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Hallescher FC: Köhler tobt: «Wir sind zu blöde»

Uhr | Aktualisiert 19.11.2012 17:48 Uhr
Nach einem Stoß des Dortmunder Torschützen Rico Benatelli (rechts) fliegt Halles Marco Hartmann. (FOTO: WORBSER) 
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Nach der schwächsten Saisonleistung verliert der Hallesche FC gegen Schlusslicht Dortmund II. HFC-Trainer Köhler tobte nach der 0:1-Niederlage.
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Halle (Saale)/MZ. 

Die Spieler waren längst in den Katakomben des Erdgas Sportparks verschwunden, da saß Wilfried Klose noch auf seinem Stuhl auf der Haupttribüne. Sein Blick war leer und er schüttelte immer wieder den Kopf. "Gegen wen wollen wir denn überhaupt gewinnen, wenn nicht gegen den Tabellen-Letzten?", fragte der Vorsitzende des HFC-Wirtschaftsbeirates seinen Sitznachbarn. Der wusste auch keine Antwort. Aber beiden war klar: Die 0:1-Niederlage des Halleschen FC im Drittligaspiel gegen Borussia Dortmund II "war völlig verdient".

Während sich Klose dann in den VIP-Bereich zurückzog, tobte Sven Köhler in der Kabine. Im Beisein von Präsident Michael Schädlich nahm der HFC-Trainer eine erste, bewusst lautstarke Auswertung der vierten Heimpleite in dieser Saison vor. "Wer soll denn noch kommen außer Dortmund II? Wir sind einfach zu blöde", schimpfte er. Der Coach, der eigentlich dafür bekannt ist, sich auch in der schwierigsten Situation vor die Mannschaft zu stellen, war dieses Mal nicht bereit, die Verantwortung mit zu übernehmen. "Es gibt ein paar Spieler, die haben den Sieg in Aachen völlig falsch eingeordnet. Sie haben sich nach drei guten Halbzeiten schon weiter gewähnt, als sie sind", sagte Köhler.

In den Reihen der Rot-Weißen war nichts mehr von jenem Elan und der Kampfkraft zu sehen, die sie noch in der zweiten Halbzeit gegen Arminia Bielefeld (2:2) und in der Vorwoche beim 3:0-Erfolg bei Alemannia Aachen ausgezeichnet hatte. Es dauerte keine Viertelstunde, da hatten die jungen, spielstarken Dortmunder mitbekommen, dass der HFC enorme Probleme im Spielaufbau hat und verlegten deshalb ihre erste Pressing-Reihe 35 Meter vor das Tor von HFC-Schlussmann Darko Horvat. Der 39-Jährige war davon mehr als genervt und faltete seine Vorderleute zusammen. "Ich habe gesagt, sie sollen die Bälle nicht hin und her oder zu mir zurück spielen, sondern nach vorn. Mit jedem Querpass ist die Verunsicherung größer geworden", meinte der Keeper. Auch Wirtschaftsrats-Boss Klose, der in dieser Funktion immerhin einige hunderttausend Euro pro Saison bei Geldgebern für das kickende Personal locker macht, hatte das so gesehen. "Nach zehn Minuten waren wir nicht mehr Herr im eigenen Stadion", sagte er.

Mit einem einfachen Mittel stürzten die Dortmunder den HFC von einer Verlegenheit in die andere. Sie spielten hohe Bälle auf Mittelstürmer Balint Bajner und dieser verlängerte per Kopf auf Leonardo Bittencourt. "Ich frage mich heute noch, warum sich Sören Eismann als kleinerer Spieler auch noch in diese Kopfballduelle einschalten musste, während Bittencourt in seinem Rücken davon gelaufen ist", sagte Köhler am Sonntag nach dem Auslauftraining. Der Trainer war immer noch angefressen. "Wir haben viele falsche Entscheidungen getroffen. Wir hätten die spielerisch besseren Dortmunder vor allem mit kämpferischen Mitteln aus der Partie nehmen müssen", sagte er. "Jetzt sind wir zurück auf dem Boden der Tatsachen und müssen uns wieder warm anziehen."

Letzteres galt vor allem für seine Spieler, denn als erste Maßnahme strich Köhler den üblichen trainingsfreien Montag. "Für Freizeit gibt es keinen Grund. Wir haben zu viel aufzuarbeiten", begründete er die Maßnahme.

Nachdem Horvat gegen Rico Benatelli (12.), Koray Günter (12.) und Bittencourt (28.) noch Schlimmeres verhindern konnte, war auch er machtlos, als Benatelli nach einer Ecke von Jonas Hofmann völlig frei vor ihm zum Kopfball kam (29.). Nur zwei Minuten später verpasste Benatelli die Vorentscheidung, als er aus zehn Metern neben das Tor schoss. Auf der Gegenseite war ein Kopfball von Steven Ruprecht (26.) erwähnenswert. Und eine Minute vor der Pause hätte Schiedsrichter Patrick Alt auf Strafstoß für den HFC und Rot gegen den Dortmunder Florian Hübner entscheiden müssen, weil dieser als letzter Mann Michael Preuß im Strafraum festhielt. "Ein Ausgleich in dieser Phase hätte uns vielleicht weitergeholfen. Aber so schlecht, wie wir gespielt haben, müssen wir nicht mit dem Schiedsrichter hadern", so Köhler.

In der zweiten Halbzeit besaßen Preuß (58.) und der eingewechselte Nils Pichinot (75.) so etwas wie Chancen. Vor allem aber verhinderte Darko Horvat mit zwei Weltklasse-Reflexen (68., 83.) gegen Bittencourt eine noch deutlichere Heimpleite. So war das Resultat noch das Beste für den HFC.

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