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Hallescher FC: Sven Köhler ist nachdenklich wie nie

Uhr | Aktualisiert 01.02.2013 22:47 Uhr

HFC-Trainer Sven Köhler. (ARCHIVFOTO: LÖFFLER)

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Der HFC tritt morgen in Unterhaching an. nach dem Remis voriges Wochenende gegen die Stuttgarter Kickers ist der Druck noch einmal gestiegen - vor allem auf Trainer Sven Köhler.
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Halle (Saale)/MZ. 

Die Frage kam reichlich spät. Am 1. Februar, am Freitag. Eine echte Überraschung in der Pressekonferenz des Halleschen FC vor dem Ligaspiel am Sonntag bei der SpVgg Unterhaching. Und doch entpuppte sich die scheinbar so unpassende Frage als absolut treffend. Was er sich denn wünschen würde für das Jahr, wurde Trainer Sven Köhler gefragt. Und die Antwort verblüffte. "Ich wünsche mir", sagte der Coach also, "dass wir in einem dreiviertel Jahr dasselbe Gespräch hier führen können."

Hier bedeutet im Erdgas Sportpark. Hier bedeutet mit Sven Köhler als Cheftrainer des HFC.

Bei Sven Köhler ist Nachdenklichkeit eingekehrt in der Woche nach dem 1:1 gegen die Stuttgarter Kickers. Er selbst hatte das Remis als vermeidbar eingestuft. Den Verantwortlichen im Verein geht es kaum anders. Zumal es als offenes Geheimnis gilt, dass Köhler mindestens sechs, besser aber sieben Punkte aus den ersten drei Pflichtspielen nach der Winterpause als Vorgabe bekommen hat.

Kein Wunder, dass sich da Szenarien im Kopf abspielen. "Die gibt es schon", gibt Köhler offen zu. "Aber was bringt das? Ich verdränge es."

Sechs-Punkte-Vorgabe an Köhler

Verdrängen lässt sich indes nicht, dass der Hallesche FC seit Mittwochabend zum ersten Mal in dieser Saison auf einem Abstiegsplatz steht. Der direkte Konkurrent, wieder die Stuttgarter Kickers, befreiten sich mit einem 2:0-Sieg in Wiesbaden aus dem Tabellenkeller. "Dass der Druck größer wird, das weiß ich doch", sagt Köhler. "Ich bin ja nicht von gestern." Dann setzt er nach. "Und ich habe auch keine Angst davor."

Sven Köhler trainiert den Halleschen FC seit 2007. Er führte den Verein aus der Oberliga in die dritte Spielklasse. Was der Verein heute sportlich darstellt, ist Köhlers Verdienst. Doch Dankbarkeit, das weiß er, kann er dennoch kaum erwarten. "Wer sich dem Beruf des Fußball-Trainers verschreibt, weiß auch um die Gesetzmäßigkeiten dieses Metiers", sagt er. Und dann spricht er Klartext: "Meine Arbeit wird an Ergebnissen, sprich Siegen gemessen. Und wenn die über einen längeren Zeitraum nicht kommen, ist Schluss."

Zum ersten Mal Abstiegskampf

Als Trainer hat Sven Köhler noch nie gegen den Abstieg gekämpft. In Drucksituationen aber war er trotzdem schon oft. 2008 - die zwingende Vorgabe den Aufstieg in die Regionalliga zu schaffen. 2012 - die offensive Vorgabe, den Sprung in Liga drei zu meistern trotz des schier übermächtigen Gegners RB Leipzig.

Genau diese Situation zieht der Trainer nun als Vergleich heran. In der Aufstiegssaison vor Jahresfrist habe man "vorzeitige Matchbälle" vergeben. "Es wurden immer weniger Partien", erinnert sich Köhler. "Und am Ende kam es zu einem Endspiel gegen RB Leipzig. Das hat an den Nerven gezerrt."

Doch ist Druck, der sich aus Erfolgen aufbaut, dasselbe wie Druck durch Misserfolge?

Abschalten unmöglich

In diesen Tagen sieht man Sven Köhler in den Trainingseinheiten des Öfteren sehr nachdenklich am Rand des Platzes stehen. Und auch zu Hause fällt die Ablenkung schwer. Denn der Rückzugsort, sein Garten in Chemnitz, eignet sich im Winter nicht zur Wohlfühl-Oase. Abschalten unmöglich? "Das geht nicht völlig", sagt Köhler. "Man versucht sich das vielleicht einzureden, aber irgendwann kommen die Gedanken an den Job wieder hoch."

Einfacher werde es nur, wenn eine Saison erfolgreich abgeschlossen sei. "Aber auch da denkt man auch schon wieder an das nächste Spieljahr."

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