Vorlesen

HFC: Sorgenkind Preuß steht auf

Uhr | Aktualisiert 12.11.2012 22:24 Uhr
Michael Preuß und Aachens Sascha Herröder lieferten sich einige packende Duelle. (FOTO: WORBSER) 
Von
HFC-Stürmer Michael Preuß war Anfang Oktober schon einmal abgeschrieben. Jetzt zeigt der 28-Jährige, was die Mannschaft an ihm hat.
Drucken per Mail
Halle (Saale)/MZ. 

Michael Preuß hatte viel Zeit an diesem Spät-Nachmittag in Aachen. Als die meisten seiner Teamkollegen vom Drittligisten Hallescher FC bereits in der Tiefgarage des Stadions Tivoli im Bus saßen, schlenderte er als einer der Letzten gemächlich durch die Katakomben. Ein Lächeln hier, ein Danke für die Glückwünsche zu seinem Tor dort und ein letzter Blick in jenes Stadion, in dem der HFC 3:0 gewonnen und er selbst mit dem ersten Stürmertor der Saison einen Fluch beendet hatte.

Man merkte ihm an: Dies war sein Nachmittag und den ließ er sich auch nicht mehr durch eine provokante Frage verderben. War das wirklich sein Tor zur 1:0-Führung? Oder war doch Alemannia-Verteidiger Sascha Herröder eher am Ball? "Nee, das war mein Ding", sagte der HFC-Stürmer, "da war ich dran. Das merke ich ja selber."

Das erste Stürmertor des Halleschen FC durch Preuß ist zugleich Beleg für die unerwartete Auferstehung des nominellen Rechtsaußen im Team von Trainer Sven Köhler. Es hat ein wenig was von einem Fußball-Märchen. Ein Einsatz im Auftaktspiel, dann fünf 25-Minuten-Auftritte und allgemein wenig überzeugende Darbietungen lautete die knallharte Bilanz vor gut vier Wochen. Preuß galt zusammen mit Telmo Teixeira-Rebelo, Angelo Hauk und Anton Müller als einer der Wackelkandidaten für mögliche Veränderungen im Team in der Winterpause. Auch in dieser Zeitung. "Für den Flügelflitzer war die Regionalliga die oberste Grenze. Die Verantwortlichen beim HFC tun sich und Preuß selbst keinen Gefallen, wenn sie ihn noch 25 weitere Spiele durch die dritte Liga quälen", hatte auch die MZ geurteilt. Jetzt tat Trainer Köhler dem Blondschopf den Gefallen und stellte ihn ins Angriffszentrum.

Auch aus diesem Grund zeigt der Coach jetzt offen seine Freude über Preuß. "Es ist schön, dass Mischa nach den aberkannten Treffern gegen Stuttgart und Bielefeld wieder ein Tor gemacht hat, das auch gezählt hat", sagte Köhler, "sonst verzweifelt man als Spieler."

Doch das Wort Verzweiflung kennt Michael Preuß nicht. Mit seinen 28 Jahren ist er einer der Älteren beim HFC. Vielleicht ein Grund, warum er in der Vergangenheit im Gegensatz zu manchem Teamkollegen durch angenehme Unaufgeregtheit und Zurückhaltung auffiel. Selbstkritisch gab er Mitte Oktober zu, sich Gedanken zu machen. Fußball sei "eben stark leistungsbezogen. Wenn es nicht reicht, dann soll es halt so sein."

Dieses Leistungsprinzip wendet sich nun wieder zu seinen Gunsten. Denn das Führungstor am Samstag hat seinen Wert für die Mannschaft - zumindest bis zur Rückkehr von Nils Pichinot - immens erhöht. Und auch Letzterer muss erst noch beweisen, dass er das Toreschießen in der dritten Liga aus seiner Zeit bei Carl Zeiss Jena nicht verlernt hat.

Für Preuß spricht auch, dass Köhlers Experiment, ihn mit Andis Shala als hängender Spitze spielen zu lassen, bisher aufgegangen ist. "Das klappt vorn gut mit Andis", findet auch der Torschütze. "Wir sind schon immer gut klar gekommen, auch menschlich." Dann hängt er noch dran: "Vielleicht hätte man das schon früher versuchen müssen. Aber der Trainer kann das ja nicht ahnen."

Dass wegen seines und Shalas Erfolgs Teixeira und Müller nun Dauerzuschauer werden könnten, nimmt Preuß locker: "Mein Gott, jeder hat seine Chancen gehabt." Und Köhler freut sich fast schon diebisch, dass seine Umstellung so gut gelungen ist: "Andis ist in Aachen schön marschiert und Mischa war an fast allen Offensiv-Aktionen beteiligt. Ich hoffe, dass er jetzt wieder das nötige Selbstvertrauen getankt hat, um auch in den nächsten Spielen solche erfolgreichen Leistungen anzubieten."

Bleibt nur noch die Frage, warum es plötzlich so rund läuft für Preuß. "Der Wendepunkt für mich war das Tor gegen Stuttgart", meint er. Der Abseits-Treffer habe ihm die Gewissheit gegeben, dass er doch noch eine gute Rolle im rot-weißen Dress spielen kann.

Auch interessant