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Handball: Wildcats mit missglückter Heimpremiere

Uhr | Aktualisiert 30.09.2012 22:59 Uhr

Der Spielstand nach Abpfiff: enttäuschend. (FOTO: ECKEHARD SCHULZ)

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Den Handballerinnen des SV Union Halle-Neustadt ist die Saison-Heimpremiere missglückt. Die Saalestädterinnen unterlagen am Samstag dem Aufsteiger Füchse Berlin mit 27:28 (15:16).
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Halle (Saale)/mz. 

Wie ein Häufchen Elend saßen die Spielerinnen von Union Halle-Neustadt nach dem Abpfiff auf und vor ihrer Auswechselbank. Einige fluchten, bei anderen kullerten die Tränen. Trainer Michal Lukacin hockte vor seinen Geschlagenen und sprach Mut zu. Seine Wildcats hatten gerade ihr zweites Spiel in der zweiten Handball-Bundesliga gegen die Füchse Berlin verloren. Und wie schon vor Wochenfrist in Dortmund wieder nur mit einem Tor: 27:28. "Das ist die Höchststrafe", meinte der Coach.

Zwei Spiele, zwei Fehler

Lukacin hatte zuvor die 250 Zuschauer in der Unihalle mit seinem gestenreichen, mitunter hektisch erscheinenden Auf und Ab an der Seitenlinie 60 Minuten bestens unterhalten. Und all das wäre wohl auch wirklich amüsant, wenn er damit nicht zum zweiten Mal eine Mitschuld an einer Niederlage getragen hätte.

Die Wildcats hatten einen Sechs-Tore-Rückstand zur Mitte der ersten Halbzeit (6:12) schrittweise in eine Zwei-Tore-Führung verwandelt. Doch genau in jenem Moment, als sich nach der Pause alles zum Positiven zu wenden schien, handelte sich ausgerechnet Lukacin wegen Reklamierens bei den Schiedsrichtern eine Zwei-Minuten-Strafe ein. 18:16 führte sein Team da. Fortan ging nichts mehr. "Stimmt", klagte auch Union-Präsident Bodo Meerheim, "da war ein Bruch im Spiel. Und aus dem 18:16 wurde in sechs Minuten ein 18:22. Es war die Vorentscheidung."

Die Strafe war umso ärgerlicher, als dass schon beim Auftaktspiel in Dortmund der spielentscheidende Fehler von der Bank ausgegangen war. Dort ging eine Drei-Tore-Führung vier Minuten vor dem Ende noch verloren, weil dem Trainer in der Hektik ein Wechselfehler unterlaufen war, den die Gastgeberinnen zur einzigen und zugleich Sieg bringenden Führung im Spiel nutzten.

Trotz der verpatzten Saisonstarts wollen aber weder Meerheim noch Teammanager Frank Kastner den Stab über dem Coach brechen. Verständlich, denn das wäre nach nur zwei von 28 Spielen auch viel zu früh. "Der Trainer hat dem Präsidium vor der Saison bereits gesagt, dass er seinen Spielerinnen verboten hat, nach den ersten vier Spieltagen auf die Tabelle zu schauen. Jetzt wissen wir alle auch warum", sagte Kastner. Mit drei Aufstiegsanwärtern und der Partie gegen einen Aufsteiger aus der Hauptstadt, der ohne Punktverlust durch die dritte Liga gerast ist und gestandenes Zweitliga-Format verkörpert, stand und steht ein hammerhartes Auftaktprogramm ins Haus. "Wir sind auch darauf vorbereitet, dass wir nach vier Spielen noch ohne Punkt dastehen", so Meerheim.

So weit muss es aber gar nicht kommen, denn die Erkenntnis nach zwei Spieltagen besagt: Die Wildcats können im Gegensatz zum Vorjahr auch mit starken Kontrahenten mithalten. Aber: Sie werden diese Spiele nur gewinnen, wenn sie Fehler minimieren. Und eines zeigt sich schon jetzt: Gerade dann, wenn Lukacin einen Fehler begeht oder eine falsche Entscheidung trifft, bricht im gesamten Team Hektik aus und die Mannschaft kommt von ihrer spielerischen Linie ab.

Dass Lukacin sein Handwerk durchaus versteht, ist dennoch unstrittig. Als im Pokalspiel gegen Zwickau in der ersten Halbzeit überhaupt nichts zusammenlief, setzte er mit einer Reklamation gegenüber den Schiedsrichtern ein Zeichen, das auch seine Spielerinnen verstanden. In der zweiten Hälfte kehrte Ruhe ein und die Wildcats drehten die Partie.

Auch am Sonnabend griff er zunächst zum richtigen Zeitpunkt positiv ein. Beim Stand von 6:12 nahm Lukacin eine Auszeit und stellte die Abwehr vom 6:0- auf ein 5:1-System um. Die ansonsten ganz schwache Spielmacherin Dagmara Stuparicova spielte vorgezogen. Der Systemwechsel brachte Union wieder auf Kurs - bis hin zur besagten 18:16-Führung.

Formschwankungen der Stützen

"Insgesamt", so schätzt auch Manager Kastner ein, "haben wir in jedem Spiel noch eine kleine Talsohle gehabt. Die können wir uns auf Dauer nicht leisten." Und dieses Leistungsloch betraf im Spiel gegen Berlin neben Stuparicova auch Torhüterin Anna Baranowska, die in der ersten Halbzeit nicht einen Ball halten konnte.

Kastner nimmt seine Leistungsträgerinnen dennoch in Schutz, allen voran seine Spielmacherin: "Stuparicova hat beim Pokal-Erfolg gegen Zwickau und in Dortmund zwei Riesenspiele gezeigt. Da ist ihr auch einmal ein schwächerer Tag gestattet."

Union: Baranowska, Voigt; St. Hummel 4, Kiskyte 2, Schwarz, Jäger 2, Möschter 2, Cichy, Burde 5, J. Hummel 3, Kracht, Uhlig 8 / 7, Stuparicova 1, Michel

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