Vorlesen

Hallescher FC: Pierre Becken und der Fußbruch

Uhr | Aktualisiert 01.02.2013 16:28 Uhr
Schlechte Platzverhältnisse. (FOTO: DPA) 
Von
Pierre Becken kämpft in seiner Heimatstadt mit trüben Gedanken. Der Schock über seinen erneuten Mittelfußbruch im Training vor einer Woche ist noch immer nicht ganz überwunden. Auch deshalb weilt der Verteidiger des Halleschen FC gerade nicht an der Saale, sondern an der Elbe.
Drucken per Mail
Hamburg/Halle (Saale)/MZ. 

Ungemütlich ist es draußen, Regenschauer und Windböen sorgen für triste Stimmung in den Häusern von Hamburg. Auch Pierre Becken kämpft in seiner Heimatstadt mit trüben Gedanken. Der Schock über seinen erneuten Mittelfußbruch im Training vor einer Woche ist noch immer nicht ganz überwunden. Auch deshalb weilt der Verteidiger des Halleschen FC gerade nicht an der Saale, sondern an der Elbe.

Gemeinsam mit seiner Frau Donja und seiner eineinhalb Jahre alten Tochter Aurora sucht Becken nach einem Stück Normalität. Einkaufen, zum Arzt und Spazieren gehen. "Ich steige in den Alltag meiner Familie ein", erklärt der 25 Jahre alte Fußballspieler. Das sei in der momentanen Situation gut für sein Seelenheil.

Es war nur ein ganz normaler Zweikampf, der sich als Schicksalsschlag für Becken entpuppte. Beim Kopfballduell - gegen wen weiß er selber nicht mehr - landete sein Gegner unglücklich auf Beckens Fuß. "Ich wusste sofort, dass da etwas nicht stimmt", erinnert er sich. "Nicht schon wieder!" schoss es ihm durch den Kopf. Doch es half alles nichts. Erst nährte ein Röntgenbild den schlimmen Verdacht, die Bilder aus der MRT-Röhre bestätigten diesen. Ein Riss hatte sich direkt unter der eigentlich stabilisierenden Metallplatte im Fuß gebildet. Mindestens drei, vier Monate geht erstmal nichts mehr.

"Eigenartig, aber es passiert"

Als Mannschaftsarzt Thomas Bartels ihm die Nachricht mitteilte, herrschte erstmal Stille. "Es war die totale Enttäuschung", sagt Becken. "Für beide Seiten. Das kann man gar nicht beschreiben."

Im ersten Spiel gegen Offenbach hatte sich Becken schon einmal den Mittelfuß gebrochen, bei einer Operation wurde dann die Platte eingesetzt. Nach gut elf Wochen Pause war der Knochen wieder geheilt. "Bevor Pierre freigegeben wurde, haben wir den Fuß unabhängig überprüfen lassen", erklärt Bartels, "alles war knöchern komplett durchgebaut." Heißt: zusammengewachsen und geheilt.

Keine Gefahr mehr also. Denn eigentlich können geheilte Knochen nicht zweimal an derselben Stelle brechen. "Das ist ein ungeschriebenes Gesetz", sagt Becken. Und auch Bartels wundert sich. Denn zugleich sitze die Platte weiterhin fest auf dem Mittelfußknochen. "Das ist eigenartig, aber es passiert", so der Arzt.

Es ist wohl einfach das Schicksal. Das Schicksal eines Berufs-Fußballers. Der Sport ist prinzipiell hart. Und Rücksicht darf man nicht erwarten. "Pierre hat seit seiner Genesung bestimmt zehn massive Schläge auf die Stelle gekriegt", vermutet Bartels. Vielleicht sei Becken auch besonders anfällig, er habe immer schon Beschwerden im Fuß gehabt, so der 53-Jährige. "Ich weiß es nicht."

Eines ist aber klar. Die Saison in der dritten Liga ist für Becken beendet. "Wir haben die Reißleine gezogen", sagt Bartels. Der Verein plane zwar weiter mit seinem Verteidiger, auch über den Sommer hinaus. Doch selbst wenn Becken schmerzfrei sein sollte, plädiere er für eine längere Pause.

Gefahr chronischer Beschwerden

Es drohen nämlich deutlich schlimmere Konsequenzen. "Es gilt jetzt", erklärt Bartels, "übervorsichtig hoch drei zu sein." Gefahren wie chronische Beschwerden oder gar die Bildung eines so genannten Scheingelenks sind nicht auszuschließen. In manchen Fällen folgt auf derartige Verletzungen das Karriereende.

Pierre Becken verdrängt solche Gedankenspiele. "Darüber mache ich mir gar keine Minute Gedanken", sagt er. "Ich stelle mich eher drauf ein, dass es nochmal bricht." So wie bei Sascha Bigalke vom 1. FC Köln, der sich in zwei Jahren drei Mal den Mittelfuß gebrochen hat.

Ganz nordisch kühl kann aber auch der gebürtige Flensburger nicht bleiben. "Die fünf Tage bei meiner Familie habe ich gebraucht", räumt er ein. "Aber ich habe immer noch einen Job."

Auch interessant