Vorlesen

Regionalliga: Das Duell der Gegensätze

Uhr | Aktualisiert 11.04.2012 19:13 Uhr
Drucken per Mail
Halle gegen Magdeburg

Szene aus dem Hinspiel: Toni Lindenhahn (HFC/r.) duelliert sich mit FCM-Akteur Tobias Friebertshäuser. (FOTO: A. LÖFFLER)

Von
Selten waren vor einem Landesderby zwischen dem HFC und dem 1. FC Magdeburg die sportlichen Rollen so klar verteilt. Trotzdem lockt das Spiel Massen und fordert die Polizei.
Halle (Saale)/MZ. 

Riesige Hoffnung hier, pure Tristesse da - nie waren die Gegensätze größer. Das Sachsen-Anhalt-Derby am Mittwoch in der Fußball-Regionalliga dokumentiert ungeachtet seines Ausgangs eine Tendenz, die sich seit Jahren abgezeichnet hat. Der Gastgeber, der Hallesche FC, hat in der Saalestadt und der gesamten Region darum eine neue Fußball-Euphorie entfacht. Der Aufstiegs-Zweikampf mit dem finanziell schier übermächtigen Gegner RB Leipzig lässt keinen Anhänger kalt. In Magdeburg dagegen wenden sich die Fans mit Grausen ab. Der FCM krebst am Tabellenende herum, ist im Pokal gescheitert, Chaoten griffen wiederholt Spieler an. Und vielleicht ist es auf lange Zeit das letzte Punktspiel-Derby überhaupt.

HFC-Vizepräsident Jörg Sitte ist stolz. "Was die Mannschaft in den letzten Monaten geleistet hat, ist unglaublich. Die Fans honorieren das, und wir als Verein freuen uns", sagt er. An der Saale lebt der Traum von der dritten Liga. Und niemand trauert dem nach, dass es dann keine ausverkauften Derbys gegen den Erzrivalen FCM mehr geben wird. "Wegen der Tradition würde ich sie vielleicht vermissen, aber nicht aus wirtschaftlichen Gründen", sagt Sitte.

In der dritten Liga winken dem HFC 738 000 Euro an Fernsehgeldern anstatt jetzt 95 000 Euro. "Zudem wären wir permanent und länger als bisher im MDR und ab und an auch in der ARD-Sportschau präsent. Das wiederum ist für unsere Sponsoren enorm wichtig", erklärt Sitte. Außerdem gäbe es dann Einnahmen aus 19 Heimspielen im Vergleich zu 15 in der neuen Regionalliga mit nur 16 Mannschaften. Die Drittliga-Vereine bringen zudem mehr eigene Fans zu den Auswärtsspielen mit als die Clubs in der Regionalliga. "Das wiegt die Einnahmen aus einem Landesderby allemal auf", sagt Sitte.

Doch bei aller Träumerei: Erst muss das Derby gespielt werden. Ohne die allen bekannten Phrasen an dieser Stelle erneut wiederholen zu wollen: Ein wenig Wahrheit steckt auch in ihnen. Sitte nennt ein aktuelles Beispiel. "Der Lübecker 1:0-Erfolg über Kiel hat uns kürzlich wieder vor Augen geführt, wie Derbys laufen können. Am Ende sind die Favoriten mit hängenden Köpfen in die Kabine geschlichen", erinnert er sich. Doch um die Favoritenbürde kommt der HFC nicht herum: "Die liegt bei uns."

Auch für Andreas Petersen ist der Fall eindeutig: "Der HFC ist der haushohe Favorit, das Spiel wird eine klare Angelegenheit", sagt der Trainer von Germania Halberstadt, dem dritten Team in der Regionalliga aus Sachsen-Anhalt. Doch Petersen fügt gleich noch ein "eigentlich" an: "Bei so einem Derby ist die Tabellenkonstellation Makulatur." Der Mann spricht aus Erfahrung. Gerade hat er mit seiner Germania das Heimspiel gegen den 1. FCM 1:2 verloren - und ärgert sich immer noch darüber: "Wir waren haushoch überlegen, wir haben dieses Spiel nur durch eigene Dummheit verloren - oder weil der Fußball-Gott an diesem Tag ein Blau-Weißer war." Und genau so etwas könne sich durchaus wiederholen. Denn: "Magdeburg hat gute Individualisten. Das große Mysterium ist, warum die nicht als Mannschaft zueinander finden", sagt Petersen. Zugleich drückt er dem Halleschen FC die Daumen: "Da es keinen Absteiger gibt, ist kein Mitleid mit Magdeburg nötig. Wenn Halle aber aufsteigt, wäre das gut für unser Bundesland. Es ist ja das einzige, das bislang kein Team in der dritten Liga hat." Also wagt er einen Tipp: "3:0".

Magdeburg selbst sieht sich in der Rolle des Außenseiters, erst recht nach dem Pokal-Aus gegen Haldensleben. "Wir gönnen dem HFC den Aufstieg", sagt dann auch Mageburgs Pressesprecher Stephan Lietzow. "Aber natürlich müssen sie das selbst bewerkstelligen. Wir werden unseren Spielern nicht sagen, dass sie die Füße heben sollen, nur weil eine Mannschaft aus Sachsen-Anhalt die Chance hat, in der dritten Liga zu spielen." Also: Magdeburg wird kämpfen. Lietzow: "Ein vernünftiges Ergebnis im Derby wäre der perfekte Neuanfang."

Auch interessant