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Handball-2. Bundesliga: Blankes Entsetzen und pure Ratlosigkeit

Uhr | Aktualisiert 17.12.2012 22:59 Uhr
Union-Torfrau Anna Baranowska bot eine starke Partie und entschärfte nicht nur diesen Wurf von Rosengartens Sanne Hoekstra. (FOTO: SCHULZ) 
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Eine Halbzeit glanzvoll, eine katastrophal. Die Wildcats verspielen gegen Rosengarten einen riesigen Vorsprung.
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Halle (Saale)/MZ. 

Monic Burde und Eileen Uhlig waren am Montag gemeinsam mit Trainer Michal Lukacin und Teammanager Frank Kastner Tennis spielen. Für einen guten Zweck - zugunsten krebskranker Kinder. Bei diesem Turnier trafen die beiden Handballerinnen von Union Halle-Neustadt auch Ralf Steinbach, Sachsen-Anhalts besten Tennisspieler, der mittlerweile in den USA Psychologie studiert.

Man könnte meinen, Steinbach war genau der richtige Partner für die beiden Wildcats. Er half ihnen, zumindest zeitweilig mal in einer Sportart erfolgreich zu sein. "Das tat der Seele gut", sagte Uhlig. Vielleicht konnte er aber auch Hilfe leisten, die 24:28 (16:9)-Pleite in der Liga gegen die SGH Rosengarten mental zu verarbeiten.

Das Negativerlebnis vom Sonntag wirkte tatsächlich noch nach. "Wir haben dieses Spiel als Mannschaft in den Sand gesetzt. Da hatte kein Außenstehender eine Aktie. Der Trainer hat alles versucht. Er war machtlos, weil wir versagt haben", erklärte Uhlig.

Die Wildcats boten gegen den ehemaligen Erstligisten aus Rosengarten 30 Minuten "Traum-Handball", wie der ehemalige Union-Geschäftsführer Burkhard Gräßler fand. "Ich hatte Anna Baranowska im Tor noch nie so stark gesehen. Die Abwehr stand wie eine Mauer, und das Konterspiel lief wie am Schnürchen. Beim 16:9 zur Halbzeit hätte ich keinen Pfifferling mehr auf Rosengarten gesetzt."

Doch was sich nach der Pause vor den 250 Zuschauern in der Unihalle abspielte, versetzte alle in tiefe Ratlosigkeit. "Alles, was in der ersten Halbzeit so gut geklappt hatte, war jetzt wie weggeblasen", sagte Gräßler. Im Gegensatz zu anderen Heimspielen versuchte Trainer Lukacin, seine Spielerinnen zu beruhigen, sprach ihnen immer wieder Mut zu und nahm zu den richtigen Zeitpunkten die Auszeiten, um die Reihen neu zu ordnen. Als der klare Vorsprung Tor um Tor schmolz, griff er beim 17:14 (42.) ebenso ein wie beim 22:24 (55.), als Rosengarten das Spiel drehte. "Der Trainer hat sich das Gespräch, das wir letzte Woche mit ihm geführt hatten, zu Herzen genommen und schon unter der Woche eine ganz andere Ansprache gefunden. Er steht für dieses Spiel außerhalb jeder Kritik", sagte Kastner.

Auch der Manager hatte vor der Abwechslung beim Tennis-Turnier eine schlaflose Nacht hinter sich. "Wir haben so viel im Vorfeld dieses Spiels versucht. Wir hatten viele Gespräche, eine kleine Weihnachtsfeier, waren zum Bowling. Ich habe mich immer wieder gefragt: Was haben wir noch vergessen?" Zum dritten Mal in Folge nach den Punkteteilungen gegen Ober-Eschbach (29:29) und Mainz (29:29) hatten die Wildcats in einem Heimspiel eine klare Führung noch verspielt.

Die Suche nach Gründen wird noch eine Weile dauern. Zumindest einen glaubt Kastner aber gefunden zu haben. "Uns fehlt im mittleren Rückraum die Führungsspielerin, die unantastbar ist, klare Ansagen macht und auch die tödlichen Pässe spielt." Und weiter: "Dagmara Stuparicova gelingt das mitunter, aber sie ist keine gelernte Spielmacherin und in ihrer Ansprache zu leise. Monic Burde kann das auch, aber bei ihr ist die Fehlerquote zu hoch. Und Eileen Uhlig merkt jetzt, dass man nach einem Kreuzbandriss nicht so einfach mal zurückkommt."

Der Vorwurf ging dennoch an die ganze Mannschaft. "Die Frauen haben nach der Halbzeitpause die taktische Marschroute verlassen. Das merkt ein ehemaliges Erstliga-Team sofort", so Kastner. War die Partie für einige Spielerinnen bereits in der Halbzeit gewonnen? "Das glaube ich nicht", sagte Trainer Lukacin. "Wir hatten uns zuvor ja nicht gerade mit Erfolgen belohnt, so dass uns eine Überheblichkeit zugestanden hätte."

Doch auch aus den Worten des Coaches klang Ratlosigkeit, als er sagte: "Zwei so verschiedene Gesichter meiner Mannschaft kannte ich bisher auch noch nicht."

Union: Baranowska, Voigt; St. Hummel 5, Kiskyte, Schwarz, Möschter 1, Cichy, Burde 5, J. Hummel 3, Kracht 3, Uhlig 5 / 3, Stuparicova 1, Michel