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Handball: Union Wildcats behalten die Nerven und siegen

Uhr | Aktualisiert 06.01.2013 21:32 Uhr
Ausgelassener Jubel in Halle-Neustadt nach dem Sieg der Wildcats gegen Kirchhof. (FOTO: ECKEHARD SCHULZ) 
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Die Zweitliga-Handballerinnen des SV Union Halle-Neustadt haben am Sonnabend das Heimspiel gegen die SG Kirchhof knapp gewonnen. Durch den Erfolg verschafften sich die Wildcats etwas Luft im Kampf um den Klassenerhalt.
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Halle (Saale)/MZ/MAD. 

Als es hopp oder top hieß, blieb keine Zeit, groß nachzudenken. "Das ging alles so wahnsinnig schnell. Ich habe nicht einmal mehr überlegt, wo genau ich hinziele", erklärte Elisa Möschter. Es war der Versuch, sich an die Situation zu erinnern, die den Ausgang des Zweitliga-Handballspiels zwischen Union Halle-Neustadt und der SG 09 Kirchhof am Sonnabend entschieden hat.

Unmittelbar vor der Schlusssirene bekam Halles Rechtsaußen den Ball zugespielt - und ohne viel Federlesens zimmerte sie diesen auf das Tor von Kirchhofs Schlussfrau Nilla Oross. Die hatte tatsächlich das Nachsehen und musste zum 30. Mal hinter sich greifen. Einmal öfter als ihr Gegenüber Anna Baranowska. Danach glich die Unihalle einem Tollhaus. Gemeinsam mit den 450 Zuschauern feierten die Wildcats das 30:29 und vor allem die Matchwinnerin.

Es war ein völlig neues Gefühl für Halles Handball-Frauen. Dreimal schon hatte sie es bei einem Gleichstand kurz vor Spielende nicht geschafft, kühlen Kopf zu bewahren und das durchaus mögliche Siegtor zu erzielen. Viermal gab es knappe Niederlagen mit nur einem Tor. Doch diesmal: kein Nervenflattern, sondern wilde Entschlossenheit.

30 Sekunden vor Schluss hatte Trainer Michal Lukacin seine Mädchen zur Auszeit gerufen. Noch einmal absprechen, noch einmal allen ins Gewissen reden. Und auch Elisa Möschter schoss so einiges durch den Kopf. "Nein, bitte nicht schon wieder ein Remis - habe ich in dem Augenblick gedacht. Ich wollte unbedingt gewinnen", erzählte die 20-Jährige später.

Dabei war die Stimmungslage alles andere als günstig. Kurz zuvor hatte ihre Mannschaft einen Zwei-Tore-Vorsprung (29:27 / 59.) aus der Hand gegeben und war dazu noch in Unterzahl, weil Monic Burde eine Zeitstrafe absitzen musste.

Trotzdem hat es diesmal funktioniert und Union konnte sich aus den Abstiegsrängen spielen. "Da gehören wir sowieso nicht hin", ist Elisa Möschter überzeugt. "Unsere Mannschaft hat das Zeug zum gesicherten Mittelfeld. Wir haben so viele individuelle Stärken, die müssen wir nur nutzen."

Gegen Kirchhof gelang den Gastgeberinnen das nach dem Zwischenstand von 5:9 (17.) meist hervorragend. Hochkonzentriert holte Union Tor für Tor auf und setzte sich bis zur Pause auf 14:10 ab. Doch gegen Ende schlichen sich wieder kleine Fehler ein und bei der einen oder anderen Hallenserin kamen Selbstzweifel - bis Elisa Möschter Courage bewies.

Unions Manager Frank Kastner sah in dem jüngsten Erfolg auch das Ergebnis der steten Entwicklung des jungen Teams. "Wir haben Elisa im Sommer von unserem Kooperationspartner Leipzig geholt, um den Konkurrenzkampf anzufachen. Das funktioniert auf Rechtsaußen mit Elisa Möschter und Fabienne Kracht wirklich gut." Statt Zickenkrieg ein harmonisches Miteinander. Die beiden lernten voneinander und stachelten sich gegenseitig an, berichtet Kastner.

Ihre Einsätze für Halle sieht die gebürtige Görlitzerin Möschter als große Chance. "Beim HC Leipzig habe ich mit der zweiten Mannschaft in der dritten Liga gespielt, jetzt mit Union ist das schon ein Qualitätssprung", sagt die frühere Junioren-Nationalspielerin. Dennoch bleibt es nach wie vor ihr großer Traum, irgendwann einmal in der ersten Bundesliga vorn mitzumischen.

Trainieren darf die Linkshänderin, die mit einem Doppelspielrecht ausgestattet ist, jetzt schon mit dem Meisterschafts-Mitfavoriten. Dass in der Eliteliga die Gangart noch ein ganzes Stück rauer ist als im Unterhaus, hat sie vor zwei Monaten beim Training zu spüren bekommen. Bei einem Zusammenstoß mit einer Trainingsgefährtin zog sich Elisa Möschter eine Schultereckgelenksprengung zu. Da nur ein Band in der rechten Schulter gerissen war, blieb ihr eine Operation erspart. "Mit der wäre die ganze Saison gelaufen gewesen", weiß die Handballerin, die beim MDR in Leipzig eine Ausbildung zur Bürokauffrau absolviert.

Schon gegen Rosengarten kurz vor Weihnachten hatte sie wieder auf der Bank gesessen und gegen Greven zuletzt fünf Tore gemacht. Diesmal waren es sechs. Und es gibt noch Luft nach oben.

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