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Handball: Die Mannschaft, die keine ist

Uhr | Aktualisiert 27.02.2012 22:26 Uhr
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Stefanie Hummel (vorn)

Stefanie Hummel (vorn) am Boden. Ein Gefühl, das im Moment auch den anderen Union-Spielerinnen nicht fremd ist. (FOTO: ANDREAS LÖFFLER)

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Die Wildcats suchen in einem Krisen-Gespräch Auswege aus ihrer Misere. Dass es so nicht weitergeht, darüber waren sich in der Aussprache alle einig. Burde fast trotzig: "Was bringt uns ein Einzelkämpfer? Wir sind nun einmal eine Mannschaftssportart. Wer das nicht versteht, der soll doch zum Judo gehen."
Halle (Saale)/MZ. 

Mit klatschnassem, blutleerem Gesicht und heftig pumpendem Herzen huschte Monic Burde hinüber zu den Zuschauerreihen. Sie wollte das tun, was für ihre Wildcats nach jedem Zweitliga-Spiel zum Ritual geworden ist: die hartgesottenen Fans abklatschen. Nach dem blamablen 25:37 gegen Metzingen am Sonntagabend in der Neustädter Unihalle musste dem Kapitän der halleschen Handball-Frauen das früher so freudig wahrgenommene Ereignis aber wie ein Spießrutenlauf vorgekommen sein.

"Das war einfach nur peinlich, was wir gezeigt haben", sagte Monic Burde und rettete sich vor weiteren Fragen erst einmal in die Kabine zu einer ersten kollektiven Aufarbeitung des Fiaskos.

Ballverluste, konfuse Pässe

Nicht der Punktverlust als solcher gegen den Spitzenreiter ging der Spielerin so an die Nieren. Sie war vor allem darüber erschrocken, wie die Niederlage zustande gekommen war. Und ihre Mitstreiterinnen offenbar auch. Denn auch wenn sie sich abgerackert hatten: Der Tabellen-13. präsentierte sich gegen den Spitzenreiter wie ein Absteiger. Ballverluste, versiebte Konter, konfuse Pässe - so kann das drohende Abrutschen in die Bedeutungslosigkeit nicht gestoppt werden. Das war allen klar und machte eine schnelle Aussprache zwingend notwendig.

Trainer Michael Funke kam als Erster schon nach wenigen Minuten aus der Kabine. "Ich habe in den letzten Wochen genug geredet. Das müssen die Spielerinnen unter sich klären", sagte der Coach konsterniert. Dann legte er den Finger in die Wunde: "Wir arbeiten nicht als Mannschaft." Und: "Jede sucht den Fehler bei den anderen."

Hinter der verschlossenen Tür ohne Trainer wurde dann Tacheles geredet, wie Monic Burde bestätigte. "Natürlich haben wir uns die Frage nach dem Warum gestellt. Wir sind ja eigentlich alle motiviert, haben auch ordentlich trainiert." Dann sagte sie einen entscheidenden Satz. "Bei uns fehlt auf dem Feld das Miteinander, das Füreinander da sein. Jeder will sein eigenes Tor werfen, anstatt auch mal den Blick zum Nachbarn zu suchen."

Die Rückraumspielerin nimmt sich da selbst nicht aus. Auch gegen Metzingen hatte sie immer wieder überhastet ihr Glück im Angriff versucht, den Pfosten auf seine Standfestigkeit überprüft oder Metzingens Torfrau berühmt geschossen. Sehenswerte Spielzüge waren aber auch von ihren Mitstreiterinnen Mangelware.

Dass es so nicht weitergeht, darüber waren sich in der Aussprache alle einig. Burde fast trotzig: "Was bringt uns ein Einzelkämpfer? Wir sind nun einmal eine Mannschaftssportart. Wer das nicht versteht, der soll doch zum Judo gehen."

Die Frage ist, wie der Schalter umgelegt werden soll, denn die Zeit drängt. Nur noch neun Mal haben die Hallenserinnen die Chance zu punkten. Und als nächstes warten mit Dortmund und Rosengarten erneut schwere Gegner.

Helfen vielleicht teambildende Maßnahmen? "Das hatten wir doch alles im Vorfeld", entgegnete Burde. "Das brauchen wir nicht, denn privat verstehen wir uns. Es gibt keinen Knatsch oder Zickenkrieg."

Individuell stark besetzt

Dass die Wildcats durchaus die spielerische Klasse haben, weiter oben in der zweiten Liga mitzuspielen, haben sie in den letzten Jahren gezeigt. Individuell sind die Wildcats nach wie vor stark besetzt. Mit Burde als ehemaliger Erstligaspielerin, der international erprobten Jurate Kiskyte oder Zofia Fialekova verfügen sie über erfahrene Spielerinnen mit Führungsqualitäten. Dazu kommen die Junioren-Nationalspielerinnen Anne Voigt im Tor sowie Stefanie und Jacqueline Hummel. Letztere hatte gegen Metzingen als Einzige einen guten Lauf und neun Tore erzielt.

Nun muss es gelingen, aus den Individualisten ein Team zu formieren - das erscheint die einzige Chance, aus dem Abstiegssumpf herauszukommen. Die Aussprache sollte der erste Schritt sein.

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