Aufsteiger Köthen vor dem letzten Spieltag bereits als Absteiger fest. Noch immer rangiert das CHC-Team punktlos auf dem letzten Tabellenplatz. Nun bleibt nur noch eine Chance auf den ersten Punktgewinn in der höchsten deutschen Spielklasse. Gewissermaßen ist das zweite Derby der Hallensaison 2012 / 2013 ein Spiel ohne Wert. Doch Ernst Messinger meint: "Auf dem Spielfeld geht es trotzdem Mann gegen Mann." Während die Herren durchaus entspannt in das letzte Spiel unter dem Hallendach gehen können, erwartet die Osternienburger Damen ein echtes Abstiegsendspiel: Punktgleich mit dem SC Charlottenburg steht Osternienburg derzeit mit dem besseren Torverhältnis auf dem vorletzten Tabellenplatz der 1. Bundesliga Gruppe Ost. Ein Unentschieden würde zum Klassenerhalt reichen, ein Sieg sowieso. Gewinnt allerdings Charlottenburg, steigt Osternienburg ab. "Da wird sehr viel Kampf, sehr viel Einsatz im Spiel sein", meint Detlef Mourek, Trainer der Osternienburger Hockey-Damen. Es geht um alles. Es geht um den Klassenerhalt. Detlef Mourek ist sich dessen bewusst und freut sich auf die Begegnung: "Das ist der direkte Vergleich. Die bessere Mannschaft wird am Ende oben bleiben." Sollte das nicht seine Mannschaft sein, dann wäre er trotzdem stolz auf eine gute Osternienburger Saison, sagt Mourek und meint: "Hockey wäre dann immer noch die schönste Nebensache der Welt." Dem würde Ernst Messinger wohl zustimmen, vielleicht das Wort "Nebensache" streichen. Er wird dem OHC am Sonntag die Daumen drücken. In der Halle, die Messinger einst mit einigen Hockey-Freunden und drei Maurern baute. "Sechs Jahre lang haben wir dafür gebraucht", erinnert er sich. Es hat sich gelohnt. Da kann sich Ernst Messinger sicher sein.

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